Saar-Wirtschaft: Saar-Betriebe setzen verstärkt auf Qualifizierung

Saar-Wirtschaft : Saar-Betriebe setzen verstärkt auf Qualifizierung

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels müssen Unternehmen bestehende Kräfte weiterbilden.

() Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Saarland suchen die hiesigen Unternehmen Möglichkeiten, die Lücken aus eigener Kraft zu schließen. Dabei setzen viele Firmen auf eine zusätzliche Qualifizierung der Mitarbeiter, um auch weniger gut ausgebildete Fachkräfte in komplexeren Tätigkeiten einsetzen zu können. Aber auch Maßnahmen wie eine Ausweitung der Arbeitszeit, die Optimierung der Prozesse sowie das Angebot von mehr Ausbildungsstellen sollen helfen, gegen den Mangel an Fachkräften anzugehen. Das zeigt eine Umfrage der IHK, an der sich rund 300 Unternehmen mit gut 85 000 Beschäftigten beteiligten. Der Umfrage zufolge können die Firmen im Saarland aktuell rund 1500 Stellen nicht besetzen.

Neben dem Versuch, mithilfe der bestehenden Mitarbeiterschaft die Probleme zu lösen, weiten mittlerweile auch Mittelständler bei der Personalsuche ihren Werkzeugkasten aus. Unternehmen, die bisher gewöhnlich auf Empfehlung eigener Angestellter oder über Mundpropaganda neue Mitarbeiter bekommen hatten, greifen nun auf Mittel zurück, die sonst eher Großunternehmen nutzen. Neben der Kooperation mit Schulen und Hochschulen werden Mitarbeiter immer häufiger auch per Headhunter gesucht. Einige Unternehmen suchen mittlerweile auch im Ausland nach qualifizierten Kräften. Außerdem nehmen sie – unterstützt auch von IHK, Saaris und der Agentur für Arbeit – Zielgruppen wie Frauen, Ältere und Migranten in den Fokus. „Um die angespannte Fachkräftesituation zu entschärfen, bedarf es weiterer Anstrengungen“, sagt IHK-Präsident Hanno Dornseifer. Neben der Unterstützung junger Menschen bei ihrer Berufsorientierung nennt Dornseifer noch mehr Initiativen, um beispielsweise die Erwerbsquoten bei Frauen zu steigern. Viele von ihnen arbeiten im Saarland halbtags oder gar nicht. Auch bei Migranten und Älteren sieht er noch mehr Potenzial. Dornseifer rät Unternehmen aber auch, ihre sogenannte Arbeitgebermarke zu schärfen, sich also bei potenziellen Arbeitnehmern bekannt und attraktiv zu machen.

Auch das Handwerk, das nicht in der IHK, sondern bei der Handwerkskammer organisiert ist, spürt den Fachkräftemangel. „80 Prozent der Handwerksbetriebe klagen über einen Mangel an Fachkräften“, sagt Ralf Kutzner, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft IG Metall. Kutzner sieht hier aber auch das Problem, dass zahlreiche Betriebe sich weigerten, Tariflöhne zu zahlen. Dabei brauchen Handwerksunternehmen aktuell drigend Fachkräfte. Denn das Geschäft brummt, so geht es aus dem Konjunkturbericht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) zum dritten Quartal hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. Die Unternehmen bewerten demnach ihre Umsatzentwicklung besser als je zuvor. Ihre Kapazitäten sind immer besser ausgelastet. Und auch Auftragsbestände und Auftragsreichweiten erreichen neue Höchststände.

IHK-Präsident Hanno Dornseifer. Foto: IHK/IHK/Becker&Bredel

Der IHK zufolge sind die gesuchten Qualifikationen je nach Branche sehr unterschiedlich. In Handel, in der Hotellerie und in der Gastronomie würden vor allem Fachkräfte gesucht. Die Industrie, in der zunehmend mit Industrie 4.0 die Digitalisierung einzieht, würden ebenso wie in der IT-Wirtschaft und der Energiebranche Spezialisten gesucht. Und über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg würden Auszubildende gesucht: Dornseifer rät Jugendlichen in diesem Zusammenhang, über eine Duale Ausbildung nachzudenken.

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