Saar-IHK warnt vor Panikmache für den Wirtschaftsstandort Saarland

Konjunktur : IHK widerspricht Wirtschaftsprognose der Arbeitskammer

Hauptgeschäftsführer erwartet in diesem Jahr wieder stabileres Wachstum an der Saar. Vor allem der Export werde wieder anziehen.

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (IHK), Heino Klingen, widerspricht deutlich den Befürchtungen der Arbeitskammer, der Industriestandort Saarland sei gefährdet (wir berichteten). Zwar sei das Jahr 2018 konjunkturell wegen mehrerer Sondereffekte mit einem Plus von nur 0,2 Prozent weniger gut gelaufen als erwartet, aber für 2019 sei schon wieder ein Wachstum von 0,5 bis ein Prozent realistisch.

Arbeitskammer-Hauptgeschäftsführer Thomas Otto hatte ein deutlich negativeres Bild der wirtschaftlichen Lage gezeichnet. Das Wachstum der Saar-Wirtschaft werde 2019 kaum höher ausfallen als im Vorjahr und „deutlich hinter dem bundesweiten Wachstum bleiben“. „Wir werden im Saarland um unseren Industriestandort kämpfen müssen“, sagte Otto.

Ein Wachstum unterhalb des Bundes ist an der Saar Normalität. „Das ist seit vielen Jahren so“, sagt Klingen dagegen. In diesem Jahr gehe er sogar davon aus, dass sich die Lücke zum Bund verringern werde. 2019, sagt Klingen, werde ein schwieriges, aber kein schlechtes Jahr für die Saar-Wirtschaft.

Für die schwache Entwicklung des vergangenen Jahres zeichnen vor allem die Fahrzeugindustrie und der eng mit dieser verbundene Maschinenbau verantwortlich. Die Autoindustrie musste in den ersten zehn Monaten 2018 ein Umsatzminus von 8,9 Prozent verbuchen, der Maschinenbau von 2,9 Prozent. Ursächlich dafür waren auf der einen Seite der Modellwechsel bei Ford sowie die Diesel-Krise – mit der Neueinführung des Abgasstandards WLTP sind die Auto-Absatzzahlen eingebrochen, weil viele Modelle noch nicht zertifiziert sind. Auf der anderen Seite steht die ungelöste Brexitfrage, die unter anderem dafür verantwortlich ist, dass die Ausfuhren nach Großbritannien um 12,3 Prozent zurückgegangen sind. Auch der Kampf um die Neue Halberg Guss hat das Wachstum belastet. Die Stahlindustrie wiederum, eine Kernbranche der Saar-Industrie, habe trotz der US-Strafzölle auf Stahl um vier Prozent beim Umsatz zulegen können, sat Klingen. Ursprünglich war die IHK für 2018 von einem Wirtschaftswachstum im Saarland von 1,5 Prozent ausgegangen.

Für das laufende Jahr zeigt sich Klingen angesichts eines von der Industriestaaten-Organisation OECD vorhergesagten weltweiten Wachstums von 3,5 Prozent wieder verhalten optimistisch: Von diesem Aufschwung werde „auch die exportstarke Saar-Wirtschaft profitieren“, sagt er. Bei den Exporten erwartet er ein Plus von drei Prozent. Voraussetzung sei allerdings, dass es keine weiteren Überraschungen im Welthandel gebe. „Das größte Risiko bleibt der US-Präsident“, sagt Klingen. Sollte Donald Trump doch noch die angedrohten Auto­zölle einführen, müsse die Prognose noch einmal gesenkt werden.

Um die Wachstumskräfte im Land zu stärken fordert die IHK Leitinvestitionen am Standort. Neben einer Untertunnelung der Stadtautobahn in Saarbrücken (wir berichteten) gehören dazu aus Sicht des IHK-Chefs auch der zügige Ausbau der Messe sowie die Einrichtung einer Internationalen Schule.

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