Mega-Medienfusion in den USA

Mega-Medienfusion in den USA

Der US-Telekomanbieter AT&T wagt sich weit in das Geschäft mit Fernehen und Filmen vor. Für über 100 Milliarden US-Dollar kauft er Time Warner, den siebtgrößten Medienkonzern der Welt. Wettbewerbshüter müssen aber noch zustimmen.

Seit Jahren klagen Telekom-Konzerne, die Internet-Firmen verdienten das Geld in ihren Netzen, während ihnen selbst die Rolle einer "dummen Pipeline" drohe. Jetzt ist der amerikanische Telekommunikations-Riese AT&T bereit, sich die TV-Sender und Filmstudios von Time Warner mehr als 100 Milliarden US-Dollar (91,8 Milliarden Euro) kosten zu lassen. Time Warner ist der siebtgrößte Medienkonzern der Welt. Dabei geht es nicht nur darum, die Zukunft von AT&T in der neuen Online-Welt abzusichern. Das Ziel ist auch, neu zu ordnen, wer und an welcher Stelle das Geld mit Videoinhalten verdient, besonders auf dem US-Markt.

"Die Zukunft des Mobil-Geschäfts ist Video, und die Zukunft von Video ist mobil", fasste AT&T-Chef Randall Stephenson den Hauptgrund des Übernahmeplans zusammen. Die allgegenwärtigen Mobil-Geräte wie Smartphones haben für viele Nutzer erst den PC ersetzt. Jetzt wird über sie auch immer mehr Video geschaut - allein die Zahlen von Facebook sind dafür ein klarer Beleg.

AT&T, nicht zufrieden mit der Rolle eines reinen Telekom-Anbieters, setzte bereits 2015 mit dem Kauf des Satelliten-TV-Anbieters DirecTV für ebenfalls stolze 50 Milliarden Dollar (45,9 Milliarden Euro) auf das Fernsehgeschäft. Im Ergebnis ist AT&T jetzt der größte Anbieter von TV-Anschlüssen in den USA und die Nummer zwei im Geschäft mit Internet-Zugängen fürs Zuhause. Und der größte Mobilfunk-Anbieter des Landes nach Verizon Wireless .

Begehrte Inhalte

Jetzt will sich AT&T-Chef Stephenson mit Time Warners Sendern wie dem Bezahlkanal HBO (bekannt für Serien wie "Game Of Thrones", "Sopranos", "Sex And The City", um nur einige Hit-Titel zu nennen) sowie dem weltweit zu empfangenden Nachrichtensender CNN auch die passenden Inhalte für die Leitungen ins Haus holen. Der Kabel-TV-Anbieter Comcast ging diesen Weg bereits 2011 mit der Übernahme von NBC Universal mit den NBC-TV-Sendern und dem Hollywood-Studio Universal.

In Deutschland wollen die Telekom-Konzerne ihren Kunden zwar auch TV-Zugänge aus einer Hand bieten - Beispiele sind die Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone oder das Entertain-Angebot der Deutschen Telekom. Um exklusive Fernsehinhalte geht es in dieser Dimension aber nicht.

Der TV-Markt der USA tickt anders und ist im Wandel. Bisher kontrollierten Anbieter von Kabel- und Satelliten-Anschlüssen den Zugang zu den großen TV-Kanälen. Wer nicht 50 bis 100 Dollar im Monat - je nach Sender-Paket - zahlt, bekommt wenig zu sehen. Immer mehr Leute kappen ihre Kabel-Abos und weichen auf das Internet aus. Die Sender stellen sich darauf ein. So gibt es bei HBO einen Zugang zum Programm des Abo-Kanals jenseits vom Kabel-Abo für Nutzer von Apples iPhones, iPads und der TV-Box Apple TV für 15 Dollar (13,70 Euro) im Monat. NBC, Fox und Disneys ABC betreiben das Portal Hulu, auf dem in den USA Serien in Internet angesehen werden können - samt Abo-Version mit mehr Programm. Wettbewerbshüter prüfen nun die Folgen der Übernahme.

Meinung:

Wandel im Mediengeschäft

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Im internationalen Mediengeschäft vollzieht sich ein Wandel mit riesigem Tempo. Der hat drei Auswirkungen und erreicht auch Deutschland. Telekom-Anbieter wie das US-Unternehmen AT&T suchen Einfluss auf Sender, Programme und Produktionen. Damit wollen sie selbst zum Exklusiv-Anbieter von Filmen und Serien werden, die sie für ihre Programme produzieren lassen. Das kann der Filmwirtschaft mehr Aufträge bringen und würde die Auswahl für Konsumenten erhöhen. Die sehen als zweiter großer Trend ihre Lieblingsprogramme immer mehr im Internet und in Mediatheken. Der "normale Fernsehkonsum" zu festen Zeiten wird verdrängt. Den dritten Trend setzen Anbieter von Bezahlfernsehen wie Sky um. Auch sie starten die Produktion eigener Serien. Das wird mit der wachsenden Zahl an Abonnenten von den Kosten her kalkulierbarer. Und bringt Serienfans mehr Vielfalt.

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