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Otto Flick (FDP) fordert in der Krise mehr Offenheit von Banken.

Zeit zu Dialog zwischen Banken und Unternehmen : „Offen miteinander reden“

FDP-Finanzexperte: Geschäftsbanken, die Kredite kürzen, verschärfen die Krise.

Der FDP-Finanzexperte Otto Fricke hält nichts von Forderungen, der Bund solle Hilfskredite der KfW an Unternehmen zu 100 Prozent absichern. Dies sagte er der Saarbrücker Zeitung.

Die Hilfskredite der KfW werden vom Bund nur zu 90 Prozent abgesichert, also nicht vollständig. Führt das in der Praxis zu Problemen?

FRICKE Das kann dann zu Problemen führen, wenn die Banken mit Blick auf bestimmte Unternehmen glauben, selbst in ein zu großes Risiko zu kommen oder Gefahr zu laufen, die Vorschriften der Bankenaufsicht nicht einzuhalten.

Unterstützen Sie also Forderung des DIHK, dass die Absicherung auf 100 Prozent erhöht werden soll?

FRICKE Nein. Diejenigen, die Kredite vergeben und damit Geld verdienen, müssen ein eigenes Risiko behalten und in eigener Verantwortung handeln. Bei einer pauschalen 100-Prozent-Absicherung besteht die Gefahr, dass die Kreditwürdigkeit nicht mehr vernünftig geprüft wird.

Aber wenn die Banken jetzt die Geschäftslage ihrer Kunden prüfen, stellen sie bei vielen fest: Gegenwärtiger Umsatz Null. Und dann gehen sie auch kein Zehn-Prozent-Risiko mehr ein.

FRICKE Bei der Frage der Kreditwürdigkeit muss es darum gehen, wie die Geschäftslage Ende des letzten Jahres aussah. Da kann man nicht allein die aktuelle Lage zum Maßstab machen. Es ist jetzt ganz wichtig, dass beide Seiten, Unternehmen wie Banken, offen miteinander reden, weil es immer neue Sonderfälle geben wird.

Verstehen Sie es, wenn einzelne Geschäftsbanken sogar bestehende Kreditlinien kürzen, weil sie vermuten, dass ihr Partner wegen Corona in Probleme geraten kann?

FRICKE Nein, das verstehe ich nicht. Damit vertiefen sie die Krise nur. Die Banken haben in der derzeitigen Lage auch eine Überbrückungsfunktion.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken verhalten sich anders als die Geschäftsbanken.

FRICKE Dass vor allem bei den Genossenschaftsbanken die Praxis besser ist, registriere ich auch. Die Privatbanken müssen sich fragen, ob sie weiter als Partner des Mittelstandes gelten wollen, wenn die Krise vorbei ist.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE

WERNER KOLHOFF