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Mehr Geld für saarländische Landwirte

Saar-Bauern : Mehr Geld für saarländische Landwirte

Die Bauern bekommen zusätzliche Ausgleichszahlungen wegen häufig schlechterer Böden als in anderen Regionen Deutschlands.

Gute Nachrichten für zahlreiche Landwirte in der Region. Dem saarländischen Umwelt- und Verbraucherministerium sowie dem Bauernverband ist es in gemeinsamen Bemühungen gegenüber der Europäischen Union in Brüssel und der Bundesregierung gelungen, zusätzliche Fördermittel für die saarländischen Landwirte zu mobilisieren. Umweltminister Reinhold Jost (SPD) begründete dies gestern mit dem Zugeständnis, 90 Prozent der von den hiesigen Bauern bewirtschafteten Flächen als benachteiligt gegenüber anderen Regionen anzuerkennen. Hierfür seien eine schlechtere Qualität der Böden und ein ungünstigeres Klima  ausschlaggebend gewesen. Dadurch gingen der saarländische Landwirtschaft im Vergleich zu anderen Regionen heute schon im Schnitt jährlich rund 22 Millionen Euro an Wertschöpfung verloren. Von den insgesamt rund 90 000 Hektar an landwirtschaftlicher Nutzung im Saarland gelten nun rund 82 000 als benachteiligte Gebiete.

Als Folge dieser Benachteiligung können nun Ausgleichszahlungen an die Saar-Landwirte in einer Größenordnung von insgesamt fünf Millionen Euro bis zum Jahr 2020 gewährt werden. Von diesen Ausgleichszahlungen sollen auch Bio-Landwirte profitieren können. Derzeit würden schon 17 Prozent der saarländischen Landwirtschaft  in Form von ökologischem Anbau betrieben, 83 Prozent noch konventionell. Das Land beabsichtige, bis zum Jahr 2025 das ehrgeizige Ziel eines Anteils von 25 Prozent an biologischem Anbau zu erreichen.

Zudem stehen nach Auskunft von Jost im laufenden Jahr noch rund 940 000 Euro zusätzlich zur Unterstützung der saarländischen Bauern zur Verfügung, die ursprünglich für andere Projekte geplant waren, aber bisher nicht abgerufen worden sind. Dazu gehören zum Beispiel  Investitionen in Ställe und weitere betriebswirtschaftliche Maßnahmen. Es könnten nach gegenwärtigem Stand nochmals weitere 1,8 Millionen Euro hinzukommen. Eine Million Euro davon habe Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dem Saarland bereits in Aussicht gestellt, 800 000 Euro sollen aus dem Landeshaushalt kommen. Dies sei bereits vor den Landtagswahlen so verkündet worden, erinnerte Jost. „Ich gehe davon aus, dass die Landesregierung ihren Anteil auch übernimmt“, so der Minister. Ein klärendes Gespräch mit dem Bundeslandwirtschaftsminister zum angekündigten Beitrag des Bundes  sei bereits für die kommende Woche terminiert.

Jost hält es für dringend notwendig, den Saar-Landwirten gerade jetzt zu helfen. Denn die meisten Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand. Zwar habe sich die Situation am Milchmarkt mit leicht gestiegenen Preisen etwas beruhigt, doch zahlreiche Bauern müssten ihre Höfe modernisieren, um überhaupt noch mit den Marktverhältnissen mithalten zu können. Auch würden immer mehr betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Dokumentationen erwartet. Hier verweist Jost auf bereits existierende umfangreiche Beratungs- und Hilfsangebote des Ministeriums. Zudem suche das Ministerium derzeit nach weiteren Möglichkeiten, die Vermarktung von regionalen Produkten der Landwirte zu stärken.

 Umweltminister Reinhold Jost
Umweltminister Reinhold Jost Foto: BeckerBredel

Jost appellierte hier erneut auch an die Verantwortung saarländischer Verbraucher. Sie hätten es durch ihr Einkaufsverhalten mit in der Hand, die Zukunftschancen der heimischen Bauern und ihrer Betriebe zu verbessern. Dies könne aber nur gelingen, wenn Verbraucher auch dazu bereit sind, für heimische Qualität und Frische der Produkte etwas mehr zu bezahlen. Für den Minister ist es nur schwer nachzuvollziehen, wenn Verbraucher behaupteten, aus Kostengründen nur Billigprodukte von Discountern erwerben zu können. Einkäufe machten für Lebensmittel mittlerweile nur noch unter zehn Prozent der Gesamtausgaben eines Privathaushaltes aus. Gleichzeitig werde jedoch viel Geld für teure Handyverträge und Anschaffungen wie Flatscreen-Fernseher ausgeben. Dieses Verhalten der Konsumenten passe nicht so recht zusammen.