Das müssen Verbraucher wissen Öl-Embargo gegen Russland geplant: Steigt der Preis für Heizöl bald? Das sagen Experten

Service · Angesichts des geplantes Öl-Embargos stellen sich viele deutsche Verbraucher derzeit die Frage, ob sie ihren Heizöltank jetzt schnell auffüllen oder doch lieber abwarten sollten. Das sagen Experten.

Öl-Embargo: Steigt Preis für Heizöl bald? Das sagen Experten​
Foto: dpa/Christian Charisius

Die Verhandlungen der EU-Staaten über das geplante Öl-Embargo gegen Russland gestalten sich zäh.

Die Verhandlungen um das sechste Sanktionspaket - in dem ein Ölembargo vorgesehen ist - sind derzeit blockiert. Ungarn und andere EU-Länder fordern weitgehende Ausnahmeregeln von dem geplanten Importstopp.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kehrte am Montag ohne handfeste Ergebnisse von Gesprächen mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orban zurück. „Wir haben Fortschritte gemacht, aber es ist noch mehr Arbeit nötig“, sagte sie. In den nächsten Tagen soll eine Videokonferenz mit regionalen Partnern zu Lösungen bei der Ölversorgung stattfinden, ein Datum steht jedoch noch nicht fest.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hatte den Vorstoß der Kommission vehement kritisiert. „Er kommt einer Atombombe gleich, die auf die ungarische Wirtschaft abgeworfen wird“, sagte der rechtsnationale Politiker im staatlichen Rundfunk.

Werden durch das Öl-Embargo die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel steigen?

Aus Rohöl werden in Raffinerien unter anderem Benzin, Heizöl oder Vorprodukte für chemische Erzeugnisse hergestellt.

Dominik Möst, Professor an der Technischen Universität Dresden sagte gegenüber dem MDR, dass das geplante Öl-Embargo in den aktuellen Ölpreisen bereits mit einberechnet sei. Deutliche Preissteigerungen seien wegen der Ankündigung demnach nicht zu erwarten.

Jedoch spielten mehrere Einflussfaktoren bei der Preisentwicklung eine Rolle, unter anderem, wie viel zusätzliche Mengen andere Förderländer zur Verfügung stellen können und wie sich die Erdölnachfrage, vor allem in China, weiter entwickelt. Könne Russland sein Öl anderweitig auf dem Weltmarkt verkaufen und die Nachfrage in China bliebe wegen des Corona-Lockdowns weiterhin gering, könnte der Preis für Heizöl sogar sinken.

Falls Russland sein Öl nicht anderweitig verkaufen könne und die Nachfrage in China steige, fehle es auf dem Weltmarkt und somit seien Preissteigerungen zu erwarten.

Im Gegensatz zu Westdeutschland ist Ostdeutschland besonders von russischen Öllieferungen abhängig, da es den Großteil seines Rohöls über die Druschba-Pipeline aus Russland bezieht. Im Westen kommt das Öl über eine Pipeline aus Südeuropa im bayrischen Ingolstadt an oder wird vom niederländischen Hafen Rotterdam in Schiffen über den Rhein transportiert.

Energieexperte Steffen Bukold schrieb in seiner Studie für Greenpeace, dass die Umstellung auf Ersatzölsorten für ostdeutsche Raffinerien die Preise leicht ansteigen lassen könnte.

Je nachdem, wann das Öl-Embargo in Deutschland umgesetzt werden soll, sieht auch Dominik Möst ein Problem in der fehlenden Infrastruktur und Logistik. In Ostdeutschland müssten demnach mehr Erdöl oder Folgeprodukte wie Diesel nachgekauft werden, was sich in leicht erhöhten Preisen niederschlagen könnte.

In einem internen Bericht des Bundestagsausschusses für Klimaschutz und Energie, der dem MDR vorliegt, hatte das Wirtschaftsministerium geschrieben, dass die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden, um mit einer Anpassungsfrist ohne russische Ölimporte zurechtzukommen. Dies wäre jedoch „mit deutlich höheren Preisen und (ohne substanzielle Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion) voraussichtlich mit regionalen, temporären Mangelsituationen verbunden“. Weiter heißt es in dem Bericht: „In der Folge dürften die inländischen Kraftstoff- und Heizölpreise weiter steigen“. Unklar ist, ob dies tatsächlich eintritt und ob es eventuelle Preisunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland geben wird.

Heizöl: Sollten Verbraucher jetzt auf Vorrat kaufen?

Einen konkreten Rat können Experten aktuell nicht geben, da das Preispendel je nach Entwicklung der Lage in beide Richtungen ausschlagen könnte. „Ich persönlich würde zusehen, dass genug im Tank ist, würde aber nicht volltanken“, sagt Louis-F. Stahl vom Vorstand des Bundes der Energieverbraucher gegenüber ntv. Wer allerdings ein hohes Sicherheitsbedürfnis und dazu etwas Geld auf der hohen Kante habe, werde den Öltank möglicherweise jetzt schon komplett befüllen wollen.

„Einen Rat kann man nur geben, wenn man eine Preisvorhersage macht – und das geht momentan nicht“, sagte Martin Brandis, Experte der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Er warnte jedoch davor, den Tank leerlaufen zu lassen. „Verbraucher sollten immer bedenken, dass es auch Lieferfristen gibt, wenn sie dann auf einmal heizen müssen.“