1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Saar-HWK sucht Azubis auf neuen Wegen

Saar-HWK sucht Azubis auf neuen Wegen

Bei den meisten Saar-Handwerkern brummt laut einer Umfrage das Geschäft. Trotzdem ist es schwer, Azubis zu finden. Die Handwerkskammer arbeitet jetzt an Online-Videos, die für das Handwerk begeistern sollen.

Ein Job im Handwerk - das gilt nicht gerade als schick. "Die Vorurteile bauen sich zwar langsam ab, aber wir müssen trotzdem noch dicke Bretter bohren", sagt Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der Saar-Handwerkskammer (HWK). Deswegen traut sich die HWK jetzt etwas Neues: Einen eigenen Youtube-Kanal im Internet. Bis zum Jahresende will sie dort sechs Videos einstellen. Der Clou: Studenten spielen die Hauptrolle und besuchen Handwerksbetriebe. Damit will die HWK wieder mehr junge Leute von der Uni zum Handwerk bringen. Das erste Video ist im Kasten. Film ab: Maschinenbaustudent Marius schaut sich den Dachdeckerbetrieb von Helmut Zimmer in St. Wendel an. Es geht mit dem Kran hoch hinaus. Das Dach eines Turmes muss repariert werden. Marius darf sich oben auf dem halbfertigen Dach die Arbeit anschauen. Die Dachdecker erklären ihm, was sie tun und warum sie ihren Job lieben.

Die nächsten Videos sind schon in der Planung, sagt Klein-Zirbes. Dann geht es zum Elektriker oder in eine Schreinerei. "Mit den Videos wollen wir die jungen Leute dort erreichen, wo sie in ihrem Alltag unterwegs sind, im Internet", sagt Klein-Zirbes.

Dachdeckermeister Zimmer hat in 32 Jahren schon 140 Jugendliche ausgebildet. Er arbeitet zum Beispiel viel mit Schulen zusammen, um neue Azubis zu finden. Es gibt aber eben auch viele Handwerksbetriebe, denen der Nachwuchs fehlt.

Abgesehen davon geht es den saarländischen Handwerkern aber zumindest konjunkturell gut. 90 Prozent der 1400 saarländischen Handwerksbetriebe, die an der diesjährigen Herbstumfrage der HWK teilgenommen haben, sind mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Schlecht liefen die Geschäfte nur in jedem zehnten Betrieb. Besonders gute Stimmung liegt im handwerklichen Baugewerbe, das sich über deutliche Auftrags- und Umsatzzuwächse freuen konnte.

Das liege an den niedrigen Anlage-Zinsen, erläutert Bernd Wegner , Präsident der Saar-HWK. Zurzeit investierten viele Privatleute in Immobilien und in den energetischen Ausbau. Der HWK-Geschäftsklimaindex fasst die aktuelle Lage und die Zukunftserwartungen zusammen. Er ist im Vergleich zur Herbstumfrage 2015 von 86 auf 89 Punkte gestiegen. Und erreicht damit einen Spitzenwert, der zuletzt im Frühjahr 2012 gemessen wurde.

So blickt der HWK-Präsident optimistisch dem Jahresende entgegen. 34 Prozent der Unternehmen waren zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. "Wir werden auch ein starkes viertes Quartal haben", kündigt er an.

Trotzdem gebe es auch Risiken, die dem Handwerk gefährlich werden könnten. Eine unzureichende Fachkräfteversorgung zum Beispiel. Oder die Auswirkungen des Brexit und die wirtschaftspolitische Ausrichtung der USA, sagt Wegner. Aber "anders als bei der Industrie, ist bei uns noch kein Schatten am Horizont zu sehen."