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Tüv Saarland startet auch Cyber-Attacken

Tüv Saarland : Tüv Saarland startet auch Cyber-Attacken

Datenschutz und IT-Sicherheit sind noch junge Geschäftsfelder der Unternehmensgruppe. Simulierte Angriffe auf IT-Systeme gehören dazu.

„Früher hat der Tüv dafür gesorgt, dass keine Dampfkessel explodiert sind. In einer digitalisierten Welt wachsen uns andere Aufgaben zu, wie zum Beispiel die Sicherheit von IT-Systemen.“ Für Carsten Schubert, Vorstandschef des Tüv Saarland, zieht sich der Gedanke, dass Technik sicher sein muss, damit sie den Menschen nützt, wie ein roter Faden durch die Geschichte der Technischen Überwachungsvereine, aus denen die einzelnen Tüvs später entstanden sind.

So ist der Datenschutz und die Frage, wie verwundbar IT-Systeme sind, „inzwischen zu einem zen­tralen Geschäftsfeld des Saar-Tüv geworden“, sagt Thorsten Greiner, Geschäftsführer der Tüv-Holding. Bewerten, beurteilen, zertifizieren – dieser Dreiklang markiert die Arbeitsschritte, nach denen die Tüv-Experten vorgehen. Im Bereich IT reicht das von der Überprüfung des Brandschutzes in den Rechenzentren bis hin zur Redundanz der Datenbestände. Will heißen – wie oft sind die zentralen Daten hinterlegt und verfügbar, wenn ein Bestand gelöscht oder sonstwie vernichtet wurde. „Wir können auch einen Angriff auf  IT-Systeme starten, um zu sehen, wo sie ihre Schwachstellen haben“, erläutert Schubert. Auf das Tüv-Zertifikat sind zum Beispiel junge Firmen aus dem Hochschul-Umfeld  – sogenannte Start-ups – angewiesen. „Wer internetbasierte Geschäftsmodelle umsetzen will, braucht das Tüv-Siegel, um überhaupt am Markt zugelassen zu werden“, betont Greiner.

Das Geschäft rund um die IT-Sicherheit und den Datenschutz betreut die Firma Tekit Consult mit Sitz in Bonn und einer Niederlassung in Berlin. Das Unternehmen ist eines von 23, die unter dem Dach der Tüv Saarland Holding angesiedelt sind. Holding-Chef ist Thorsten Greiner. Eigentümer der Dachgesellschaft ist mehrheitlich der Verein Tüv Saarland, dessen ehrenamtlicher Vorstandschef Carsten Schubert ist. Die gesamte Gruppe Tüv Sarland beschäftigt mehr als 650 Mitarbeiter und hat im vorigen Jahr 78,1 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Weitere Zukunftsfelder, die der Tüv Saarland ins Visier genommen hat, sind Zertifizierungen rund um die Themen erneuerbare Energien, Elektromobilität oder autonomes Fahren. „Egal ob Windräder, Blockheizkraftwerke, Fahrer-Assistenzsysteme oder Hochleistungs-Batterien –  sie alle müssen bewertet, beurteilt und zertifiziert werden“, sagt Greiner.

Ein weiteres wichtiges Standbein der Gruppe ist das Seminargeschäft, das von der Tochter Tüv Saarland Bildung + Consulting betreut wird. Vor allem beim Arbeits- und Umweltschutz wurde das Seminarangebot spürbar ausgeweitet. Auf dem Gebiet der zerstörungsfreien Prüfverfahren mithilfe von Ultraschall oder elektromagnetischer Wellen schlägt die Tüv-Gruppe gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Firma ZWP Anlagenrevision aus Beckingen testet Lichtmasten – zum Beispiel für Straßenlaternen – auf ihre Standfestigkeit. Die Tüv-Töchter Vector und Sector-Cert qualifizieren im In- und Ausland Leute, die die zerstörungsfreien Testmethoden beherrschen müssen.

 Carsten Schubert, Vorstandschef des Vereins Tüv Saarland.
Carsten Schubert, Vorstandschef des Vereins Tüv Saarland. Foto: Tüv Saarland/Benno Leinen

Die klassische Dampfkessel-Prüfung hat der Tüv Saarland ebenfalls noch im Angebot. Hier hat die Gruppe vor fast 20 Jahren ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) zusammen mit dem weltweit führenden Prüfkonzern SGS  gegründet, die Firma  SGS-Tüv Saar. Sie ist für die Sicherheit von Anlagen und Maschinen zuständig. Auch den Tüv-Stempel fürs Auto gibt es noch. Dieses Geschäftsfeld ist in Joint Ventures mit dem Tüv Rheinland gebündelt und war 2016 auf Wachstumskurs. Es steuert noch 13,4 Prozent zum Umsatz bei.