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Neue Turbulenzen um Flughafen Hahn

Neue Turbulenzen um Flughafen Hahn

Hessen lässt den Notartermin für den Verkauf des Airports Hahn platzen. Dagegen stimmt Rheinland-Pfalz dem Deal zu.

(dpa) Der Verkauf der hessischen Anteile am Hunsrück-Flughafen Hahn an die pfälzische ADC GmbH ist vorerst geplatzt. Das Land Hessen sagte den gestern geplanten Notartermin überraschend ab, "da sich kurzfristig offene Fragen hinsichtlich der Struktur auf der Käuferseite ergeben haben". Details nannte ein Sprecher des hessischen Finanzministeriums nicht. "Die Verhandlungen dauern an", sagte er. Eine Schlüsselfigur der Firma ADC ist der Mitgesellschafter Siegfried Englert. Er war früher Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium. Die deutsch-chinesische ADC hat nach früheren Angaben Englerts in mehreren Ländern Hotels gekauft und ist auch im Export, im Weinhandel und in der Immobilienentwicklung aktiv.

Das rheinland-pfälzische Kabinett stimmte dagegen dem Verkauf der Mehrheitsanteile von 82,5 Prozent an die chinesische HNA Airport Group zu. Am Abend war unklar, ob der Rückzieher Hessens Auswirkungen auf den Verkauf der rheinland-pfälzischen Anteile hat.

Das schwarz-grün regierte Hessen will seine Anteile von 17,5 Prozent am hoch defizitären Flughafen Hahn an die kleine ADC GmbH verkaufen. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) erklärte zu den offenen Fragen: "Das kam für uns überraschend und wird jetzt mit der notwendigen Sorgfalt geklärt. Wir haben die (rheinland-pfälzische) Landesregierung in Mainz vorab über unseren Schritt informiert." Im Sommer 2016 waren die Verkaufspläne von Rheinland-Pfalz an die weithin unbekannte chinesische Firma SYT wegen mutmaßlichen Betrugs spektakulär geplatzt.

Hessen hatte noch gestern vor dem Notartermin mit der ADC GmbH verhandelt, die für den Flughafen Hahn ein Bündnis mit der HNA geschmiedet hat. Wann es zu einem neuen Termin komme, sei offen, sagte der Sprecher des Finanzministeriums in Wiesbaden. Der Flughafen Hahn habe für Hessen keine strategische Bedeutung mehr. Hessen habe für den Flughafen in den vergangenen Jahren keine Verluste ausgleichen müssen. Diese belaufen sich jährlich auf um die 16 bis 17 Millionen Euro. Dafür kommt allein Rheinland-Pfalz auf. "Hessens zentrales Interesse ist es, einen bestmöglichen Verkaufspreis zu erzielen", teilte das Finanzministerium mit.

Die Ampel-Regierung in Rheinland-Pfalz beschloss den Verkauf und die Übertragung der Anteile. HNA hatte zuvor nach Angaben der Regierung in Mainz den Kaufpreis überwiesen. Das gilt als Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss. Das Geld ging auf ein Treuhandkonto. Im Gespräch ist ein Preis von rund 15 Millionen Euro. Für den hessischen Anteil sollte der Preis im niedrigen siebenstelligen Bereich liegen.

Zum Thema:

Wer der chinesische Investor HNA ist HNA in Haikou auf der südchinesischen Insel Hainan Dao ist ein großer Mischkonzern, der im Tourismus, im Immobiliengeschäft und in der Luftfahrt unterwegs ist. HNA gehören Airlines wie Hainan und Yangtze River Express. Nach eigenen Angaben verfügte HNA Ende 2016 über eine Flotte von mehr als 1250 Maschinen und zahlreiche Flughäfen. Kürzlich stieg HNA auch als Großaktionär mit gut drei Prozent bei der Deutschen Bank ein.