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Lebensmittel im Saarland immer teurer: Inflation in Deutschland sinkt überraschend

Inflation in Deutschland sinkt überraschend : Lebensmittelpreise im Saarland legen weiter zu

Leicht stabilisiert hat sich die Teuerungsrate im Saarland – insgesamt. Denn es gibt Unterschiede: Während sich die Kurve bei Energiepreisen abflachte, legten die Kosten für Lebensmittel erheblich zu. Und bundesweit? Im Juni sank überraschend die Inflationsrate – nach Höchstwerten im Mai. Die Zahlen im Detail.

Die Verbrauchererpreise ziehen im Saarland nach wie vor an – wenn auch nicht in dem Maße wie noch vor einem Monat. Allerdings müssen Kunden beim Einkauf im Supermarkt bei Nahrung erheblichl mehr hinblättern. Da gibt es einige Preistreiber. Das berichtet das Statistische Amt Saarland am Mittwoch, 29. Juni.

Demnach errechneten die Experten für Juni eine gesamte Teuerungsrate von 7,1 Prozent. Im Mai hatte sie knapp darüber bei 7,2 Prozent gelegen. Der aktuelle Wert befindet sich damit auf April-Niveau.

Grund dafür: Die zuletzt explosionsartig gestiegenen Energiepreise bei Strom, Gas und Öl stabilisierten sich nach Behördenangaben. So verzeichneten die Statistiker weder bei Elektrizität noch beim Gas neuerliche Steigerungen. Lediglich beim Heizöl mussten Verbraucher abermals ein Plus und diesmal von 9,2 Prozent binnen eines Monats hinnehmen.

Preistreiber hingegen sollen Lebensmittel gewesen sein. 11,5 Prozent betrug hier die Inflation. Im Mai hatte sie 9,5 Prozent bei Nahrung im Vergleich zum Vorjahr betragen.

Besonders drastische Sprünge gab es bei Sonnenblumenöl. 108,4 Prozent machte der Unterschied zur gleichen Zeit 2021 aus. Butter wurde binnen zwölf Monate 55 Prozent teurer. Für Weizenmehl sind es 53,3 Prozent, Nudeln 33,2 Prozent, Rind- und Kalbfleisch 30,8 Prozent, Geflügel 25,8 Prozent sowie bei Eiern 26 Prozent mehr.

Der Preisauftrieb in Deutschland verlangsamte sich nach der Einführung des Tankrabatts und des Neun-Euro-Tickets etwas. Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im Juni um 7,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie die Wiesbadener Behörde am Mittwoch mitteilte. Im Mai war die Jahresteuerungsrate getrieben vor allem von kräftigen Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel auf 7,9 Prozent gestiegen. Sie erreichte damit den höchsten Stand seit fast 50 Jahren.

Besonders deutlich verteuerten sich auch im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat den vorläufigen Daten zufolge Energie (plus 38,0 Prozent) und Nahrungsmittel (plus 12,7 Prozent). Im Vergleich zum Vormonat Mai waren Fahrkarten für den Nahverkehr sowie teilweise auch Kraftstoffe nach Angaben der Statistikämter einzelner Bundesländer aber günstiger. Wie sich das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt genau ausgewirkt haben, lässt sich nach Angaben des Bundesamtes mit den vorläufigen Ergebnissen noch nicht darstellen.

Von Mai auf Juni dieses Jahres stiegen die Verbraucherpreise den vorläufigen Zahlen zufolge insgesamt um 0,1 Prozent.

Die Bundesregierung versucht, die Menschen unter anderem durch einen befristeten Tankrabatt und ein 9-Euro-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu entlasten. Am 4. Juli will Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in einer sogenannten Konzertierten Aktion zusammen mit Spitzenvertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber darüber beraten, wie die Preisentwicklung in den Griff zu bekommen ist.

Bei der von Anfang Juni bis Ende August geltende Steuerentlastung auf Kraftstoffe geht es inklusive Mehrwertsteuer um 35,2 Cent bei Superbenzin und 16,7 Cent bei Diesel. Nicht alles davon kam bislang aber bei den Verbrauchern an. Nach Ansicht des ADAC sind beide Kraftstoffe trotz jüngster Rückgänge vergleichsweise zu teuer.

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern gab es ähnlich hohe Werte im Winter 1973/1974. Damals waren die Mineralölpreise infolge der ersten Ölkrise stark gestiegen. Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil diese sich für einen Euro dann weniger leisten können.

Viele Menschen in Deutschland - ob berufstätig oder arbeitssuchend - wollen angesichts der hohen Inflation ihre Lebensmitteleinkäufe und die Ausgaben für Bekleidung und Schuhe einschränken. Das geht aus einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung hervor, für die Ende April und Anfang Mai gut 6200 Personen befragt wurden. Über alle Einkommensgruppen hinweg wollen demnach 39 Prozent der Befragten künftig weniger Nahrungs- und Genussmittel kaufen. Bei Bekleidung und Schuhen will sich mehr als jeder Zweite (53 Prozent) einschränken.