Saar-Betriebe können bei Interesse bis zu 300 Jugendliche ausbilden.

Neues Internat der Saar-Bauwirtschaft 2020 bezugsfertig : Bauwirtschaft zieht junge Leute an

Ein neues Internat zur Weiterbildung in Saarbrücken für sechs Millionen Euro wird im Sommer 2020 fertig. Gestern war Richtfest.

Junge Leute, die sich eine Tätigkeit in einem Bauberuf vorstellen können, haben bei guten Leistungen nach der Ausbildung eine Übernahmegarantie, gesicherte Weiterbildungs- und Aufstiegschancen sowie von Anfang an einen attraktiven Verdienst. Das sagte gestern Klaus Ehrhardt, Präsident des Arbeitgeberverbandes der saarländischen Bauwirtschaft (AGV Bau Saar). Anlass war die Grundsteinlegung für ein neues Internats- und Seminargebäude in Saarbrücken-Schafbrücke. Denn die Branche will sich noch mehr um die Betreuung ihrer Nachwuchskräfte kümmern. Für den Neubau nimmt der Verband sechs Millionen Euro in die Hand. Er soll im Sommer 2020 fertiggestellt sein. Junge Leute, die künftig zu Ausbildungskursen oder Seminaren von weiter her anreisen, können in dem Internat wohnen. Dort stehen künftig 43 Betten zur Verfügung. In den Bau integriert werden zudem eine neue Küche sowie die Verwaltung.

Die Baubranche arbeite heute mit modernster Technologie, betonte AGV-Präsident Ehrhardt. Das mache einen zusätzlichen Reiz aus. Deshalb setze man in dem neuen Internat- und Seminargebäude voll auf die Digitalisierung bei der Vermittlung von Lerninhalten. Zumal sich die Arbeitsbedingungen stark verändert hätten. Heute komme man auf keiner Baustelle mehr ohne Tablet aus. Darin seien unter anderem alle Details der einzelnen Bauabschnitte verzeichnet. Die Baubranche an der Saar könne ohne Mühe sofort bis zu 300 Auszubildenden eine Ausbildung anbieten, wenn sich genug Interessenten finden, betonte Präsident Ehrhardt.

Auch Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) verwies bei der Grundsteinlegung auf die sicheren Arbeitsplätze in der Branche. „Die Bauberufe haben Zukunft. Investiert und gebaut wird immer.“ Alleine im Saarland würden derzeit zahlreiche Investitionen realisiert. Dazu gehöre der Straßenbau sowie die Erneuerung von Wegen genauso wie die Sanierung von Gebäuden an der Universität, Neubauten für das Helmholtz-Zentrum oder die Polizei-Inspektion. Gleichzeitig werde der Wohnungsbau vorangetrieben.

Zugleich lobte die Ministerin die zahlreichen Bemühungen des Arbeitgeberverbandes, junge Menschen für Bauberufe zu begeistern. Hierzu gehöre auch der Infotag „Azubi am Bau“ am kommenden Freitag zwischen 9 und 12 Uhr im Ausbildungszentrum Bau in Saarbrücken-Schafbrücke (siehe Info). Gerechnet wird mit über 1000 Besuchern. Die Ministerin selbst will sich zudem dafür einsetzen, dass an Gymnasien mehr Praktika angeboten werden, damit Schülerinnen und Schüler Alternativen zum Studium kennenlernen können.

Wirtschaftlich läuft es für die saarländische Baubranche rund. Aufträge und Umsätze steigen. Besonders aus den Bereichen Straßenbau sowie öffentlicher Tiefbau kommen verstärkt Aufträge. In der Folge steigt der Personalbedarf. Alleine im Februar 2019 waren im Saarland 5137 Arbeitnehmer bei Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten registriert, ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

Präsident Ehrhardt verweist darauf, dass die deutschen Bauunternehmen ihre Kapazitäten in den vergangenen neun Jahren um 130 000 Beschäftigte ausgeweitet haben. Im laufenden Jahr rechne man mit insgesamt 850 000 Mitarbeitern. Im Saarland beschäftigt die Branche aktuell 9497 Mitarbeiter, ein Plus von acht Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre. Hinderlich für die Branche sei die Vielzahl an gesetzlichen Vorgaben. So müssen in Deutschland derzeit rund 20 000 Bauvorschriften beachtet werden. Das verteuere viele Projekte. Ehrhardt  forderte, diesen undurchsichtigen Dschungel zu durchforsten und die Vielzahl an Vorgaben zu vereinfachen. Das mache zugleich die Bauunternehmen wettbewerbsfähiger.

(ts)
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