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Saarland noch nicht modern genug

Saarland noch nicht modern genug

Die Arbeitskammer hat im Vorfeld der Landtagswahlen gestern Positionen vorgestellt, wie das Saarland attraktiver werden kann für Arbeitnehmer und Familien, die aus anderen Bundesländern in die Region kommen.

Beide großen Parteien im Saarland setzen nach Ansicht von Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer (AK), eine "deutlich arbeitnehmerfreundlichere Politik um wie noch vor Jahren. Die Regierung hat uns zugehört. Wir haben vieles auf den Weg gebracht. Das Land ist auf einem guten Weg", bilanziert Otto die Arbeit der großen Koalition.

Diesen Weg gelte es, in der nächsten Legislaturperiode weiter zu beschleunigen. Denn Arbeitnehmer hätten heute im Konkurrenzkampf der Regionen die Wahl, wo sie mit ihren Familien hinziehen und wo sie arbeiten wollen. "Wir brauchen eine starke Wirtschaft in Verbindung mit guten Arbeitsbedingungen ." Dazu hat die Arbeitskammer jetzt vor den Landtagswahlen Positionen formuliert.

Dringender Handlungsbedarf bestehe in der Sanierung der Infrastruktur, von Straßen bis Schulen und einer Verbesserung der Lehrerausbildung. Kenntnisse im Umgang mit der Digitalisierung müssten Schüler früh bekommen, damit sie im Berufsleben erfolgreich bestehen können. Deshalb müssten besonders die Berufsschulen fit gemacht werden für die Erfordernisse der Digitalisierung inklusive einer besseren Personalausstattung. Auch der Ausbau von mehr "gebundenen Ganztagsschulen" mit verbindlichen Betreuungsangeboten auch am Nachmittag müsse Vorrang haben. Das Saarland erhöhe seine Attraktivität als Standort auch durch mehr "qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung" als Voraussetzung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Ausbau der Kita-Plätze habe das Land Fortschritte gemacht. Jetzt müsse Personal aufgestockt werden, damit nicht zu viele Kinder von nur einer Fachkraft betreut werden. Zur Gleichstellung der Frauen am Arbeitsmarkt leiste das Saarland einen wichtigen Beitrag, wenn es gemeinsam mit anderen Bundesländern über den Bundesrat Druck erzeugt, damit Mütter nach einer Babypause und anschließender Teilzeitbeschäftigung wieder ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle erhalten.

Das Land müsse darauf achten, dass gerade Geringqualifizierte in Zeiten der Digitalisierung bessere Chancen auf Weiterbildung bekommen. Die größten Chancen, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sieht Otto im Dienstleistungsbereich, speziell im Gesundheitswesen mit schon 60 000 Beschäftigten in der Region. Allerdings sei diese Branche stark von prekären Arbeitsverhältnissen und geringer Bezahlung geprägt. Ohne finanzielle Anreize drohe auch ein Mangel an Pflegekräften.

Die Kontrollbehörden, die das Einhalten des Mindestlohns und angemessener Arbeitsbedingungen überwachen, sollen aufgestockt werden. Gleichzeitig erhöhe eine bessere Kooperation der Behörden die Chancen, mehr Steuersünder zu bestrafen und Steuereinnahmen zu erhöhen. Leiharbeit will die Kammer weiter eingrenzen. Ein Anteil von 30 Prozent in Betrieben zur Abdeckung von Spitzen-Auftragszeiten sei zu hoch. Zudem müsse die Einhaltung der Tarifbindung wieder einen höheren Stellenwert bekommen.