Saarland-Versicherungen investieren 30 Millionen Euro in neue IT

Versicherungen : Saarland-Versicherung investiert 30 Millionen Euro in neue IT

Die Versicherungstochter der Saarland passt ihre Technik der zunehmenden Digitalisierung an. Personal soll aber nicht abgebaut werden.

Die Saarland-Versicherungen wollen sich fit für die digitale Zukunft machen. „Wir investieren 30 Millionen Euro in eine komplett neue digitale Infrastruktur“, sagte Vorstand Dirk Hermann heute bei der Bilanzpressekonferenz der Saarland-Versicherungen. Der erste Schritt sei bereits getan: Seit einigen Tagen hat die Versicherung einen neuen Internet-Auftritt online geschaltet, der vor allem auf Mobilgeräte ausgelegt ist und  deutlich mehr Funktionen bietet als bisher. „Unser Ansatz ist nicht, die neue Cosmos und damit eine Direktversicherung zu werden, sondern wir setzen vor allem auf das direkte Geschäft“, sagte Hermann.

Kunden greifen direkter mit ein

Ziel sei es letztlich dass die Kunden ihre Versicherungen selbst verwalten können. So können sie online die passende Versicherung finden und auch Schäden über das mobile Portal melden. Viele Eingaben, die bisher dann doppelt gemacht werden müssen, wenn beispielsweise Angaben von Papier in den Rechner übertragen werden müssen, sollen dadurch entfallen. Ziel sei es aber auch, über die digitale Plattform neue Versicherungsprodukte entwickeln und anbieten zu können. „Denkbar ist da vieles“, sagte Hermann. Eine Unfallversicherung spontan für die Skitour oder eine Autoversicherung, die ausschließlich für Einzelfahrten abgeschlossen ist. „Da werden sicher noch viele neue Modelle entstehen.“

Kein Stellenabbau geplant

Für den Umbau gleicht die Saarland-Versicherung ihr IT-System an das der Muttergesellschaft, der Versicherungskammer Bayern an, was auch Spareffekte im Konzernverbund bringen soll. Überhaupt sei die Investition sehr langfristig angelegt. Einerseits erhoffe man sich über die Plattform mehr Neugeschäft, andererseits fallen aber auch Buchungs-Tätigkeiten weg. Stellen sollen dadurch nicht wegfallen. „Es wird aber eine Umschichtung geben. Schon jetzt erledigen wir mit einem Drittel unserer Belegschaft Dienstleistungstätigkeiten für Versicherungen an teureren Standorten. Das werden wir noch ausweiten“, sagte Hermann. Aktuell hat die Saarland-Versicherung rund 380 Mitarbeiter im Innendienst, mit Außendienst und Generalagenturen sind es rund 600.

Positives Ergebnis

Die beiden Gesellschaften der Gruppe, die Saarland Leben und die Saarland Feuer, haben sich stabil entwickelt. Bei der Lebensversicherung ist die Zahl der Beiträge zwar um rund 2700 auf 145 100 zurückgegangen, die Versicherungssumme ist aber von 3,3 auf 3,5 Millionen Euro gestiegen. Unterm Strich blieb bei der Lebensversicherung ein Überschuss von 1,9 Millionen Euro. Das sei im Markt ein beachtliches Ergebnis, sagte Vorstand Rigobert Maurer. Auch bei der Verzinsung habe die Versicherung angesichts des anhalten Niedrigzins-Umfeldes mit 3,7 Prozent ein beachtliches Ergebnis erzielt.

Feuer mit nur leichtem Überschuss

Die Feuerversicherung hatte zwar im vergangenen Jahr mit 36 800 Schäden weniger Fälle als in den Vorjahren, trotzdem musste das Unternehmen angesichts mehrere Großschäden mit 94,9 Millionen Euro hohe Entschädigungen zahlen. „Das war besser als 2015, wo wir einen sehr großen Schaden hatten, aber schlechter als 2014“, sagte Hermann. 2015 gab es im Saarland einen Großbrand bei der Firma Hydac, außerdem traten im vergangenen Jahr nach Starkregen Überschwemmungen sowie ebenfalls ein Großbrand in einer Lagerhalle im Saarland auf. Wie schnell es angesichts immer häufiger auftretender Naturereignisse zu Großschäden kommen kann, zeigen die vergangenen Wochen. „Bei dem Hagel in St. Ingbert vor wenigen Tagen ist innerhalb weniger Minuten ein Schaden von vier bis acht Millionen Euro entstanden“, sagte Hermann. Trotzdem kann auch die Feuerversicherung mit einem Plus abschließen: Am Ende blieben unterm Strich 600 000 Euro Gewinn – vor allem wegen einer Steuerrückzahlung von einer halben Million.

Immer mehr Elementarschaden-Versicherungen

Eine gute Entwicklung gebe es im Saarland bei den Elementarschaden-Versicherungen, sagte Hermann. Die Quote derer, die sich gegen Naturgewalten versichern, sei von 12 Prozent 2013 auf aktuell 22 Prozent gestiegen. „Angesichts zunehmender Elementar-Ereignisse ist das eine gute Entwicklung“, sagte der Versicherungs-Vorstand. Aber vom Bundesschnitt mit rund 40 Prozent ist das Saarland damit noch immer weit entfernt.

Alte Versicherungen überprüfen

Bei den Hausversicherungen sieht das Unternehmen bei vielen Saarländern akuten Nachbesserungsbedarf. Viele der Verträge stammen noch aus den 60er Jahren und sind, so Hermann, „nicht mehr zeitgemäß“. Einerseits seien die Versicherungssummen zu gering angesetzt – „dafür kann man ein Haus nicht mehr ersetzen“  – außerdem sei beispielsweise grobe Fahrlässigkeit in vielen alten Verträgen ausgeschlossen. „Hier gehen wir auf die Versicherten zu und bieten ihnen eine Aktualisierung ihrer Verträge an.“

Dirk Hermann, Vorstand der Saarland-Versicherung. Foto: © Stefan Heigl

Diskussionsbedarf gebe es teilweise auch wegen veralteter Bausubstanz, sagte Hermann. „Wenn bei einem Haus die Leitungen brechen, ist das Risiko hoch, dass innerhalb kürzester Zeit neue Schäden auftreten“, sagt Hermann. In diesen Fällen seien die Hausbesitzer gehalten, ihre Leitungen zu modernisieren, ansonsten müssen sie sich auf höhere Versicherungsprämien einstellen.