Abgas-Technik: Neunkircher Werk bleibt ein Problemfall

Abgas-Technik : Neunkircher Werk bleibt ein Problemfall

Der Autozulieferer Eberspächer wächst weltweit, das saarländische Werk schreibt aber weiterhin rote Zahlen.

Weltweit geht es aufwärts bei Eberspächer. Der Esslinger Autozulieferer wächst. Das Abgasanlagen-Werk in Neunkirchen bleibt aber ein Problemfall. „Wir sind immer noch nicht in den schwarzen Zahlen“, sagte gestern der geschäftsführende Gesellschafter Heinrich Baumann in Esslingen. Das war auch nicht anders erwartet worden, aber 2019 sollte das Werk eigentlich die Verlustzone verlassen. Von diesem Ziel hat sich das Unternehmen verabschiedet. Ein wichtiger Grund dafür sei der jüngste Tarifabschluss mit einer Mehrbelastung von fast acht Prozent, sagte Baumanns Geschäftsführer-Kollege Martin Peters. Darüber hinaus leidet das Werk unter der Diesel-Krise. Denn es „hat eine große Abhängigkeit vom Diesel-Pkw“, sagte Baumann.

Der große Stellenabbau aus dem 2013 angestoßenen Sanierungsprogramm ist zwar abgeschlossen und ein weiterer nicht geplant. Aktuell hat Eberspächer in Neunkirchen noch 1400 Beschäftigte – einschließlich etwa 100 Leiharbeiter. Damals waren es noch mehr als 1900. Doch Mitarbeiter, die durch Ruhestand oder Jobwechsel ausscheiden, werden wohl nicht ersetzt. „Aufgrund natürlicher Fluktuation werden wir dort eher schrumpfen als größer werden“, sagte Baumann. Darüber hinaus bekräftigte das Management erneut: „Der Druck, weiter an Flexibilität und Effizienz zu arbeiten, wird weiter erhöht“, sagte Peters. „Wir müssen besser werden.“ Der Schwerpunkt liege darauf, die Arbeitsplätze in Neunkirchen zu sichern und mittelfristig Gewinne zu schreiben.

Das Wachstum findet anderswo statt, in Portugal etwa, wo im September 2017 ein neues Werk für Abgasanlagen eröffnet wurde, oder in China, wo Eberspächer inzwischen zehn  Standorte hat. Weltweit stieg der Umsatz 2017 gegenüber dem Jahr davor um 3,6 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. „Wir erzielen unseren Umsatz inzwischen zu fast 70 Prozent im Ausland“, bilanzierte Peters. Schwerpunkt bleibt die Abgastechnik. Diese Sparte wuchs um vier Prozent und erlöste mehr als 3,9 Milliarden Euro. Und erstmals hat das schwäbische Familienunternehmen mehr Beschäftigte im Ausland als in Deutschland. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl stieg 2017 um 4,7 Prozent auf fast 9500, davon 4942 außerhalb Deutschlands.

Trotz des Umsatzwachstums fiel der Gewinn. 52,5 Millionen Euro blieben unter dem Strich, 2016 waren es 61 Millionen. Hauptgrund dafür war das schwache Russlandgeschäft. Abschreibungen auf die Werke dort schlugen nach Angaben von Geschäftsführer Peters mit 18 Millionen Euro negativ zu Buche. Für das laufende Jahr rechnet Peters mit einem Umsatzplus ähnlich dem des vergangenen Jahres. Der Gewinn soll kräftig steigen. Peters ist zuversichtlich, dass dies gelingt und nicht wieder wie 2017 hohe Abschreibungen einen Strich durch die Rechnung machen.

Um langfristig Erfolg zu haben, will das Unternehmen weiterhin viel in Forschung und Entwicklung investieren. 156,5 Millionen Euro waren es 2017 – über sechs Prozent mehr als 2016. Dabei fährt Eberspächer eine Doppelstrategie. Weiterhin fließen viele Millionen in die Verbesserung der klassischen Abgastechnologie. Trotz der Debatte um Elektromobilität ist „die Abgastechnik nicht am Ende“, sagt Peters. Im Gegenteil: Denn die Zahl der verkauften Autos mit Verbrennungsmotor steige weltweit, zugleich nehme die Komplexität der Anlagen aufgrund strengerer Luftverschmutzungs-Gesetze zu. Daneben fließt Geld in die Entwicklung von Produkten für die Elektromobilität und das autonome Fahren. Wie schnell sich das auszahlt, mag Baumann nicht prognostizieren. „E-Mobilität wird irgendwann eine Bedeutung haben.“ Aber, das ist herauszuhören, wohl später, als viele vermuten.

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