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Sopranflöten-Vogelgezwitscher bei den „Tagen für Alte Musik“

Sopranflöten-Vogelgezwitscher bei den „Tagen für Alte Musik“

Der SR hatte sein freitägliches 4. Studiokonzert in den Rahmen der "Tage für Alte Musik" (Tamis) gestellt. Die Deutsche Radio Philharmonie, gerade noch mit Mussorgski und Rachmaninow gefordert, fühlte sich flexibel in die weniger gewohnte barocke Klangwelt ein, die Dirigent Stefan Junghänel sinnstiftend ins moderne Instrumentarium mit "normaler" Stimmung übertrug.

Für Alte-Musik-Puristen ein Unding, fürs lustvolle Musizieren eine legitime Lösung. Mit Violinen links und rechts entstand ein effektvoller Breitwand-Klang; sinfonischer Gestus weitab anämischer Verinnerlichung sorgte für ein vitales Musikerlebnis. Bachs 3. Orchestersuite, mit sauberem Trompetenglanz, handfesten Bässen und flottem Violin-Solo (Margarete Adorf), trumpfte kraftvoll auf. Eine Suite aus Jean-Philippe Rameaus Oper "Platée" voll skurriler Details und musikalisch-komödiantischer Purzelbäume machte neugierig auf die Saarbrücker Operninszenierung.

Stargast war der Blockflötist Stefan Temmingh. Was er an virtuoser Fingerfertigkeit und Klangperfektion auf der Sopranflöte in einem Konzert von Antonio Vivaldi zeigte und auf der Altflöte im C-Dur-Konzert von Georg Philipp Telemann, war überwältigend. Welch' hohe Kunst auf einem Instrument, das man gemeinhin mit nervender musikalischer Früherziehung in Verbindung bringt. Der tosende Beifall wurde mit gar köstlichem Sopranflöten-Vogelgezwitscher aus der Feder von Jacob van Eyck belohnt. Mozarts düstere "kleine" g-moll-Sinfonie KV 183 beschloss den aufregenden Abend mit rustikaler Dramatik, risikoreich geforderten Hörnern und so mancher all-fresco-Passage. Herzliche Zustimmung beim Publikum und das stürmische Finale aus Johann Christian Bachs Sinfonie op.6 Nr.6 für den Nachhauseweg.