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Nach einem guten 2018 erwartet die BA an der Saar auch 2019 einen robusten Arbeitsmarkt.

Gutes Jahr 2018 : Saar-Arbeitsmarkt bleibt robust

Trotz eingetrübter Konjunkturdaten erwartet die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit weiter rückläufige Arbeitslosenzahlen.

Die Konjunktur im Saarland bröckelt, die IHK spricht nur noch von einem Wachstum von 0,2 Prozent für 2018, doch der Arbeitsmarkt sei immer noch „wunderbar“, sagte Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA). „Die Bedingungen am Arbeitsmarkt sind immer noch sehr gut“, sagt Schulz. Und auch für 2019 erwartet sie im schlechtesten Fall Stagnation, realistisch aber einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen. „Stabil bis fünf Prozent Rückgang halte ich für realistisch“, sagte sie gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2018.

Und auch das ausgehende Jahr kann sich, was die Entwicklung am Arbeitsmarkt angeht, durchaus sehen lassen. Mit durchschnittlich 32 200 arbeitslosen Personen sei die Zahl noch einmal 7,1 Prozent niedriger als noch 2017. Interessant sei dabei, dass die Arbeitslosigkeit über alle Gruppen gesunken sei. Auch bei den Älteren sei die Arbeitslosigkeit um 4,4 Prozent rückläufig. Das zeige, dass ältere Beschäftigte seltener arbeitslos werden. Probleme gebe es aber weiterhin bei der Rückkehr in den Beruf.

Und auch bei der Gruppe der Langzeitarbeitslosen hat es Schulz zufolge eine sehr erfreuliche Entwicklung gegeben: Hier gab es 2018 noch 11 100 Menschen ohne Arbeit, 1200 weniger als ein Jahr zuvor. Und diese Zahl werde perspektivisch auch 2019 sinken, wenn das Teilhabechancengesetz am 1. Januar in Kraft tritt. „Wir gehen davon aus, dass wir über dieses Instrument noch einmal 800 bis 1000 Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren können, sagte Schulz. Bei Langzeitarbeitslosen setzt die Bundesagentur auf drei Vorgehensweisen: Einmal in der Prävention unter anderem durch die Jugendberufsagentur und die Lebenslange Berufsberatung, die ab 2019 greifen soll. „Das soll sichern, dass uns keiner auf dem Weg verloren geht“, sagt die Saar-BA-Chefin. Außerdem durch Integrationsmaßnahmen in den ersten Arbeitsmarkt. Und letztlich über Arbeitsmarktprogramme wie das Teilhabechancengesetz, das eine soziale Teilhabe ermöglich soll. „Das hat dann nicht nur einen direkten sozialen, sondern auch präventiven Effekt, wenn Kinder sehen, dass ihre Eltern arbeiten“, sagte Schulz.

Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gab es auch weiter Wachstum. Ende März waren im Saarland 388 172 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 103 870 davon in Teilzeit – ein Plus von 2,7 Prozent. Auffällig sei, dass die Zahl der Männer in Teilzeit mit sechs Prozent bei 19 000 Stellen deutlich stärker gestiegen sei als die der Frauen.

Anders als auf Bundesebene ist die Zahl der Mini-Jobs im Saarland rückläufig. Nach 95 419 im Vorjahr waren es in diesem Jahr nur noch 94 743. Dabei steige einerseits die Zahl der Minijobs bei den über 65-Jährigen sowie bei den Menschen kurz vor dem Rentenalter. Eine Erklärung könne sein, dass Rentner über den Mini-Job noch am Berufsleben teilhaben wollen und sich im Vorfeld der Rente schon darauf vorbereiten. Eine Bewertung, dass Mini-Jobs dazu dienen, ein zu geringes Gehalt aufzustocken, sei nur aufgrund statistischer Zahlen schwierig, sagte Schulz. Diese Fälle gebe es sicher ebenso wie die Fälle, in denen Menschen sich den abgabenfreien Zusatzverdienst sichern wollen.

Sehr positiv hat sich laut Schulz auch die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt entwickelt. Von Januar bis November konnten demnach fast 3500 Geflüchtete eine Arbeit aufnehmen, 2500 davon im ersten Arbeitsmarkt. 320 haben eine Ausbildung begonnen. Seit 2016 hätten damit 4300 Flüchtlinge eine Arbeitsstelle gefunden und 630 eine Ausbildung begonnen. Bei den noch immer 3400 Flüchtlingen ohne Arbeit gehe es vor allem darum, über vertiefende Sprachkurse eine weitere Annäherung an den Arbeitsmarkt zu erreichen.

Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der saarländischen Industrie- und Handelskammer hält trotz einer aktuell rückläufigen Konjunktur den Optimismus der BA-Chefin für gerechtfertigt: „Wir hoffen dass die negativen Effekte im kommenden Jahr ausgestanden sind“, sagte er. Aktuell ist der Export mit einem Minus von 2,2 Prozent im Oktober stark rückläufig. Und im Fahrzeugbau gibt es angesichts der Dieselkrise Sondereffekte, die auch die saarländische Autoindustrie treffen.

Klingen wie auch Schulz gehen aber davon aus, dass der Arbeitsmarkt weiter aufnahmebereit ist. Zwar gebe es aktuell Meldungen von zahlreichen Stellenstreichungen, unter anderem bei Ford. Doch in anderen Bereichen wie in der Wissenschaft oder bei dem geplanten Nobilia-Werk werde aufgebaut. „Außerdem hat das Saarland mit Umbrüchen im Industriebereich bereits reichlich Erfahrung“, sagte Schulz.