Stühlerücken in der saarländischen  Stahlindustrie

Saar-Wirtschaft : Stühlerücken in saarländischer Stahlindustrie

Bernd Münnich wird als Technik-Vorstand der Dillinger Hütte abgelöst. Saarstahl-Technik-Chef Martin Baues soll seinen Job mitmachen.

In den Führungsetagen der saarländischen Stahlindustrie kommt es in den kommenden Monaten zu einem Stühlerücken. Bernd Münnich (56), bislang Technik-Vorstand der Dillinger Hütte und Mitglied der Geschäftsführung der SHS – Stahl-Holding Saar, scheidet nach der Aufsichtsratssitzung der Unternehmen im März aus diesen Positionen aus. Das bestätigte eine SHS-Sprecherin auf Anfrage.

Bernd Münnich muss seinen Vorstandsposten abgeben. Foto: Dillinger Hütte/Dillinger

Münnichs Ämter bei Dillinger und in der Obergesellschaft SHS soll Martin Baues (57) übernehmen, der bislang Technik-Vorstand von Saarstahl ist. Diese Position soll er weiter beibehalten. Offiziell ist die Bestellung von Baues noch nicht. „Die Aufsichtsräte von SHS und Dillinger „werden sich in der kommenden Sitzung im März mit der Personalie befassen und einen geordneten Übergang sicherstellen“, heißt es in einer Stellungnahme. Dem Vernehmen ist jedoch alles schon klar.

Martin Baues, Technik-Vorstand bei Saarstahl. Foto: BeckerBredel

Aus Unternehmenskreisen ist zu erfahren, dass die Abberufung von Münnich und die Bestellung von Baues eine „rein strategische Entscheidung ist“. Es sei fester Wille aller Beteiligten, dass die beiden saarländischen Stahlkonzerne in Zukunft noch enger zusammenrücken. Vorstandschef Tim Hartmann und Personalvorstand Peter Schweda sind heute bereits alleinverantwortlich für die Geschicke der Dillinger Hütte und von Saarstahl. Außerdem sind sie in diesen Funktionen auch Geschäftsführer der SHS. Diese personelle Einheit soll im Technik-Bereich jetzt ebenfalls verwirklicht werden.

In Zukunft wird es nur noch auf der Vertriebsebene für Dillinger und Saarstahl jeweils einen Vorstand geben. Bei Dillinger ist das Günter Luxenburger und bei Saarstahl Klaus Richter. „Die Produkte und damit die Märkte beider Unternehmen sind zu unterschiedlich“, sagt ein Insider zur Begründung. „Daher macht es keinen Sinn, dies bei einer Person zu bündeln.“

Die Dillinger Hütte produziert Grobbleche. Aus diesen werden unter anderem Rohre für Gas- und Öl-Pipelines hergestellt. Allerdings ist das Unternehmen auch stark im Bereich Windenergie auf See, wo die Bleche ebenfalls verbaut werden. Der Konzern hat derzeit mit Problemen zu kämpfen. 2017 wurde ein Fehlbetrag von 36 Millionen Euro verbucht. 2018 soll es  nicht viel besser gelaufen sein. Saarstahl hingegen ist auf die Fertigung von Langprodukten, wie zum Beispiel Draht und Stabstahl, spezialisiert. Große Kunden sind hier die Automobilindustrie und der Maschinenbau. Saarstahl verdiene zudem gutes Geld.

Warum die Wahl auf Baues fiel, darüber wird in Stahlkreisen spekuliert. Beobachtern zufolge traf es Münnich auch, weil dieser ein Ziehkind des Noch-Aufsichtsratsvorsitzenden von Dillinger und Saarstahl, Michael Müller, war. Ohne den Saarbrücker Rechtsanwalt Müller ging in der saarländischen Stahlindustrie lange nichts. Doch dies sei vorbei, sagen Insider. Mit der Entscheidung für Baues solle Müller signalisiert worden sein, dass es auch für ihn Zeit sei zu gehen. Baues hatte dem Vernehmen nach zudem die besseren Karten, weil er bei Saarstahl etliche Projekte erfolgreich gemeistert hat. Zuletzt sei es ihm gelungen, die tief defizitäre Saarschmiede aus der Verlustzone zu führen. Das Geschäftsjahr 2018 habe die Schmiede mit einer roten Null abgeschlossen. Baues hat die Geschäftsführung bereits an Dirk Böttcher und Jörg Disteldorf abgegeben.

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