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Saarschmiede wird weitergeführt

Saarschmiede wird weitergeführt

Die Saarschmiede wird trotz derzeit fehlender Aufträge aus der Energiebranche auch in den kommenden Jahren weitergeführt. Dies bestätigte gestern Martin Baues, Sprecher der Geschäftsführung, gegenüber unserer Zeitung. Es werde alles getan, sie möglichst schnell in die schwarzen Zahlen zu bringen.

. Der Saarstahl-Vorstand und die Geschäftsführung der Saarschmiede arbeiten gemeinsam an einem neuen strategischen Konzept für die Saarschmiede. Das sagte gestern der Sprecher der Geschäftsführung , Martin Baues. Hauptgrund ist die anhaltende Krise auf dem wichtigsten Markt für die Produkte der Schmiede: dem Energiemarkt . So werden in Völklingen zwar hochmoderne Turbinen und Generatoren für Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke hergestellt. Seit der Atomreaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima vom 11. März 2011 ist der Markt dafür jedoch nahezu zusammengebrochen. Investitionen in Kraftwerke werden verschoben oder abgeblasen. "Deshalb ist die Lage bei der Saarschmiede unverändert sehr angespannt. Dies betrifft sowohl die Auslastung als auch die Ergebnisse", sagt Baues.

Die Schmiede schreibt rote Zahlen. Wie lange es dauert, bis zumindest eine schwarze Null erreicht wird, konnte Baues nicht sagen. Es werde intern alles getan, dies möglichst schnell zu erreichen. "Alle Anstrengungen müssen nochmals verstärkt werden", kündigte der Sprecher der Geschäftsführung an. Deshalb "soll die Schmiede anders aufgestellt und neu ausgerichtet werden". Man wolle unabhängiger werden vom Energiemarkt und neue Produkte stärker auf anderen Märkten platzieren. Damit verbunden seien weitere Kostensenkungen. Hier würden derzeit alle Bereiche untersucht. Die im Jahr 2010 mit 450 Millionen Euro errichtete Saarschmiede beschäftigt rund 930 Mitarbeiter.

Auch Stephan Ahr, Konzernbetriebsratsvorsitzender der Saarstahl AG, plant in den kommenden Jahren mit einem Fortbestand der Schmiede. Die Neuausrichtung werde im Rahmen des Programms "Phönix" gerade festgezurrt. Die Ergebnisse der internen Untersuchung sollen am 20. September dem Aufsichtsrat und am 21. September den Mitarbeitern der Schmiede vorgestellt werden. "Wir müssen einen Betriebspunkt finden, an dem wir mit einer bestimmten Anzahl von Personal eine bestimmte Tonnage an Produkten sicher an den Markt bringen. Und zwar so, dass das als Ergebnis eine schwarze Null hergibt." Dabei werde auch untersucht, welche Aufträge verlässlich für die Zukunft sind. Eine Schließung der Schmiede sei keine Option. "Das wäre der Ruin der saarländischen Stahlindustrie. Das können wir uns überhaupt nicht erlauben." Klar sei schon, dass es im Rahmen der Neuausrichtung "keine betriebsbedingte Kündigungen" geben wird. Schon vor zweieinhalb Jahren habe man einmal rund 230 Leute aus der Schmiede abgezogen und auf andere Bereiche im Konzern verteilt. In allen Fällen sei erreicht worden, dass der Lohnverlust so gering wie möglich ausgefallen sei.

Die im Tarifvertrag garantierte Lohnabsicherung sorge dafür, dass bei einer niedrigeren Eingruppierung der Ausgleich bezahlt wird. Ahr glaubt aber auch, "dass wir nicht darum herumkommen werden, konjunkturelle Kurzarbeit anzumelden. Anders werden wir es nicht schaffen. Denn die Auftragslage ist derzeit desolat, und die Preise sind unterirdisch." Dennoch ist Ahr überzeugt: "Die Schmiede wird nach der Neuausrichtung eine Zukunft in der saarländischen Stahlindustrie haben."

Meinung:

Nur Geduld hilft

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Die 450 Millionen Investition zum Bau der Saarschmiede war eine der größten in der Nachkriegszeit an der Saar. Und mit den hochmodernen Produkten für Kraftwerke war man bestens aufgestellt für die Zukunft. Niemand konnte den Reaktorunfall von Fukushima und den danach zusammenbrechenden Energiemarkt vorhersehen. Deshalb kann man niemandem an der Saar vorwerfen, mit der Schmiede die falsche Investition getätigt zu haben. Das Wichtigste ist jetzt Geduld, denn der Energiemarkt wird sich in den nächsten Jahren erholen und auch wieder mehr Produkte aus der Saarschmiede brauchen. Die Verantwortlichen für die neue Strategie müssen jetzt aber auch den Mitarbeitern möglichst schnell erklären, welche neuen Märkte sie für die Produkte sehen. Die interne Information muss ohnehin verstärkt werden. Denn in den vergangenen Tagen machten Gerüchte die Runde, die Schmiede werde schließen.