1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Polnische Airline LOT kauft Condor - kein weiterer Stellenabbau geplant

Mitarbeiter und Urlauber können aufatmen : Polnische Fluggesellschaft kauft Condor

Die Airline LOT hat große Pläne mit dem deutschen Ferienflieger. Dieser entgeht somit dem Sog der Thomas-Cook-Pleite.

Fast vier Monate nach der Insolvenz von Thomas Cook ist Condor gerettet. Unter dem künftigen Eigner, der polnischen Airline Polskie Linie Lotnicze LOT S.A. (LOT), soll der Ferienflieger neue Flugzeuge bekommen und bald auch aus dem europäischen Ausland abheben. So könnte die Condor, die nur dank Staatshilfen über den Winter gekommen war, für Urlauber in Osteuropa attraktiv werden. „Es gibt keine Unsicherheit mehr. Condor wird nicht nur überleben, sondern stark wachsen“, versprach LOT-Chef Rafał Milczarski.

Mit dem Verkauf an LOT endet auch für die knapp 5000 Condor-Beschäftigten eine Zeit der Ungewissheit. Bei dem Frankfurter Unternehmen sollen nun keine weiteren Jobs mehr abgebaut werden. „Ich brauche alle diese Mitarbeiter, um das Geschäft und die Zukunft von Condor zu entwickeln“, sagte Milczarski. Auch Condor-Chef Ralf Teckentrup stellte klar, dass keine weiteren Kürzungen geplant seien. Entsprechend erleichtert zeigten sich auch Hessens Landesregierung sowie die Gewerkschaften Ufo und Verdi.

Im Zuge der Käufersuche hatte die Condor-Belegschaft Opfer gebracht, um die Gewinnaussichten zu verbessern. So sollen in der Frankfurter Verwaltung 170 Stellen wegfallen, außerdem stehen 150 Flugbegleiter-Jobs auf der Streichliste. Nun übernimmt LOT, die im Ringen um Condor mehrere Finanzinvestoren ausstach, Condor als Ganzes. Eine zweistellige Zahl an Interessenten habe für den profitablen Ferienflieger geboten, berichtete Finanzchef Christoph Debus.

Dabei hatte die Rettung bis zuletzt auf der Kippe gestanden. Der Zeitplan im komplexen Schutzschirmverfahren war ambitioniert. So musste verhindert werden, dass Condor von der Insolvenz von Thomas Cook in den Abgrund gerissen wird. Die letzten Verhandlungen beim Notar dauerten die ganze Nacht. Erst am Morgen standen die Unterschriften unter dem Vertrag. Entsprechend erleichtert zeigten sich alle Parteien. „Wir sind extrem glücklich“, sagte Milczarski.

Zusammen wollen die Airlines nun einen europäischen Luftfahrtkonzern mit mehr als 20 Millionen Passagieren pro Jahr schaffen. „Nach dieser Hochzeit wird sich unser Geschäft fast verdoppeln“, sagte Milczarski. Die polnische Airline, die vor Jahren selbst Staatshilfen benötigte, hat die Zahl ihrer Passagiere seit 2015 auf gut zehn Millionen mehr als verdoppelt. Sie betreibt eine Flotte von 80 Flugzeugen. Condor kommt auf mehr als 50 Jets und beförderte zuletzt 9,4 Millionen Reisende.

Für Urlauber ändert sich zunächst nichts. Beide Marken seien stark und würden getrennt voneinander auftreten, sagte Milczarski. So soll Condor nach dem Verkauf weiter unter dem Riesenvogel im Emblem fliegen. „Die Marke Condor bleibt, wie sie ist“, sagte Teckentrup.

Der neue Eigentümer will nun die veraltete und viel Sprit fressende Langstreckenflotte von Condor so schnell wie möglich erneuern und ausbauen. „Die Langstreckenflugzeuge müssen in den nächsten zwei bis drei Jahren ersetzt werden“, kündigte Chef Milczarski an.

Wie viel Geld LOT für Condor bezahlt hat, wurde unterdessen nicht bekannt. „Wir bezahlen einen fairen Preis“, sagte Milczarski lediglich. Auch zu den möglichen gemeinsamen Einsparungen hielten sich die Firmen bedeckt. Die 380 Millionen Euro Staatshilfe aus Berlin sollen indes fristgemäß im April beglichen werden. Ohnehin werde man das Darlehen, für das die Bundesregierung und das Land Hessen gebürgt hatten, nicht ganz benötigen, sagte Finanzchef Debus.