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Nadeln, Fäden und ganz viel Stoff

Nadeln, Fäden und ganz viel Stoff

Gründerin Sabrina Schmeer hat sich im Nauwieser Viertel in Saarbrücken einen Traum erfüllt.

Sabrina Schmeer breitet eine Rolle Stoff auf dem Tisch aus. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Punkte kleine Figuren sind: "Das ist ein Pac-Man-Muster", sagt Schmeer. In den Regalen zeigen die Rollen viele solcher Muster. Hier Blümchen, dort ein buntes Karo. Einige Stoffe sind dicker, andere ganz leicht. "Und vor allem sind die Stoffe in Öko-Qualität", sagt die Inhaberin des Nähapartments.

Der Laden ist nicht groß - wie ein gemütliches Wohnzimmer wirkt der Verkaufsraum, in einem abgetrennten Teil steht ein Tisch mit Nähmaschinen. Stoffe, Garne, Zubehör und auch Nähkurse bietet die 30-Jährige seit über einem Jahr an. Und ungewöhnliche Stoffe, denn die gebe es nicht in den großen Kaufhäusern, erzählt Schmeer. Die Lieferanten hätten sich auf kleine Läden spezialisiert.

Eine Mischung aus Broterwerb und Leidenschaft - mit Schwerpunkt auf Leidenschaft, so wirkt das Nähapartment. Und was die Inhaberin erzählt, passt dazu. Denn eigentlich war ihr Weg anders geplant. Ursprünglich wollte die Saarländerin Biologin werden, hatte bereits ihre Doktor-Arbeit begonnen. Doch dann kam der Sinneswandel: "Ich war mit der Doktorarbeit einfach nicht mehr glücklich", sagt sie heute.

Also hat sie sich auf eine Leidenschaft besonnen, die ihr schon im Studium immer wieder als Ausgleich diente: Nähen.

Den Anfang machte ein Online-Shop, in dem sie Selbstgenähtes zum Verkauf anbot. "Und der Shop lief auch recht gut an." Bald kamen Stoffe dazu. Und weil, wie sie sagt, das Angebot an Stoffen im Saarland begrenzt ist - "interessante und witzige Stoffmuster findet man vor allem online oder in den großen Städten" - war die Gründung des eigenen Ladens die logische Folge.

Die Eröffnung im Nauwieser Viertel ist auch einem Zufall geschuldet. Denn schräg gegenüber ihrer Wohnung sah sie eines morgens, dass ein Ladenlokal frei wird. "Da hatte ich echtes Glück." Der Standort ist ideal - denn gerade solche Läden mit ungewöhnlichen Ideen passen ins Viertel. Auch die Kundschaft sei schnell gekommen, sagt Schmeer. Fast eineinhalb Jahre nach dem Start könne sie schon von ihrem Geschäft leben.

Bei der Gründung war die Jung-Unternehmerin weitgehend auf sich selbst gestellt. Zwar habe sie auch bei der Gründungsberatung der IHK um Rat gefragt, dort habe man ihr aber nur kurz angebunden beschieden, alles was sie brauche, könne sie im Internet finden. "Vielleicht habe ich da aber auch einen schlechten Tag erwischt", sagt sie rückblickend.

Acht-Stunden-Tage gibt für sie nicht, sagt die Gründerin. Vor der Laden-Öffnung bearbeitet sie Online-Bestellungen, beantwortet Mails, geht zur Bank und bringt Pakete zur Post. Außerdem bietet sie rund dreimal pro Woche Nähkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. Das macht Arbeit, bringt aber Neukunden, und vor allem "macht es Spaß". Immerhin will sie im kommenden Sommer mal eine Woche Urlaub machen. "Den hatte ich bisher auch nicht mehr", sagt sie. Dass sich solch ein Leben auf Dauer nicht durchhalten lässt, weiß sie allerdings auch: "Perspektivisch ist schon geplant, dass noch ein oder zwei Mitarbeiter dazukommen."

Hat sie selber eigentlich noch Zeit, selber ihre Leidenschaft auszuleben? "Zwischendrin, wenn mal weniger los ist, nähe ich auch selber noch", sagt sie. Und erledigt Aufträge für Kunden.

Die Gründung sei die absolut richtige Entscheidung gewesen, sagt sie rückblickend und auch mit Blick auf in die Zukunft: "Wenn es auch in zehn Jahren so bleibt, wie es jetzt läuft, bin ich glücklich."