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Kurzarbeit bei der Saarschmiede

Kurzarbeit bei der Saarschmiede

Mit einem neuen Produktportfolio soll die Saarschmiede wieder auf Kurs gebracht werden. Bis zum Sommer allerdings werde es eine Durststrecke geben. Die soll durch Kurzarbeit abgefedert werden.

Die Saarschmiede soll komplett neu aufgestellt werden. Das teilte gestern der Sprecher der Geschäftsführung , Martin Baues, nach einer Betriebsversammlung mit. "Wir waren bisher sehr fokussiert auf den Energiemarkt und auf europäische Partner", sagt er. Wenn aber Siemens als wichtiger Kraftwerkspartner weniger Aufträge habe, merke die Schmiede das auch sofort. Um sich unabhängiger zu machen, will Baues das Produktportfolio deshalb noch einmal kräftig ausweiten: Einerseits werde sich der Vertrieb nun stärker auch an Siemens-Wettbewerber wie General Electric im Kraftwerksbau wenden, andererseits würden auch ganz neue Märkte ins Visier genommen. Als Beispiel nennt Baues den Werkzeugstahl: "Der wird in der ganzen Werkzeugindustrie gebraucht. Weltweit gibt es einen Bedarf von rund zwei Millionen Tonnen. Da würden wir auch gerne ein oder zwei Prozent bei uns produzieren." Er habe seine besten Mitarbeiter im Vertrieb auf das Thema angesetzt, sagt Baues. "Die Saarschmiede hat eine unwahrscheinlich hohe Reputation. Das ist ein Feld, in dem wir unbedingt angreifen müssen ."

Bis Sommer, so die Hoffnung, soll die Schmiede stabilisiert sein. Doch das ist die Zukunft. Aktuell schreibt die Schmiede rote Zahlen, ist nicht ausreichend ausgelastet. An Kurzarbeit führe deshalb kein Weg vorbei. "Wir werden mit der Agentur für Arbeit reden und ab Oktober in verschiedenen Bereichen Kurzarbeit einführen", sagt Baues. Fünf Schichten pro Woche seien davon betroffen - letztlich würde die Produktion um rund 20 Prozent gekürzt. Aktuell beschäftigt die Schmiede 980 Mitarbeiter. Die gute Nachricht dabei: "Saarstahl wird das Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent aufstocken", sagt Betriebsratschef Stephan Ahr. Auch werde es keine Entlassungen geben. Und Guido Lesch, der für die IG Metall im Aufsichtsrat sitzt, fügt hinzu, dass auch die befristeten Arbeitnehmer nicht auf die Straße gesetzt werden, sondern Angebote bei Saarstahl bekommen werden.

Die Sparmaßnahmen machen auch vor der Geschäftsführung nicht Halt. Die ist von vier auf zwei Mitglieder verkleinert worden. Dieter Bokelmann und Önen Togar sind ausgeschieden. Künftig wird die Saar schmiede nur noch von Baues und Peter Schweda geführt. Beide sind auch noch bei Saarstahl aktiv: Baues als Vorstand Technik, Schweda als Personalvorstand.

Auch die Schmiede-Mutter Saarstahl soll bei der Kapazitätsreduzierung helfen. "Wir haben schon immer im Konzern Mitarbeiter dorthin versetzt, wo die Beschäftigung sehr gut ist", sagt Baues. Das werde jetzt auch bei der Schmiede passieren. In welchem Umfang das möglich ist, sei aber noch unklar: "Saarstahl ist aber gut ausgelastet", sagt Baues auf die Frage, ob der Konzern angesichts der Stahlkrise überhaupt noch Mitarbeiter an anderer Stelle aufnehmen kann.

Die Saarschmiede ist unter anderem durch die Energiewende in die Krise geraten. Das Unternehmen ist sehr stark auf den Kraftwerksbau ausgerichtet. Mitte 2010 wurde die Schmiede eingeweiht. Sie war mit einem Volumen von 450 Millionen Euro eine der größten Investitionen des Landes.

Meinung:

Hoffnung auf guten Namen

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Als die Saarschmiede im Jahr 2010 eingeweiht wurde, galt sie noch als gute Investition. Doch es zeigt sich, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können. Nicht nur die Katastrophe von Fukushima hat den Kraftwerksmarkt gebremst, auch haben Konkurrenten das Thema Schmiede schneller erkannt, als im Saarland erwartet. Die Neuausrichtung tut deshalb not. Schmiede-Chef Baues hat durchaus die richtigen Ideen. Es ist gut, wenn er sich von dem bisher engen Produktportfolio löst und weitere Märkte in den Fokus nimmt. Nun ist zu hoffen, dass der gute Name der Schmiede sich auch schnell in Umsätze ummünzen lässt.