Saarländer unterstützen Digitalisierung

Untersuchungen der Arbeitskammer : Saarländer unterstützen Digitalisierung

Betriebe, die Mitarbeiter früh in die Einführung neuer Technologien einbinden, stoßen laut Arbeitskammer auf eine höhere Zustimmung.

Die Saarländer unterstützen überwiegend die Digitalisierung und Einführung neuer Technologien in Unternehmen, erwarten aber eine frühzeitige Einbindung in diese Prozesse, möglichst schon im Planungsstadion. Das haben jüngste Untersuchungen der Arbeitskammer ergeben, die gestern vorgestellt wurden. Ein Grund für die eher positive Grundhaltung sehen Arbeitsmarkt-Experten der Kammer darin, dass gerade an der Saar durch die Vielzahl an Industrie- und Fertigungsbetrieben viele Menschen schon an den Umgang mit modernen Technologien gewöhnt seien. Allerdings entstehe gerade dadurch auch besonderer Handlungsbedarf. Torsten Brandt, Referent für Betriebliche Sozial- und Personalpolitik der Kammer, verweist darauf, dass wegen des im Bundesvergleich besonders hohen Anteils an Computern oder computergestützten Maschinen in Saar-Betrieben schon 20,4 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen arbeiten, in denen 70 Prozent aller Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt werden können. Gleichzeitig seien durch die neuen Technologien an der Saar viele Menschen mit einfachen Hilfstätigkeiten vom Jobverlust bedroht. Diese Bedrohung sei, je nach Landkreis, unterschiedlich hoch, am stärksten in den Landkreisen St. Wendel und Saarlouis, am geringsten im Kreis Merzig-Wadern wegen einem dort vergleichsweise noch relativ geringen Anteil an Industriebetrieben.

Gleichzeitig zeichnet die jüngste Befragung der Arbeitskammer unter Beschäftigten zum "Index Gute Arbeit Saar 2016" ein differenziertes Bild. Demnach geben 58 Prozent der befragten Saarländer an, jetzt schon in hohem bis sehr hohen Maße von Digitalisierung betroffen zu sein, 46 Prozent sehen dadurch auch eine gestiegene Arbeitsbelastung, 50 Prozent die Gefahr einer stärkeren Überwachung und Kontrolle. Allerdings verknüpfen 19 Prozent der Befragten mit der Einführung neuer Technologien die Hoffnung nach mehr Entscheidungsspielräumen. Zudem sehen viele in einer Automatisierung bestimmter Produktionsabläufe und Tätigkeiten nicht etwa zwangsläufig die Gefahr eines Verlustes des Arbeitsplatzes, sondern die Chance zu mehr Qualifizierung und damit der Möglichkeit zum flexibleren Einsatz in verantwortungsvollen Positionen im Unternehmen. Doch gerade im Mangel an geeigneten Qualifizierungsangeboten in Unternehmen sieht der Arbeitskammer-Berater für Betriebs- und Personalräte, Matthias Hoffmann, derzeit noch ein großes Problem. Dies sei im Mittelstand besonders stark zu spüren, der auch in der Digitalisierung meist noch weit hinter den Industriebetrieben zurückbleibe. Generell würden Betriebsräte zu selten in die Anschaffung neuer Technologien einbezogen. Viola Hellge, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Technik der Technischen Uni Kaiserslautern, betont: "Betriebsräte, die bei der Einführung von Industrie 4.0 in Unternehmen eingebunden sind, sehen neue Technologien und die Digitalisierung eher als Chance statt als Risiko." Hellge rät Unternehmen, einen Gesamtansatz zu entwickeln, der neue Strategien, Geschäftsmodelle und eine gezielte Mitarbeiterentwicklung enthält.