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Sommerschluss-Verkauf Schnäppchenjäger

Sommerschluss-Verkauf : Es naht die Zeit der Schnäppchenjäger

Den Sommerschluss-Verkauf gibt es längst nicht mehr. Dennoch sinken ab dem 31. Juli die Preise für Kleidung und Schuhe nochmals.

Früher war es ein fixes Datum – rot eingetragen im Kalender der Schnäppchenjäger, wenn mit Beginn der letzten Juli-Woche der Sommerschluss-Verkauf (SSV) begann. Schlangen bildeten sich morgens vor den Geschäften, bevor sie öffneten. Gedränge an den Wühltischen, geduldiges Warten in der Zone der Umkleide-Kabinen. Seit 16 Jahren ist das Geschichte, beendet im Jahr 2001 mit dem Wegfall des Rabattgesetzes. Vor der Liberalisierung waren Preisnachlässe nur bei besonderen Anlässen gestattet, wenn zum Beispiel ein Jubiläum bevorstand oder ein Ausverkauf wegen Umbaumaßnahmen.

In diesem Jahr würde der SSV offiziell am 31. Juli starten und am 12. August enden. Doch schon seit Juni werden die ersten Rabatte für Sommerware angeboten. Außerdem tut es ein einfaches „Sale“ (Verkauf) mit Prozentangaben schon längst nicht mehr. Die Händler müssen mit „Finale Sale“-Schildern und „Letzten Reduzierungen“ immer wieder nachlegen, heißt es beim Handelsverband Textil in Berlin.

„Die Kollektionen verändern sich auch ständig – meist monatlich“, sagt Bernhard Kiesel, Prokurist beim Merziger Modehaus Ronellenfitsch. „Wir orientieren uns mit den Sonderverkäufen am Beginn der Sommerferien.“ Will heißen, dass schon viel Sommerware günstig angeboten wird, bevor die Leute in Scharen verreisen. Wenn sie wieder zu Hause sind, starten noch einmal Verkaufsaktionen – „dann aber schon mit einer anderen Kollektion, die zwar noch sommerlich leicht ist, mit ihren gedeckten Farben aber schon auf den Herbst einstimmt“.

Für Carl Jakob, Geschäftsführer des Saarlouiser Kaufhauses Pieper, folgt die sommerliche Preisreduzierung immer noch den alten Regeln. Kleidung, die hängen geblieben ist, „muss verkauft werden, um Platz für die Herbstware zu haben“. Restposten zurückzulegen, um sie im kommenden Sommer wieder im Geschäft aufzuhängen, lohne sich nicht mehr. „Dafür ändern sich die Kollektionen zu schnell.“ Die rasche Taktzahl bei den Modetrends sei auch der Grund, warum die Konsumenten den Eindruck von ständigen Sonderverkäufen hätten. „Immer wenn eine neue Kollektion naht, muss die alte mit Prozenten verkauft werden“, sagt Jakob.

Hans Agostini, Präsident des Landesverband Einzelhandel Saarland, hat daher den Eindruck, dass die Zeitspanne der reduzierten Preise speziell für Sommerware nicht mehr so weit gefasst werde wie früher. In der ersten Zeit nach Wegfall des Rabattgesetzes „hat jeder geschaut, was der Wettbewerb macht und sich daran orientiert“. Heute fahre jeder seine eigene Strategie.

Die Handelsexperten sind außerdem der Ansicht, dass die Zeiten vorbei sind, in denen speziell für den Sommerschluss-Verkauf noch Ware geordert wurde, die womöglich nicht die gleiche Qualität hatte wie die regulär verkauften Kleidungsstücke oder Schuhe. „Sollte es solche Bestände geben, werden sie heute im Fabrik-Verkauf abgesetzt“, meint beispielsweise Pieper-Chef Jakob. Daher ist Agostini überzeugt, „dass der Verbraucher mit reduzierter Sommerware echte Schnäppchen erwirbt, bei denen sowohl die Qualität als auch der Preis stimmen“.

Die ab dem 31. Juli angebotenen Nachlässe müssen allerdings auch nachvollziehbar und transparent sein. „Der Verbraucher erwartet, dass im Schlussverkauf auch die vorher bereits reduzierte Ware nochmals im Preis herabgesetzt wurde“, sagt Heike Cloß, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland. „Ein unverändert hoher Preis wie vor dem Schlussverkauf wäre deshalb irreführend und so wettbewerbsrechtlich unzulässig.“