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Svolt plant Milliarden-Investition in Fabrik für kobaltfreie Batterien im Saarland

Mega-Fabrik für Autobatterien : Konzern aus China will Milliarden im Saarland investieren

Das Saarland wird wichtiger Standort im Batterie-Zeitalter. SVolt aus China investiert zwei Milliarden Euro und schafft 2000 Arbeitsplätze – mit neuer Technologie für Elektroautos.

Das Saarland steht vor einer der größten Industrie-Ansiedlungen seiner Geschichte. Der chinesische Hersteller SVolt will bis 2023 in Überrherrn auf dem Linserlerfeld und in Heusweiler-Eiweiler eine Produktion von kobaltfreien Batterien für die Automobil-Branche hochziehen. Geplant sind Investitionen von rund zwei Milliarden Euro, wie Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) und Vertreter des Unternehmens heute in Saarbrücken vor Journalisten erklärten. Den Angaben zufolge werden so im Saarland am Ende rund 2000 Arbeitsplätze geschaffen. Ein ähnliches Volumen hatte zuletzt die Ansiedlung der Ford-Werke Ende der 60er Jahre im Saarland.

Die Bemühungen der Landesregierung, die neue Tesla-Batterieproduktion in Europa zu erhalten, waren noch gescheitert. Den Zuschlag erhielt damals Brandenburg. Jetzt setzte sich das Saarland gegen 31 Mitbewerber in Europa durch. Hans nannte die Ansiedlung einen „riesigen Erfolg“. Rehlinger sprach von einem „Gamechanger“ für die Zukunft des Landes.

Den Plänen zufolge soll in Überherrn zwischen 2021 und 2023 die Produktion der Batterie-Zellen entstehen. Hierfür wird die bereits ausgewiesene Industriefläche Linslerfeld mit rund 840 000 Quadratmetern (rund 100 Fußballfelder) genutzt. Im ehemaligen Laminatepark Heusweiler wird auf 50 000 Quadratmetern ein großes Verpackungs- und Versandzentrum entstehen. Mit der Errichtung und dem schlüsselfertigen Aufbau der beiden Fabriken wird der Landesregierung zufolge die Strukurholding Saar GmbH beauftragt.

Die Batteriezell-Produktion soll in mehreren Bauphasen je eine Kapazität für Batterien mit sechs Gigawattstunden erhalten und am Ende über 24 Gigwattstunden verfügen. Das entspricht Batterien für 300- bis 500 000 E-Fahrzeuge. Es soll die erste Fertigungsstätte des chinesischen Unternehmens in Europa sein. Weltweit wird es nach einem Bericht des Handelsblatts von Mitte 2019 fünf Standorte von SVolt geben, darunter auch einen in den USA. Geplant sei, bis zum Jahr 2025 global weltweit eine Batterieproduktionskapazität von 100 Gigawattstunden zu erreichen. Bereits im August gab es Berichte, denen zufolge der chinesische Batteriehersteller künftig den französischen PSA-Konzern mit Batteriezellen beliefern wird. Der Auftrag sollte ein Volumen von sieben Gigawatt haben, hieß es. Zu möglichen Partnern äußerten sich Vertreter vom SVolt am Dienstag in Saarbrücken aber nicht. Auch Ford sei aber als Kunde willkommen.

Das Unternehmen hatte bereits im Mai den Bau von zwei kobaltfreien Batterien angekündigt. Kobalt ist giftig und teuer. Sein Ersatz als Rohstoff für die Batterieproduktion ist ein Ziel der gesamten Branche. Die SVolt-Batterien sollen etwa 75 Prozent Nickel, 25 Prozent Mangan und einen geringen Prozentsatz anderer Metalle enthalten, wie es in Branchendiensten hieß. Ab 2021 werde man diese neue, kobaltfreie Batterie von einem chinesischen Werk aus zunächst an den Autohersteller Great Wall Motor für den Einbau in ihren High-End-Elektroautos liefern.

Laut Yang Hongxin, dem Präsident von SVolt, haben diese mehrere Hauptvorteile, darunter eine längere Lebensdauer, bessere Sicherheit und eine höhere Energiedichte. Aufgrund dieser Eigenschaften könnte die nächste Batterigeneration auf kleineren Raum passen und gleichzeitig die Reichweite der Autos drastisch erhöhen. Er sprach von 880 Kilometer Reichweite. Die Hoffnung: Die Skepsis der Verbraucher wegen der Reichweite von batteriebetriebenen Fahrzeugen werde sinken. Sein Unternehmen garantiere eine Lebensdauer von 15 Jahren oder 1,2 Millionen Kilometern, sagte Yang Hongxin nach Angaben des Dienstes elective.net im Juli.