Saarstahl und Dillinger Hütte wollen weitere Kosten sparen

Gutes Geschäftsjahr 2018 für Saarstahl : Saar-Hütten rücken noch enger zusammen

Saarstahl hat 2018 zwar einen Rekordumsatz erzielt und einen Millionengewinn gemacht. Die Aussichten für dieses Jahr sind jedoch verhalten.

In der saarländischen Stahlindustrie stehen große Veränderungen an. Vorstandschef Tim Hartmann will die beiden Unternehmen Saarstahl und Dillinger Hütte deutlich enger zusammenführen: strategisch, strukturell, in der Denke und auch personell. Doppelstrukturen sollen möglichst abgebaut, Kosten weiter gesenkt werden. All dies mit dem Ziel, die im internationalen Vergleich kleine saarländische Stahlindustrie fit zu machen für die Zukunft. „Die Zeit ist jetzt reif für die nächsten Schritte“, sagte Hartmann gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz von Saarstahl.

„Wir haben zwei starke Marken. Die sollen auch künftig erhalten bleiben“, betonte Hartmann. Die Gruppe erwirtschafte 4,5 Milliarden Euro mit 14 000 Beschäftigten. Konzeptionell wolle man jedoch weitere Strukturen zusammenlegen. Der gemeinsame Einkauf, eine gemeinsame Logistik sowie eine gemeinsame Informationstechnik hätten sich bereits ausgezahlt. Auch ein gemeinsamer Vorstand für beide Standorte habe sich bewährt. Technologisch würden beide Unternehmen gleichwertig weiterentwickelt.

Welche Auswirkungen das weitere Zusammenwachsen der Stahlunternehmen auf den künftigen Personalbedarf hat, dazu wollte Hartmann gestern noch nichts sagen. Die Stahlindustrie müsse ihre Stärken bündeln. „Auch unsere Kunden zwingen uns zu internen Überlegungen. Für Doppelstrukturen bezahlen sie nicht mehr“, sagte Hartmann.

Saarstahl-Chef Tim Hartmann sieht das Unternehmen unter hohem Kostendruck. Foto: Oliver Dietze

Mit der Bilanz von Saarstahl im Geschäftsjahr 2018 zeigte er sich allerdings zufrieden. „Wir blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück mit einem erneuten Umsatzanstieg und guten Ergebniszahlen.“ Es sei gelungen, trotz geringerer Versandmengen im Kernbereich Stab und Draht den Konzernumsatz „auf Rekordhöhe zu steigern“. Die Erlöse nahmen um 3,6 Prozent auf rund 2,53 Milliarden Euro zu. Konzernchef Hartmann bleibt bei  seiner Prognose für das laufende Jahr vage. Er rechnet mit einem etwas geringerem Umsatz und erwartet einen Gewinn, wenn die Kosten weiter gesenkt werden können. Wie hoch der Gewinn sein könnte, ließ er offen.

Deutschland bleibt der wichtigste Absatzmarkt. Die Autoindustrie ist mit rund 65 Prozent größter Kunde von Saarstahl, gefolgt vom Maschinenbau (20 Prozent) und der Bauindustrie (zehn Prozent). Allerdings steigen die Umsätze verstärkt in den übrigen EU-Staaten. Das Umsatzplus betrug 11,5 Prozent. Das Konzernergebnis erreichte vor Zinsen und Steuern (Ebit) 93 Millionen Euro. Als einen der Hauptvorteile von Saarstahl sieht Hartmann die im Vergleich zu Konkurrenten sehr hohe Eigenkapital- und Finanzstruktur von 76,2 Prozent an. Dies erleichtere Investitionen. Zuletzt wurden 68 Millionen Euro investiert. Größtes Einzelprojekt ist der Bau einer neuen Stranggießanlage. Sie soll im Sommer fertig werden. Als Beweis für die hohe Attraktivität von Saarstahl als Arbeitgeber sieht Personalvorstand Peter Schweda die Zahl von 6000 Bewerbungen pro Jahr an. Der Konzern beschäftigt 6384 Mitarbeiter.

Saarstahl_in_Zahlen. Foto: SZ/Steffen, Michael

Hartmann sieht das Unternehmen auch als Konjunkturmotor für das Saarland an. Seit 2010 seien Aufträge im Gesamtwert von 2,3 Milliarden Euro an saarländische Firmen vergeben worden. 1,1 Milliarden Euro habe Saarstahl in Anlagen investiert. Den Streit um Technologien in Fahrzeugen sehen sowohl Hartmann als auch Technik-Vorstand Martin Baues eher gelassen. Die Diesel-Debatte führe zur Kaufzurückhaltung, Stahl werde aber auch künftig in allen Autos gebraucht: egal, welche Technologie sie an Bord haben. Größere Auswirkungen auf Saarstahl seien eher nicht zu erwarten.

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