Saar-Stahlindustrie trauert um Michael Müller

Schockierende Todesnachricht : Saar-Stahlindustrie trauert um Michael Müller

Michael Müller, einer der wichtigsten Gestalter der saarländischen Stahlindustrie, ist tot. Er hatte über Jahrzehnte Schlüsselpositionen inne.

Mit großer Bestürzung hat die saarländische Stahlindustrie auf die Nachricht reagiert, dass Michael Müller gestorben ist. Der Saarbrücker Rechtsanwalt, der 64 Jahre alt wurde, war über Jahrzehnte eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der saarländischen Stahlszene, auch wenn dies nach außen wenig bekannt war. Bis zuletzt war er Aufsichtsratsvorsitzender der Dillinger Hütte und von Saarstahl – zudem noch Vorsitzender des Kuratoriums der Montan-Stiftung-Saar. Lange Jahre war er auch Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Obergesellsellschaft der saarländischen Stahlindustrie, der SHS – Stahl-Holding-Saar. Diese Funktion hatte er im September vergangenen Jahres an Tim Hartmann übertragen, der seitdem auch Chef der Dillinger Hütte und von Saarstahl ist.

Zur Stahlindustrie kam der Jurist, der in Freiburg, Tübingen und Saarbrücken studiert hat, in den 1980er Jahren. Von 1988 bis 1994 war Müller als Syndikusanwalt und Justitiar der Saarstahl Völklingen GmbH und späteren Saarstahl AG beschäftigt. Von 1994 bis 2007 war er als beratender Rechtsanwalt für die Saarstahl AG tätig. In diese Zeit fallen die Schicksalsjahre der saarländischen Stahlindustrie. Saarstahl arbeitete seit Mitte 1993 im Konkurs. Ob das Unternehmen mit seinen damals noch 7200 Mitarbeitern überhaupt überlebensfähig war, war Mitte der 1990er Jahre alles andere als selbstverständlich. Müller war einer der Architekten des Neubeginns und der erfolgreichen Umstrukturierung der saarländischen Stahlindustrie, auch wenn die Saarstahl-Konkursverwalter Hans Ringwald und Jean Lang oder die IG Metall mit dem Betriebsrat und dem Chef der Verwaltungsstelle Völklingen, Kurt Hartz, stärker in der Öffentlichkeit agierten.

Heraus kam am Ende ein engeres Zusammenrücken der beiden saarländischen Stahlkonzerne Dillinger Hütte und Saarstahl. Heute steht an der Spitze die 2001 gegründete Montanstiftung Saar, deren Zweck unter anderem „die Förderung und Stärkung der Stahlindustrie an der Saar“ ist. Außerdem garantiert sie deren Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Vorsitzender des Stiftungskuratoriums war Müller seit 2007. Zudem war er noch Chef des dreiköpfigen Stiftungsvorstandes. Die wesentlichen Aktien-Anteile an den beiden saarländischen Stahlkonzernen hält die Holding SHS, wo Müller noch bis vor wenigen Monaten Vorsitzender der Geschäftsführung war. Die SHS ist eine 100-prozentige Tochter der Stiftung.

Entsprechend groß ist der Schock in der saarländischen Stahlszene wegen des plötzlichen Todes von Müller. „Die gesamte saarländische Stahlindustrie, ihre Mitarbeiter, Vorstände, Betriebsräte und Aufsichtsräte, trauern um eine herausragende Persönlichkeit, die die Geschichte der saarländischen Stahlindustrie in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt und den Weg für die Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen bereitet hat“, erklärt Reinhard Störmer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums der Montanstiftung. Auch Albert Hettrich, Präsident des Saarhütten-Verbandes, hat die Nachricht vom Tod Müller „tief betroffen gemacht“. „Die saarländische Stahlindustrie – das war sein Lebenswerk“, sagt er. Sowohl Störmer als auch Hettrich waren seit Jahrzehnten Weggefährten von Müller und zwei seiner engsten Vertrauten. „Wir werden sein Werk in Kontinuität und Besonnenheit zur Stärkung des Stahlstandortes fortführen“, verspricht Störmer

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