Sorge um Saint-Gobain in Lothringen

Verkaufsgerüchte : Sorge um Saint-Gobain in Lothringen

Der Röhrenkonzern sucht einen Partner. Gewerkschaft und Politik befürchten einen Verkauf an ausländische Investoren.

Plant die Saint-Gobain-Gruppe womöglich einen Verkauf seines Werks in Pont-à-Mousson südlich von Metz? Diese Sorge treibt Gewerkschafter und Lokalpolitiker in Lothringen um. Wie mehrere französische Medien berichten, teilte das Management am Montag in einer außerordentlichen Sitzung mit dem Betriebsrat mit, dass Saint-Gobain für das Werk nach neuen Partnern suche, um es zu unterstützen.

Weitere Angaben dazu habe die Unternehmensleitung aber nicht machen wollen, heißt es. Da man nicht wisse, wer diese Partner seien und was sie tun sollten, wecke diese Aussage bei den Beschäftigten des Werks echte Ängste, sagte Julien Hézard, Unternehmens-Delegierter der Gewerkschaft CGT, nach Angaben des Fernsehsenders France 3. Die auf die Herstellung von Rohrleitungen spezialisierte Saint-Gobain-Gruppe beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter in vier Produktionsstätten in Lothringen sowie an einem kleineren Standort im Département Haute-Marne.

In den zurückliegenden Jahren hatte die Gruppe Saint-Gobain Pont-à-Mousson laut France 3 große Schwierigkeiten erlebt. Bis 2017 sei die Produktion der Anlage um 46 Prozent zurückgegangen, die Hochöfen arbeiteten nur mit der Hälfte ihrer Kapazität.

Die freien Kapazitäten waren wohl auch ein Grund, dass Saint-Gobain im vergangenen November die Verlagerung des Gießerei-Geschäfts von Saarbrücken-Brebach nach Pont-à-Mousson angekündigt hatte. In Saarbrücken sollen dadurch von rund 285 Mitarbeitern bis Ende dieses Jahres nur noch 100 übrigbleiben. In Brebach sollen dann nur noch Rohre mit Spezialbeschichtungen und Flanschrohre produziert werden. Das Unternehmen steht europaweit unter Druck. „Der Absatz an Guss-Rohren in Europa ist seit 2008 massiv um 58 Prozent zurückgegangen“, hatte Burkhard Schmolck, Geschäftsführer von Saint-Gobain PAM Deutschland, im November gesagt.

Verkaufsgerüchte für das Werk nahe Metz seien in der Vergangenheit immer wieder aufgetaucht, sagte der Bürgermeister von Pont-à-Mousson, Henry Lemoine. Obwohl das Management ihm versichert habe, man wolle die Rohrproduktion ausweiten. Lemoine möchte beruhigend wirken, sagt aber auch: „Wir müssen immer wachsam bleiben.“ Auch andere regionale Politiker hatte die Ankündigung alarmiert. Mehre lokale Mandatsträger sollen laut dem Online-Portal Actu beschlossen haben, die Regierung aufzufordern, eine Klarstellung des Vorhabens bei der Unternehmensgruppe einzuholen. „Eine Übernahme durch ausländische Investoren würde dieses historisch lothringische Unternehmen entwurzeln“, schrieb Olivier Jacquin (PS), Senator des Départments Meurthe-et-Moselle dazu in einer Erklärung.

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