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Saarstahl-Beschäftigte wollen weiter für ihre Jobs kämpfen

Saarstahl-Werk Burbach : Auf Wandel in der Autoindustrie vorbereitet

Der Betriebsratschef von Saarstahl in Burbach, Angelo Stagno, sieht auch künftig großen Bedarf an Produkten aus dem Werk.

Vor den Europawahlen Ende Mai müssen die Stahlarbeiter noch einmal Gespräche auf Bundesebene und in Brüssel führen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen. Diese Ansicht vertritt Angelo Stagno (46), Betriebsratschef des Saarstahl-Werks in Burbach, im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Kampf sei noch lange nicht zu Ende, die bevorstehende Europawahl eine passende Plattform, um Politiker erneut zu sensibilisieren. Ohne Stahlindustrie sei das Saarland nicht überlebensfähig. Ohne Industrie habe auch Europa schlechtere Zukunftsperspektiven. Stagno zeigt Verständnis für junge Menschen, die in Berlin und anderswo für eine saubere Umwelt mit möglichst wenig C02 demonstrieren. Diese sollten sich dann aber auch darüber im Klaren sein, dass gerade die deutsche Stahlindustrie schon lange für technologisch hochwertige sowie saubere Anlagen Milliardeninvestitionen in die Hand nimmt. Zudem biete gerade die Industrie jungen Menschen zahlreiche Arbeitsplätze.

Das Saarstahl-Werk in Burbach kann nach Überzeugung von Stagno schnell auf größere Veränderungen in der Autoindustrie reagieren, auch auf neue Technologien. Die Branche ist mit einem Anteil von nahezu 70 Prozent der größte Kunde. „Wir sind gut aufgestellt, krisenerprobt und flexibel. Wir können uns mit unserer Belegschaft schnell auf Kundenwünsche einstellen.“ Heute liefere das Werk Burbach vor allem Stahl für Nockenwellen, die in Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verbaut werden. Elektroautos brauchten zwar keine Nockenwellen, aber auch Federn, Achsteile, Nackenstützen und weiteres. Es werde in Autos auch künftig genug Bedarf an Produkten von Saarstahl geben, ist Stagno überzeugt. „Für uns sind die Tonnagen entscheidend, die wir absetzen können. Unsere Zukunft richtet sich danach, welche Mengen gebraucht werden.“

Hauptmarkt für Saarstahl-Burbach bleibe Europa und Deutschland „mit einer sehr robusten Industrie“. Allerdings werde sie derzeit durch einen eher bescheidenen Export belastet. „Das schwächelnde Wachstum und die verunsicherten Märkte bekommen wir schon zu spüren, zumal wir auch die Autoindustrie in Frankreich, Italien und Spanien beliefern. Ich glaube deshalb, dass 2019 ein schwieriges Jahr wird.“ Gleichzeitig geht der Betriebsrat davon aus, dass die Kunden im zweiten Halbjahr wieder mehr Stahl bestellen werden, da sie ihre Lagerbestände auffüllen müssen.

Aus heutiger Sicht sieht Stagno die Arbeitsplätze der rund 950 Beschäftigten in Burbach als sicher an. Es werde langfristig geplant, was man auch daran sehen könne, dass jährlich rund 70 junge Leute ausgebildet werden. Mit einer Jahresproduktion von über einer Million Tonnen Stahl und der leistungsfähigsten Walzstraße im Konzern verfüge das Werk Burbach über einen hohen Stellenwert im Unternehmen. „40 bis 50 Prozent der Saarstahl-Produkte werden bei uns gefertigt“, erläutert Stagno. Insgesamt verarbeitet Saarstahl an seinen Standorten rund 2,5 Millionen Tonnen Stahl jährlich. Das Burbacher Werk sei technologisch auf dem neuesten Stand. „Eine solche vieradrige Walzstraße zur Herstellung von rundem Draht, wie wir sie hier haben, finden Sie nicht oft auf der Welt“. betont Stagno. Die Anlage mit einem Abmessungsbereich von fünf bis 20 Millimeter und verschiedensten Stahl-Güten gelte als eine der weltweit leistungsfähigsten. Eine Spezialität aus Burbach ist Reifendraht. Auch Spannstähle für den Brückenbau kommen von hier.

Vom neuen Vorstandschef von Saarstahl und der Dillinger Hütte, Tim Hartmann, erwartet Stagno, dass ihm die Zusammenführung vieler schwieriger Themen in der saarländischen Stahlindustrie gelingt. Stagno sieht noch viel Konfliktpotenzial innerhalb der SHS Stahl Holding Saar, die für rund 14 000 Mitarbeiter zuständig ist und an deren Spitze Hartmann ebenfalls steht. Als erste große Herausforderung müsse es ihm gelingen, einen Mannschaftsgeist zu befördern, der dafür sorgt, dass möglichst alle Stahl-Beschäftigten als Mitglied eines gemeinsamen Unternehmens denken, egal, ob sie nun in Dillingen, Völklingen, Burbach oder Neunkirchen arbeiten. Diese gemeinsame Denke sei unerlässlich für eine erfolgreiche Zukunft der saarländischen Stahlindustrie. Sie komme in der Priorität noch vor technischen Fragen, wie es mit Hochöfen und Walzwerken weitergeht, wo Investitionen vorgenommen werden und, welche weitere Personalplanung man hat. Unerlässlich sei zudem, dass die Montanstiftung auch langfristig abgesichert wird. Ihr Hauptvorteil bestehe darin, dass das erwirtschaftete Geld im Unternehmen und an der Saar verbleibt. Das sei auch die Garantie für Investitionen.