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Lucie Meyfarths Kampf für die Rechte von Frauen

Lucie Meyfarths Kampf für die Rechte von Frauen

Gleichberechtigung von Frauen fällt nicht vom Himmel, sie muss erstritten werden. Eine Kämpferin für Frauenrechte war Lucie Meyfarth. Nach ihr wurde nun ein Raum im Rechtsschutzsaal Bildstock benannt.

Ihr Auftritt in der Revue "Brot und Rosen und morgen noch mehr", die 2011 zum 100. Internationalen Frauentag im Saarbrücker Schloss aufgeführt wurde, steht für das Engagement der Gewerkschafterin Lucie Meyfarth. Als 80-Jährige stand sie auf der Bühne in der Rolle der Frauenrechtlerin Clara Zetkin . Ebenso wie die berühmte Politikerin der Weimarer Republik verkörperte die Bildstockerin den Einsatz für Frauenrechte . "Sie hat anderen Frauen in der Gewerkschaft den Weg an die Spitze geebnet", sagte am Dienstag Bettina Altesleben, Geschäftsführerin des DGB Saar, als im Rechtsschutzsaal in Bildstock ein Raum nach der ersten hauptamtlichen DGB-Funktionärin im Saarland benannt wurde.

Meyfarth war 1985 - nach 21 Jahren im Dienste des DGB - zur Kreisvorsitzenden in Neunkirchen gewählt worden, ein Amt, das sie acht Jahre lang innehatte. "Und hat sich dort immer auch für die Rechte arbeitender Frauen eingesetzt." Dass es darum lange Zeit nicht zum Besten stand, beleuchtete Arbeitskammer-Historiker Frank Hirsch anlässlich der Ehrung der Gewerkschafterin.

So hatten gerade die Frauen im Saarland in der Nachkriegszeit einen schwereren Stand als im "Reich". Während dort das Grundgesetz vorschrieb, dass Männer und Frauen "gleichberechtigt" sind, hieß es im Saarland deutlich schwammiger, dass Männer und Frauen "die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten" haben. Überhaupt waren Frauen nach dem Krieg noch deutlich benachteiligt, obwohl sie die Last für den Wiederaufbau des Landes übernahmen. Nicht nur, dass ihr Ehemann ihr Arbeitsverhältnis bis Ende der 50er Jahre fristlos kündigen konnte, auch von Lohngleichheit war lange keine Rede. Und daheim im Haushalt waren Männer traditionell nicht bereit, sich zu engagieren. Es waren Frauen wie Meyfarth, die sich für eine Veränderung dieser Verhältnisse eingesetzt haben. Sie organisierten sich, wirkten am öffentlichen Leben mit, und das in einer Zeit, in der Gewerkschaftsarbeit in der weiblichen Bevölkerung nicht als "fraulich" galt.

Anlässlich der Ehrung der früheren DGB-Funktionärin stellte die Arbeitskammer auch die Ausstellung "Vom Wert der Mitbestimmung " vor, die vom 8. bis 30. September nach Anmeldung im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel gezeigt wird. Sie schlägt einen breiten Bogen von der Montan-Mitbestimmung, die schon Anfang der 50er Jahre in der Schlüsselindustrie eine paritätische Mitbestimmung garantierte, bis hin zum Mitbestimmungsgesetz von 1976, das eine paritätische Mitbestimmung auch in großen Aktiengesellschaften festschreibt.

Als Säule der Demokratie bezeichnete Rudolf Tschirbs die Mitbestimmung . Tschirbs, der die Ausstellung verantwortlich mitgestaltet hat, betonte, dass die ersten Wahlen in den Besatzungszonen Betriebsratswahlen waren. Die Ausstellung thematisiert aber auch die modernen Herausforderungen der Mitbestimmung . Krisen und globaler Wettbewerb hätten die Errungenschaften der Arbeitnehmer wieder ausgehöhlt, viele Betriebe würden die Gründungen von Betriebsräten verhindern, Aufsichtsräte würden trotz gesetzlicher Verpflichtung nicht eingerichtet - auch wird der Status der Europäischen Aktiengesellschaft genutzt, um Mitbestimmungsstandards zu unterlaufen. Es braucht offenbar weiter kämpferische Naturen wie die geehrte Lucie Meyfarth, um Missständen zu begegnen.