Langzeitarbeitslose sollen wieder mit anpacken dürfen

Neues Gesetz soll Chancen eröffnen : Langzeitarbeitslose sollen wieder mit anpacken dürfen

Das neue Teilhabechancengesetz soll ihre Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Die Arbeitsagentur rührt kräftig die Werbetrommel.

Knapp vier Wochen ist es jetzt in Kraft, das neue Teilhabechancengesetz. Mit ihm können Frauen und Männer, die sechs Jahre oder länger arbeitslos sind, im besten Fall wieder in das reguläre Arbeitsleben integriert werden. Firmen, Komunen, aber auch soziale Einrichtungen, die solche Menschen beschäftigen wollen, haben jetzt die Möglichkeit, sich bei den Jobcentern zu melden. Denn das Entgelt, was sie diesen Leuten zahlen müssen,  wird ihnen in den ersten zwei Jahren zu 100 Prozent von den Jobcentern erstattet. Danach sinkt die Förderung pro Jahr um zehn Prozentpunkte.

Die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA) startete gestern eine Charme-Offensive, um für diese neue Art der Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen zu werben.  Sie hatte zahlreiche Vertreter von Firmen, Verbänden, Kommunen und Wirtschaftskammern zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. „Wer Qualifikationsdefizite hat oder wem der Mut fehlt, all denen  soll mit dem Gesetz geholfen werden“, sagte Direktionschefin Heidrun Schulz. „Kinder sollen Eltern erleben, die arbeiten gehen.“ Selten sei  der Arbeitsmärkt so aufnahmefähig gewesen. „Wir knabbern an der Grenze von 30 000 Arbeitslosen“, bilanzierte Schulz. „Das sind die besten Werte seit 1981.“

Auch der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU), Joachim Malter, rief dazu auf, „diesen Menschen eine Chance zu geben“. Für ihn ist es wichtig, dass die Langzeitarbeitslosen während ihrer Tätigkeit von Mitarbeitern der Jobcenter oder sozialer Einrichtungen betreut werden. Dadurch dass diese Menschen längere Zeit aus dem Berufsleben raus seien und sich mit vielen Problemen rumschlagen müssten, „ist die Integration am Anfang vielleicht nicht einfach“. Durch die Betreuung könnten Konflikte jedoch rechtzeitig erkannt gelöst werden. Claus Weyers, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Saar-Bauwirtschaft (AGV Bau Saar), zeigte sich überzeugt, „dass sich unsere Firmen an diesem Programm beteiligen werden“.

Jürgen Barke (SPD), Staatssekretär im Sozialministerium, erinnerte daran, dass das Land mit seinem Programm A-Saar bei Bedarf Förderlücken schließen könne. In dieses Programm fließen jährlich drei Millionen Euro. Auch Peter Gillo (SPD), Direktor des Regionalverbands Saarbrücken, gab sich optimistisch. „Ich bin sicher, dass das Jobcenter des Regionalverbands in diesem Jahr einige hundert Frauen und Männer im Rahmen des neuen Gesetzes vermitteln kann“, sagt er.  Allein im ersten Quartal sollen es schon  300 sein.

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