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Getränkehandel: Saar-Brauer bleiben bei den Standard-Flaschen

Getränkehandel : Saar-Brauer bleiben bei den Standard-Flaschen

Manche Großbrauereien füllen Bier in speziellen Flaschen ab und produzieren damit bei der Konkurrenz höhere Kosten für die Sortierung.

Immer mehr Brauereien in Deutschland nutzen individualisierte Bierflaschen. Gerade große Brauereien wie Krombacher oder Becks setzen nicht mehr die Standard-Flaschen (siehe Info-Kasten) ein, sondern nutzen Modelle, die beispielsweise eine individuelle Prägung haben. Damit sind diese nicht von allen Brauereien gleichermaßen nutzbar. Dies sorgt für steigenden Aufwand und Kosten: Denn die Brauereien müssen die Kästen, die ihnen angeliefert werden, sortieren – und diese enthalten oft nicht nur die Standard-Flaschen.

Für die Vermischung von Flaschen gibt es laut Günter Guder vom Bundesverband des deutschen Getränkegroßhandels zwei Gründe: das Verbraucherverhalten und die Situation im Lebensmittelhandel. Beim Verkauf von Einzelflaschen oder je nach Vorgehen bei der Rücknahme würden alle Flaschen einfach in die Kästen gepackt, wodurch es zu einer Vermischung von Standard- und Individualflaschen komme. Der Grad der Vermischung sei je nach Region unterschiedlich. „In Berlin haben wir die höchste Vermischung“, erläutert Guder. Denn dort sei das Verbraucherverhalten anders, und es würden mehr Einzelflaschen verkauft.

Dass unsortiertes Leergut zunimmt, stellt Alexander Kleber von der Grosswald Brauerei in Eiweiler zusehends fest. Seine Brauerei verwendet für die Produkte nur Standard-Flaschen im Format NRW und Longneck. Wenn Fremdflaschen auftauchten, würden diese ausgetauscht. Ein großes Problem sieht er hier jedoch nicht: „Der Markt im Saarland ist relativ sauber.“ Das Problem der Flaschensortierung sei seiner Ansicht nach in Bundesländern größer, wo allgemein mehr Flaschen im Umlauf seien.

Die saarländischen Brauereien setzen fast nur die Standardflaschen in den Formaten NRW, Longneck und Steinie, hier besser bekannt als Stubbi, ein. Lediglich Karlsberg vertreibt einige seiner importierten Produkte in individualisierten Flaschen – aber „95 Prozent sind Standardflaschen“, sagt Geschäftsführer Markus Meyer. Die Kosten, die für die Sortierung eingehender Flaschen entstünden, lägen im siebenstelligen Bereich. Jede Flasche müsse aufwendig gereinigt und geprüft werden, sagt er: „Das ist Handarbeit am Ende des Tages.“ Dies hänge aber weniger mit individualisierten Flaschen zusammen. Der Hauptgrund sei das Mehrwegsystem in Deutschland. „Aus diesem System entsteht natürlich Aufwand, allein schon wegen der Glasfarben.“

Auch Thomas Bruch von der Brauerei Bruch findet: „Wir haben einen hohen Sortieraufwand.“ Er bezahlt einen sogenannten Streckenlogistiker für die Sortierung. „Es kostet unnötig Geld, aber es ist nicht so, dass es einen Betrieb in den Ruin treibt.“ Bruch sieht für Brauereien keinen wirklichen Grund, überhaupt auf individualisierte Flaschen zu setzen. Der dadurch erhoffte Werbeeffekt sei bei den Brauereien nicht eingetreten. Meyer sieht das ähnlich: „Der Konsument hat sich an die Flaschen gewöhnt.“ Zudem hätten es die Standard-Flaschen geschafft, gemeinsam für das Produkt Bier zu stehen.