SGS-Tüv Sulzbach prüft technische Anlagen

Sulzbacher Ingenieure : Vom Riesen-Rohr bis zum Weihnachtsmann

Das Sulzbacher Unternehmen SGS-Tüv nimmt technische Anlagen aller Art unter die Lupe. Der Markt wächst dank Industrie 4.0.

Sie prüfen Heizkessel, Industrieanlagen, Windräder, Schornsteine und sogar die Lostrommel für die Ziehung der Lottozahlen. Das Betätigungsfeld der Ingenieure der Sulzbacher SGS-Tüv umfasst unterschiedlichste Bereiche. „Das einzige, was bei uns – anders als von vielen erwartet – nicht dabei ist, ist die normale Kfz-Prüfung“, sagt Bodo Krevet, Regionalleiter bei dem Prüfunternehmen. Denn dafür ist der Tüv e.V. zuständig, der seinen Sitz ebenfalls in Sulzbach hat.

Der SGS-Tüv, eine Tochter des internationalen Prüfkonzerns Société Générale de Surveillance mit Sitz in der Schweiz, 6,3 Milliarden Franken Umsatz (2017) und 95 000 Mitarbeitern weltweit, ist vor allem bei Industrieprojekten aktiv. Dazu gehören dann die Prüfung technischer Anlagen, Arbeits- und Gesundheitsschutz, aber auch die Prüfung von Aufzügen oder Fördertechnik.

Als Platzhirsch im Saarland könne man das Unternehmen bezeichnen, sagt SGS-Tüv-Statthalter Krevet. 32,5 Millionen Euro Umsatz hat die Prüfgesellschaft im vergangenen Jahr erzielt. 270 Mitarbeiter sind deutschlandweit für das saarländische Prüfungsunternehmen aktiv, 150 davon am Hauptsitz in Sulzbach tätig. Weitere Filialen gibt es in München, Stuttgart, Kaiserslautern, Ludwigshafen, Frankfurt und Düsseldorf.

Anders als staatliche Behörden, die unangekündigt in Betrieben auftauchen und die Umsetzung bestimmter Richtlinien überprüfen, versteht sich SGS-Tüv als Partner und Dienstleister der Unternehmen, sagt Krevet. „Wir werden auf Kundenwunsch tätig.“ Dabei gehe es auch nicht darum, nur „zu prüfen und zu stempeln“, sondern auch Planungen zu unterstützen. Nicht als Berater, denn das ist dem Tüv gesetzlich untersagt, sondern als Ansprechpartner, der frühzeitig aufzeigen kann, welche Planungen später genehmigungsfähig sind – und welche eben auch nicht.

Wie umfassend das Geschäft des SGS-Tüv ist, erklärt Thomas Rodner Geschäftsfeldleiter Umwelttechnik am Beispiel des Gewerbegebiets Lisdorfer Berg. Dort waren die Spezialisten des SGS Tüv schon in der Planung des Projektes eingebunden. Unter anderem mit den Lärm-Prognosen für das Gewerbegebiet. „Bei einem Gewerbegebiet muss berechnet werden, wie viel Lärm am Ende in der Umgebung ankommen darf – und wie viel letztlich von jeder einzelnen Parzelle ausgehen darf, damit in Summe der Gesamt-Lärmpegel nicht überschritten wird.“ Über die Planung, bei der die Kommune Auftraggeber der Prüfgesellschaft ist, entstehe dann auch der Kontakt zu den Unternehmen. Eine gute Basis für spätere Prüfaufträge.

Obwohl die SGS-Tüv im Saarland bei Prüfaufgaben wichtiger Ansprechpartner ist, ist auch der Industriemarkt Krevet zufolge umkämpft. Sowohl die verschiedenen regionalen Tüv-Organisationen als auch alternative Prüfdienste wie die Dekra konkurrieren auf dem Markt. „Unser Vorteil ist aber auch unsere geringe Größe“, sagt Rodner. „Die macht uns flexibler. Weil Mitarbeiter bei der SGS-Tüv in mehreren Bereichen spezialisiert seien, könnten sie gleichzeitig mehrere Prüfaufgaben erledigen, während bei großen Prüfgesellschaften dafür mehrere Kollegen kommen müssten. „Das ist dann schon ein Vorteil, wenn es einen einzelnen Ansprechpartner gibt“, sagt Rodner.

Wachstumsmöglichkeiten sieht Krevet durch die zunehmende Automatisierung mit der Einführung von Industrie-4.0-Technik. „Das spielt uns in die Karten, weil es vollkommen neue Schutz-Herausforderungen gibt“, sagt er. Während beispielsweise Roboter in der Produktion in einem gesicherten Käfig arbeiten, besteht bei einer Mensch-Roboter-Zusammenarbeit ein deutlich höherer Schutzbedarf, um Verletzungen auszuschließen. Auch sei der SGS-Tüv schon bei der Planung eingebunden, wenn zum Beispiel eine Risiko-Bewertung einer neuen Anlage erstellt werden müsse.

Probleme hat das Unternehmen mit dem Nachwuchs. „Wir haben ständig offene Stellen“, sagt Krevet. Ein Hemmnis ist die hohe Qualifikation, die potenzielle Mitarbeiter mitbringen müssen. „Wir beschäftigen vor allem Ingenieure“, sagt er. Die kämen unter anderem von der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und der Universität des Saarlandes. Doch das reiche nicht aus, um den Bedarf zu decken. Und auch bei denjenigen, die schließlich kommen, seien noch drei bis vier Jahre nötig, um die nötige Qualifizierung für die Prüfaufgaben zu erreichen.

Dann allerdings hätten diese ein faszinierendes Betätigungsfeld, sagt Krevet. Vor allem in einem Spezialfeld, in dem der SGS-Tüv auch prüft, dem Bereich der „Fliegenden Bauten“ – Kirmes-Fahrgeschäfte und Zirkuszelte, die auf Standfestigkeit geprüft werden. „Sogar der Cirque de Soleil in Montreal wollte, dass ausdrücklich unsere Mitarbeiter ihre Zelte prüfen“, sagt Krevet. Und auch beim fliegenden Weihnachtsmann auf dem Saarbrücker Weihnachtsmarkt können Besucher beruhigt nach oben schauen – weil SGS-Mitarbeiter die Konstruktion vorab abgesegnet haben.

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