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Saar-Unternehmensverbände fordern ehrliche Debatte um Bezahlung von Frauen

Equal Pay Day : Saar-Unternehmensverbände fordern ehrliche Debatte um Bezahlung von Frauen

Die gerechtere Bezahlung von Frauen ist im Saarland weiterhin ein Streitthema. Beim Umfang der Lohnlücke prallen die Ansichten aufeinander. Bei den politischen Forderungen gibt es aber Gemeinsamkeiten.

Stichtag 18. März. Am Montag ist der sogenannte „Equal Pay Day“. Er soll darauf aufmerksam machen, dass Frauen in Deutschland weniger verdienen als Männer. Im vergangenen Jahr betrug die Lohnlücke nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts im Durchschnitt 21 Prozent. Verglichen mit dem Gehalt der Männer ist das so, als würden Frauen bis zum 18. März des Jahres umsonst arbeiten. Wenn es nach der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU) geht, müsste der Tag viel früher im Jahr liegen. Der Mythos, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts geringer bezahlt werden, sei nachweislich falsch, teilte der Verband am Sonntag mit. Er mahnte daher eine ehrliche Debatte um das Thema an. Nach Auffassung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) müsste der „Eaual Pay Day“ im Saarland noch später angesetzt werden. Denn die Lohnungleichheit beträgt im Saarland sogar 23 Prozent, moniert Bettina Altesleben, Geschäftsführerin der DGB-Region Saar.

Die VSU verweist darauf, dass Frauen und Männer noch immer ein sehr unterschiedliches Berufswahl- und Erwerbsverhalten zeigten, was sich auf Karriere und Einkommen auswirke. Darauf macht auch das Statistische Bundesamt aufmerksam. Die Behörde betonte, dass rund drei Viertel des Verdienstunterschiedes auf strukturelle Gründe zurückgehe: Frauen ergriffen oft relativ schlecht bezahlte Berufe und hätten seltener Führungsposten. „Auch arbeiten sie häufiger in Teilzeit und in Minijobs und verdienen deshalb im Durchschnitt pro Stunde weniger“, heißt es in der Mitteilung der Statistiker. Würden familienbedingte Erwerbsunterbrechungen mit einberechnet, schwinde die Lücke fast vollständig, erläutert die VSU. „Entscheidende Gründe für die statistische Differenz sind die Berufswahl und die Erwerbsunterbrechungen. Wenn Frauen beim gleichen Arbeitgeber die gleiche Arbeit leisten wie ein Mann, dann werden sie auch gleich entlohnt“, sagt VSU-Hauptgeschäftsführer Joachim Malter. Diverse Interessengruppen seien daran interessiert, die korrekten statistischen Zahlen zu verschweigen und mit der sogenannten unbereinigten Lücke Stimmung zu machen.

Trotzdem sieht Malter Handlungsbedarf. „Es gilt, das Berufswahlverhalten von jungen Frauen aufzubrechen und sie zu ermutigen, ganz selbstverständlich beispielsweise auch eine Karriere als Facharbeiterin oder Ingenieurin anzustreben“, sagt Malter. Und die Politik müsse ihr Versprechen halten, flächendeckende Kinderbetreuung mit beschäftigungsfreundlichen Öffnungszeiten anzubieten – „damit jede Mutter und jeder Vater frei entscheiden kann, wie schnell sie/er wieder arbeiten gehen will“. Auch DGB-Geschäftsführerin Altesleben verlangt Rahmenbedingungen, um Männern und Frauen die gleiche Teilhabe an Erwerbs- und Sorgearbeit zu ermöglichen und Arbeitszeitreduzierungen sozial abzusichern.

Die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) geht auf die Statistik nicht ein, sondern kritisiert angesichts des „Equal Pay Day“ allgemein, dass Frauen weniger verdienen als Männer, auch wenn sie die gleiche Arbeit machen. Sie verweist auf Erfolge in der Familien- und Frauenförderpolitik: zum Beispiel das Rückkehrrecht in Vollzeit nach einer Teilzeitphase und die Unterstützung von Gründerinnen. „Ein Blick auf den hohen Frauenanteil in schlechter bezahlten Berufen zeigt jedoch exemplarisch, dass noch so manches zu tun bleibt, etwa für die Stärkung von Pflege- und Erziehungsberufen“, sagt Rehlinger.

Wie Altesleben vertritt auch Grünen-Landeschefin Tina Schöpfer die von der VSU kritisierte Position und nimmt die unbereinigte Lohnlücke als Anlass, von der Landesregierung eine Bundesratsinitiative für eine bessere Bezahlung von Frauen zu fordern. „Ein Gesetz zur Lohngerechtigkeit mit wirksamen Maßnahmen, Sanktionen und einem Verbandsklagerecht ist überfällig. Der Wert von Arbeit muss objektiv und angemessen beurteilt werden“, fordert sie. Außerdem müssten die sozialen Berufe, in denen momentan hauptsächlich Frauen arbeiten, besser bezahlt werden, sagt Schöpfer.

(mzt/dpa)