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Saar-LB eröffnet neues Domizil

Saar-LB eröffnet neues Domizil

Als deutsch-französische Mittelstandsbank versteht sich die Saar-LB. Tatsächlich macht sie einen signifikanten Teil ihres Geschäfts im Nachbarland. Dem trägt sie jetzt mit einem neuen Sitz in Straßburg Rechnung.

Die Saar-LB hat gestern offiziell ihre neue Filiale in Straßburg eröffnet. Damit werde Straßburg eine wichtige Basis für die grenzüberschreitende Arbeit der Bank, sagte Saar-LB Vorstandschef Werner Severin beim Festakt zur Einweihung der neuen Geschäftsräume. Auch Saar-LB-Vorstand Frank Eloy, zuständig für das Frankreich-Geschäft der "deutsch-französischen Mittelstandsbank", spricht angesichts der neuen Präsentanz von einem Bekenntnis zu Frankreich. "Wir erzielen 40 Prozent unseres Ertrages in Frankreich, wir haben 40 Prozent unseres Kreditvolumens in Frankreich, Frankreich ist für die Bank ein sehr wichtiger Markt." Dem werde mit dem neuen Standort Rechnung getragen, sagt Eloy.

Nun ist es nicht so, dass die Filiale in Straßburg ein Novum ist. Bereits seit 2004 unterhält die Bank ein Büro in Metz, seit 2008 gibt es ein Vertriebsbüro in Straßburg, und auch in Paris ist die Saar-LB vertreten. Doch die neue Filiale setzt ein deutliches Signal. Das liegt weniger an den acht Arbeitsplätzen, die dort eingerichtet werden, sondern eher daran, dass Eloy dort künftig ein festes Büro haben wird. "Ich werde einen Tag in der Woche in Straßburg arbeiten", sagt er. Angesichts der günstigen Anbindung durch den TVG könne er dann bei Bedarf nicht nur schnell nach Paris kommen, sondern auch wieder nach Metz oder Saarbrücken . "Logistisch ist das ideal", sagt Eloy.

Dass das Büro in Metz, das schon seit Jahren zugunsten von Straßburg zurückgefahren, wird nun aufgelöst wird, liegt einerseits an der Regionalreform in Frankreich, andererseits auch an den Verschiebungen im Kundenkreis: "Straßburg ist die Hauptstadt der neuen Region Grand Est", sagt Eloy. Diese ist im Rahmen der Reform aus dem Elsaß, Lothringen und Champagne-Ardenne entstanden. "Wenn dort künftig die Entscheider sitzen, ist es klar, dass auch wir da sein müssen." Aber die Saar-LB hat auch im Kommunalgeschäft und im Firmenkundengeschäft in der Region stark zugelegt - innerhalb von vier Jahren habe sich das Geschäft verdreifacht, sagt Eloy. Und diese Kunden säßen vor allem in und um Straßburg.

Die Saar-LB setzt in Frankreich auf drei Säulen: Das Geschäft mit Firmen- und kommunalen Kunden, das zum Jahresende ein Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro hatte, das Geschäft mit Immobilien, das sich vor allem auf die Regionen Ile de France mit Paris und Rhone-Alpes konzentriert und knapp eine Milliarde Euro umfasst und - als größte Säule - das Geschäft mit Erneuerbaren Energien. Hier finanziert die Saar-LB Standorte in ganz Frankreich mit einem Volumen von über zwei Milliarden Euro.

Während Großkunden und Immobilen von Straßburg und Paris aus betreut werden, ist das Erneuerbare-Energien-Geschäft in Saarbrücken beheimatet. "Insgesamt beschäftigen wir fünfzig Franzosen, die für den französischen Markt arbeiten", sagt Eloy. Das sind knapp zehn Prozent der Beschäftigten. "Damit sind wir integraler Bestandteil der Frankreich-Strategie des Saarlandes", sagt Eloy. So sieht es auch Finanzminister Stephan Toscani . Er lobte den neuen Standort der Saar-LB als Beweis für den Erfolg ihrer deutsch-französischen Ausrichtung.

Meinung:

Strategie ist aufgegangen

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Eine umfassende Frankreich-Strategie hat Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ausgerufen, die das Saarland enger mit den französischen Nachbarregionen in Verbindung bringen soll. Zumindest für die Saar-LB, die ja zum größten Teil dem Land gehört, darf diese Strategie als gelungen gelten. Nicht nur, dass ein signifikanter Teil der Mitarbeiter zweisprachig ist, auch ein Großteil des Geschäfts macht die Bank mittlerweile im Nachbarland. Das war nicht immer so. Als 2007 der noch neue Vorstandschef der Bank, Thomas-Christian Buchbinder , seine Frankreich-Strategie ausrief, wurde er von vielen im Land belächelt. Buchbinder ist zwar nicht mehr Chef der Bank, seine Idee der grenzüberschreitenden Bank allerdings ist aufgegangen - zum Wohl der Saar-LB.