Studie: Osten Deutschlands hinkt bei Einkommen noch weit hinterher

Der Osten Deutschlands hinkt immer noch weit hinterher : Studie zeigt große Einkommensunterschiede

Die verfügbaren Einkommen in Deutschland sind seit dem Jahr 2000 im Schnitt um 12,3 Prozent gestiegen. Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede, wie die neueste Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt.

Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Welche Einkommen sind berücksichtigt?

Unter dem verfügbaren Einkommen versteht man alle Einkünfte abzüglich Steuern und Sozialabgaben. Erfasst sind nicht nur Löhne und Gehälter, sondern auch Renten und staatliche Transfers wie etwa Hartz IV und Wohngeld sowie Zinseinkünfte oder Erlöse aus Vermietung und Verpachtung. Pro Person standen den Deutschen im Jahr 2018 demnach 23 295 Euro zur Verfügung. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen hatten sie damit 12,3 Prozent mehr in der Tasche als noch im Jahr 2000.

Wer bekommt am meisten?

Ein Blick auf die insgesamt 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte zeigt: Am wohlhabendsten sind die Menschen im Landkreis Starnberg bei München mit einem verfügbaren Einkommen von durchschnittlich 34 987 Euro pro Person. Weit über dem allgemeinen Niveau liegen auch die Stadt Heilbronn (32 366 Euro) sowie der Hochtaunuskreis (31 612 Euro). Damit übersteigen die Pro-Kopf-Einkünfte in den drei genannten Regionen sogar die des reichen Nachbarlandes Luxemburg (30 600 Euro).

Wo ist eher die Armut zuhause?

Schlusslicht im Einkünfte-Ranking ist Gelsenkirchen. Dort beläuft sich das Pro-Kopf-Einkommen nur auf 16 203 Euro. Das nicht einmal halb so viel wie im Landkreis Starnberg. Auf ebenfalls weniger als die Hälfte des Starnberger Niveaus kommen die Bürger in Frankfurt/Oder (17.381 Euro) sowie in Halle an der Saale (17 218 Euro). Neben Teilen des Ruhrgebiets, Niedersachsens und des Saarlandes liegt der gesamte Osten knapp 30 Jahre nach der Wende bei den Einkommen immer noch deutlich zurück.

Wie hat sich die Lage im Osten entwickelt?

Zwar sind die verfügbaren Einkommen in den neuen Ländern seit 2000 etwas stärker gewachsen als in den alten Bundesländern. Zu beachten ist aber das deutlich niedrigere Ausgangsniveau. Lag das Pro-Kopf -Einkommen zur Jahrtausendwende bei 81,5 Prozent des Westniveaus, waren es 2016 knapp 85 Prozent. Von den 77 Kreisen im Osten erreichen nur sechs die Marke von wenigstens 20 000 Euro Jahreseinkommen pro Kopf.

Was gilt für die Großstädte?

Auch hier ist die Lage regional sehr unterschiedlich. Unter den 15 größten Metropolen in Deutschland hat München die Nase vorn. Dort verfügen die Privathaushalte über 29 685 Euro pro Kopf. Es folgen Stuttgart (25 012 Euro) und Düsseldorf (24 882 Euro). Am anderen Ende der Skala rangiert Duisburg mit 16 881 Euro. Davor platziert haben sich Dresden und Leipzig mit 18 922 beziehungsweise 17 770 Euro. Insgesamt liegen die 15 Großstädte etwas über dem Bundesschnitt, wobei der Einkommenszuwachs seit 2000 dort aber deutlich schwächer war.

Was sagen Experten?

Für den Studienautor Eric Seils überraschend sind vor allem die immer noch großen Ost-West-Unterschiede. „Hier wirkt die Deindustrialisierung nach dem Mauerfall weiter nach“, meinte Seils. Hier müsse noch viel getan werden.

Mehr von Saarbrücker Zeitung