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Stefan Böttger im Startup-Center Neunkirchen ein Messverfahren entwickelt

Startup-Center Neunkirchen : 1,5 Millionen für eine neue Messtechnik

Mit Hilfe von Förderkrediten hat Stefan Böttger im Startup-Center Neunkirchen ein neues Messverfahren entwickelt.

Das Startup-Center des Landkreises Neunkirchen für junge Unternehmen mit Wachstumspotenzial kann im April bereits seinen zweiten Geburtstag feiern. Vier Firmen haben derzeit in dem Gebäude an der Bliespromenade ihren Sitz (siehe Info). „Für zwei Unternehmen haben wir noch Platz“, sagt Klaus Häusler, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft (WFG) des Kreises.

Einer von ihnen, der dort seine unternehmerische Heimat gefunden hat, ist Stefan Böttger. Der promovierte Physiker will sich nicht mit Klein-Klein aufhalten. 1,5 Millionen Euro an Förderkrediten hat er bei den bundes- und landeseigenen Strukturbanken KfW und SIKB beantragt. Er will ein Unternehmen für optische Messtechnik im Saarland einrichten, Firmenname AIM Systems. Das Messgerät, das er bauen und anbieten möchte, hat etwa die Größe eines Schuhkartons. Doch es ist vollgespickt mit Software und Elektronik, verfügt über einen Mini-PC, eine hoch leistungsfähige LED-Leuchte, die Infrarotlicht ausstrahlt, eine Kamera und ein System von optischen Linsen.

Das Gerät ist darauf ausgelegt, die Dicke von Schichten, die auf Metalle oder andere Materialien aufgetragen werden, zu messen. Dies geschieht dadurch, dass das Infrarotlicht diese Schichten leicht erwärmt. Dabei senden sie bestimmte Signale, die von dem Detektor im Messgerät erkannt und analysiert werden. „Auf diese Weise können wir erkennen, ob die Schicht gleichmäßig aufgetragen wurde oder ob es fehlerhafte Stellen gibt“, erläutert Böttger.

Die Verfahren der optischen Messtechnik ersetzen nach und nach die Vorgängertechnologie der taktilen Messverfahren. Wenn bisher Maßdaten, beispielsweise einer Autokarosserie, dokumentiert werden mussten, erfasste ein Koordinaten-Messgerät tausende von Punkten. „Mit der optischen Messtechnik geht das blitzschnell und berührungslos“, erläutert der Jungunternehmer. „Dieses Verfahren erlaubt zudem die ständige Qualitätsprüfung direkt im Fertigungsprozess“. Für die IT-gestützte automatisierte Produktion der Zukunft (Industrie 4.0) „ist das unerlässlich“.

Mit dem von Böttger entwickelten Messgerät lässt die Oberflächen-Dicke zahlreicher Materialien bestimmen, unter anderem, „ob die Lackschicht bei Autokarosserie-Teilen gleichmäßig verteilt ist“. Das gleiche gilt für Pulver-, Gummi- oder Kleberschichten auf Metall- und Kunststoff-Unterlagen. „Die Bandbreite des industriellen Einsatzes ist groß.“ Gute Marktchancen rechnet er sich auch wegen der „relativ geringen Beschaffungs- und Installationskosten“ aus. Durch den konsequenten Einsatz von LED-Leuchten – im Gegensatz zu Laserstrahlen – sei seine Messmethode zudem beim Arbeitsschutz unbedenklich. Ein Strahlungsbeauftragter sei nicht erforderlich. Der 42-Jährige, der zuvor Geschäftsführer eines Saarbrücker Unternehmens war, das ebenfalls die Dicke von Schichten misst, hat bereits ein Team von Experten verpflichtet, die „die Technik, das Marktpotenzial und den Wettbewerb kennen“. Sein Messgerät will er zudem im Saarland herstellen lassen.

Für WFG-Chef Häusler passt Böttger „gut in die Philosophie unseres kleinen Start-up-Centers“. „Er verfügt über die nötige berufliche und fachliche Kompetenz, kennt den Markt und kann Mitarbeiter führen.“ Neun Arbeitsplätze hat der Jungunternehmer zunächst in Aussicht gestellt.