München-Verbindung kommt nicht

München-Verbindung kommt nicht

Der angestrebte Passagierrekord von 500 000 Reisenden wird am Flughafen Saarbrücken auch 2016 nicht erreicht. Bis Jahresende rechnet Flughafenchef Thomas Schuck mit insgesamt 470 000 Passagieren.

Der Flughafen Saarbrücken-Ensheim wird auf absehbare Zeit keine Linienflugverbindung nach München anbieten. Flughafenchef Thomas Schuck sagte, dafür müsse man eine Airline finden, die nicht 150, sondern weniger als 100 Sitzplätze anbietet. Fluggäste müssten zudem bei einer solchen Airline auch den Lufthansa-Code nutzen können, der ihnen günstige Anschlussverbindungen ab München garantiert. Derzeit lieferten sich die Lufthansa und die Luxair am Flughafen Findel im Großherzogtum Luxemburg einen erbitterten Preiskampf. Der führe zu Hin- und Rückflügen nach München schon für 99 Euro. Um eine München-Verbindung ab Saarbrücken wirtschaftlich betreiben zu können, müsse man "mindestens 20 Personen finden, die täglich bereit sind, 400 Euro für den Hin- und Rückflug zu bezahlen. So viele Passagiere im oberen Preissegment findet man bei keiner Direktverbindung", sagte Schuck.

Bis August 2016 sind rund 200 000 Passagiere ab Saarbrücken nach Berlin, Hamburg und Palma de Mallorca geflogen, 10 000 weniger als im vergangenen Jahr. Insgesamt rechnet der Flughafenchef für dieses Jahr mit 470 000 Passagieren. Die angestrebten 500 000 würden erneut verfehlt.

Um mehr Reisende zu locken, startet der Flughafen eine Werbekampagne in Frankreich unter dem Motto "Fliegen ab Saarbrücken leicht gemacht." Gelistet sei man schon in vier französischen Reisekatalogen. Vor allem wolle man den Franzosen Pauschalreisen schmackhaft machen. Dies sei ein typisch deutsches Angebot. Man wolle den 20-prozentigen Anteil französischer Fluggäste weiter erhöhen. Zudem will der Flughafen mehr im Großraum Kaiserslautern werben. Als Einzugsgebiet sieht der Flughafenchef alle Städte und Orte im Umkreis von 60 Minuten Fahrzeit. So komme man auf 2,3 Millionen mögliche Kunden.

Die Airline Sun Express, die auch von vielen Türken genutzt wird, stockt ihr Angebot im Winter ab Saarbrücken von einem auf zwei Flüge wöchentlich nach Antalya auf. Das Interesse an Türkei-Flügen habe nach den Terroranschlägen jedoch stark abgenommen. Flogen im August 2015 noch rund 12 000 Urlauber ab Saarbrücken nach Antalya, so hat sich diese Zahl im August 2016 auf 6000 halbiert. Gewinner seien die Kanarischen Inseln mit einem Zuwachs von 30 Prozent.

Von der immer schwierigeren Kalkulation seien auch die Reisebüros und Fluggesellschaften massiv betroffen, die ihre jährlichen Hotelkapazitäten gegen Vorkasse normalerweise schon im Januar buchen. Um ein neues Ziel ab Saarbrücken einzuführen, brauche man in einer Saison mindestens 5000 Reisende , um wirtschaftlich zu agieren.

Bis zum Jahr 2020 will der Flughafen Saarbrücken auch die Vorgaben der EU-Kommission erfüllt haben und ohne Subventionen auskommen. "Wir liegen derzeit im Plan", sagte Flughafenchef Schuck.

Meinung:

Noch mehr Fluggäste möglich

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Die Terroranschläge haben auch die Kalkulation des Flughafens Saarbrücken durcheinandergebracht. Ziele in der Türkei, eine Stärke des Saar-Flughafens, stoßen derzeit kaum auf Interesse. Am Ende wird der angestrebte Rekord von 500 000 Passagieren auch 2016 nicht erreicht. Doch es gibt noch zusätzliches Potenzial. So wurde in den vergangenen Jahren der französische Markt noch zu stiefmütterlich behandelt. Das soll sich ändern mit einer Werbekampagne und mehr zweisprachigem Personal am Flughafen. 20 Prozent Franzosen als Reisende ab Saarbrücken sind noch deutlich zu wenig. Auch in der Pfalz können Interessenten gewonnen werden. Im Vergleich zu Frankfurt kann Ensheim mit günstigen Parkgebühren und schneller Abfertigung punkten.

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