Streiks bei Halberg Guss: Rehlinger macht Druck bei Halberg Guss

Streiks bei Halberg Guss : Rehlinger macht Druck bei Halberg Guss

Die saarländische Wirtschaftsministerin setzt im Streit bei der Saarbrücker Gießerei auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen.

Die Stimmung in der Turnhalle Brebach ist aufgeheizt. „Wer sind wir? Halberger! Was tun wir? Streiken!“, skandieren die gut  300 streikenden Halberg-Guss-Mitarbeiter. Auf der Bühne ertönt wenig später das Streiklied „Keiner schiebt uns weg.“ Gemeinsamkeit ist es, die die Mitarbeiter der Neuen Halberg Guss (NHG) demonstrieren, als Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) die Streikversammlung betritt. Und Rehlinger ist schnell einbezogen: „Die Anke hat versucht zu vermitteln“, sagt Hans Peter Kurtz, erster Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken. „Die Anke steht auf unserer Seite.“

Seit Wochen tobt der Konflikt zwischen der Gewerkschaft und dem Unternehmen. Und seit drei Wochen sind die Mitarbeiter im Ausstand. Es geht um die Zukunft des Werks – darin sind sich beide Seiten einig. Die Gewerkschaft fürchtet, dass das Unternehmen die Saarbrücker Traditionsgießerei ausbluten lässt. Die Geschäftsführung sieht durch die Streiks das Unternehmen in seiner Zukunft gefährdet. Seit Wochen prallen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, Gesprächsrunden sind kaum anberaumt, da werden sie schon wieder abgesagt.

Und auch jetzt scheinen die Fronten kaum zu überwinden: Die Gewerkschaft fordert einen Sozialtarifvertrag, um die Mitarbeiter der Werke in Saarbrücken und Leipzig abzusichern. Vor einem Monat hatte das Unternehmen angekündigt, das Werk in Leipzig mit über 600 Mitarbeitern zu schließen. Auch in Saarbrücken stehen Jobs auf der Kippe. 300 der rund 1500 Stellen seien gefährdet, hieß es. Aus Sicht der Gewerkschaft ist der Stellenabbau eine Folge des jahrelangen Machtkampfs der Halberg-Guss-Muttergesellschaft Prevent  mit dem Hauptkunden Volkswagen. Prevent setze Volkswagen mit extremen Preiserhöhungen unter Druck, gefährde so die Geschäftsbeziehung und die Werke.

Die Geschäftsführung sieht das wiederum ganz anders. Volkswagen habe sich nicht an Zusagen gehalten, habe Aufträge abgezogen. Leipzig sei ohne diese Aufträge nicht lebensfähig. Saarbrücken dagegen sei – unter anderem mit Kunden wie dem Motorenbauer Deutz und Opel weiter zukunftsfähig.

Diese Zukunft aber, betont Geschäftsführer Barbaros Arslan sei nun durch die Streiks und die „völlig unrealistischen Forderungen“ im Rahmen des Sozialtarifvertrags gefährdet. „Neben Volkswagen werden jetzt auch die übrigen Kunden, auf die wir für die Zukunft setzen, unruhig“, sagt Arslan. Tatsächlich kommt der Streik auch bei den Kunden an. Sowohl Opel und Deutz sind bereits empfindlich durch den Lieferstopp getroffen. Und auch VW muss einer Sprecherin zufolge flexibel in der Produktion auf die Engpässe reagieren. Opel hat bereits die Werksferien vorverlegt, um den Lieferausfällen zu begegnen. Und Deutz hatte bereits vor einer Woche betont, dass die Streiks die Geschäftsbeziehungen langfristig gefährden könnten.

Grund genug für Halberg-Guss-Geschäftsführer Alexander Gerstung, den Ton zu verschärfen: Sollten die Kunden ihre Aufträge so weit reduzieren, dass eine kritische Grenze auch für das Werk Saarbrücken unterschritten werde, würde es liquidiert. „Es wird keine Insolvenz geben“, betonte Gerstung mit Blick auf Hoffnungen in IG-Metall-Kreisen, dass eine Insolvenz auch einen neuen Eigner bringen könnte.

Rehlinger forderte die beiden Parteien nun auf, wieder zu Gesprächen zusammenzukommen. „Die einzige Chance, um aus dieser verfahrenen Situation herauszukommen, ist es, miteinander zu reden“, sagt Rehlinger.

Das Unternehmen hat heute zu einem runden Tisch mit wichtigen Kunden geladen – eine Einladung, die IG-Metall-Chef Kurtz ausgeschlagen hat. „Unsere Gesprächspartner sind nicht die Kunden, sondern das Unternehmen“, sagt er und kontert mit einer Gesprächseinladung für diesen Freitag.

Noch liegen allerdings die Fronten extrem auseinander. Die Gewerkschaft fordert für alle Mitarbeiter eine Absicherung mit 3,5 Monatsgehältern pro Berufsjahr und eine Transfergesellschaft. NHG-Manager Arslan bezeichnet das als „vollkommen unrealistisch“ und beziffert es mit Kosten von insgesamt 700 Millionen Euro, die das Unternehmen dafür zurücklegen müsse. Gewerkschafter Kurtz kontert, das Unternehmen rechne falsch, „Wir kommen auf maximal 500 Millionen Euro“, sagt er. Ein Gegenangebot von gerade einmal 0,7 Gehältern wiederum – und das auch nur für das Werk Leipzig – sei für ihn nicht zu verhandeln.

Das Angebot des Unternehmens, getrennt nur für Leipzig einen Zukunftstarif zu verhandeln und im Gegenzug in Saarbrücken bis Ende 2019 betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen, wenn keine weiteren Kundenaufträge wegfallen, verfestige bei ihm nur den Verdacht, dass Saarbrücken nach 2019 einer sehr unsicheren Zukunft entgegengehe.

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