1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Städtetags-Chef Dedy: „Wir brauchen einen gesunden Stillstand“

Chef des Städtetags : „Wir brauchen einen gesunden Stillstand“

Angesichts hoher Todeszahlen und voller Intensivstationen sei es nicht an der Zeit, über Lockerungen nachzudenken, sagt der Chef des Städtetages – im Gegenteil.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, plädiert dafür, das Land nach Weihnachten herunterzufahren. Wie die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert er drastischere Maßnahmen über den Jahreswechsel. Angesichts der Corona-Lage sollten zudem die geplanten Lockerungen zum Fest und an Silvester gekippt werden. Der Einzelhandel müsse dann von Hilfen des Bundes und der Länder profitieren, sagt Dedy im Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Dedy, ein harter Lockdown wird immer wahrscheinlicher. Wäre der Städtetag einverstanden?

DEDY Wir müssen schrittweise vorgehen. Die Lage hat sich in den vergangenen beiden Wochen ja nicht gebessert. Die Weihnachts- und Silvesterlockerungen können deshalb nach meinem Eindruck nicht mehr aufrechterhalten werden. Erstens ist der Zeitraum vom 23. Dezember bis zum 1. Januar zu lang. Zweitens passen gelockerte Kontaktbeschränkungen nicht zur hohen Zahl der Infektionen. Jeden Tag sterben über 400 Menschen in Zusammenhang mit Corona, die Intensivstationen werden immer voller. In dieser Ausnahmesituation ist es nicht die wichtigste Frage, ob wir Silvesterraketen starten lassen können.

Aber was muss in der Zeit nach Weihnachten passieren?

DEDY Ich kann mir gut vorstellen, dass wir dahin kommen, nach Weihnachten das Land herunterzufahren. Die Zeit nach den Feiertagen ist eine ideale Zeit für einen Lockdown.

Weil ohnehin viele daheim sind?

DEDY Genau. Die Schulen und Kitas sind zu, es gibt Betriebsferien, viele Menschen haben Urlaub und shoppen muss man nach Weihnachten auch nicht unbedingt. Ich werbe deshalb für eine Art gesunden Stillstand vom 28. Dezember bis etwa zum 10. Januar. Wichtig ist, dass die Politik schnell Entscheidungen fällt, damit sich alle darauf einstellen können.

Was würde ein erneuter Lockdown für die Innenstädte bedeuten?

DEDY Wir können jetzt nicht sagen, um die Innenstädte zu retten, müssen die Geschäfte geöffnet bleiben. Wir müssen das Virus bekämpfen. Die Probleme beim Einzelhandel in den Innenstädten sind älter als Corona. Deshalb stellt sich umso dringender die Frage, wie die Innenstädte attraktiver gestaltet werden können. Diese Debatte müssen wir im neuen Jahr zwischen allen Akteuren fortsetzen.

Es gibt Ideen, beispielsweise für Senioren besondere Einkaufszeiten einzuführen. Was halten Sie davon?

DEDY Je mehr Regelungen man für einzelne Gruppen macht, desto lebensfremder wird es. Wir brauchen klare, einfache Bestimmungen, die die Menschen verstehen und bei denen sie mitmachen. Die Lebensmittelläden werden auch bei einem Lockdown geöffnet bleiben.

Braucht der Einzelhandel danach neue Hilfen?

DEDY Wir brauchen selbstverständlich die Verlängerung der besonderen finanziellen Hilfen für den Bereich der Gastronomie, der Hotels und der Kultur in den Januar hinein. Und bei einem härteren Lockdown muss der Einzelhandel von Bundes- oder Landeshilfen profitieren. Allerdings nicht der Lebensmittelhandel, der in der Krise gut verdient hat.