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„Kontrapunkt gegen die Massenkultur“

„Kontrapunkt gegen die Massenkultur“

Das Saarbrücker Filmhaus soll zum Mekka der Improvisationsmusik werden: Zum „2. Freejazzfestival Saarbrücken“ versammeln sich dort am Freitag und Samstag allerlei namhafte regionale und auswärtige Musiker.

Organisatoren des Festivals, das vom Saarbrücker Kulturamt, Saartoto und der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt wird, sind wieder der Jazzprofi Christof Thewes, Hans Husel (früher Gastgeber der Reihen Improvisierte Musik und KünstlerHausMusik) und die Jazz-Enthusiasten Thomas Geisler und Stefan Winkler. Nach der begeisterten Aufnahme ihres eintägigen ersten Freejazzfestivals vor einem Jahr im Kleinen Theater im Rathaus gehen sie nun mit erweitertem Konzept und neuem Spielort an den Start.

Den Wohlfühlfaktor "im schönen Ambiente des Filmhauses" hebt Christof Thewes hervor, wo "akustisch, ohne große Verstärkeranlage" frei improvisiert werden könne. "Kreativität, Autonomie und Authentizität sind das Credo des Freejazz", sagt Stefan Winkler: Damit wolle man einen "bewusstseinserweiternden Kontrapunkt gegen die seelenlose Massenkultur" setzen. Wenn die Kooperation mit dem Filmhaus funktioniere, so Winkler, denke man künftig an eine "verstärkte Auslotung der Verbindung visueller und akustischer Medien". Musikkino bietet nun bereits der Festivalprolog am Donnerstag um 20 Uhr: Im Anschluss an zwei Dokumentarfilme ("Cecil Taylor in Paris", 1968, und "Made in America, 1984, über Ornette Coleman) gibt es ein "Workshop-Konzert" unter Leitung von Thewes zu einem Experimentalfilm. Die eigens für das Treffen formierte Thewes-Workshopband eröffnet auch den ersten Festivaltag, Freitag (19.30 Uhr). Zum Abschluss des Abends steigt Thewes (Posaune) erneut aufs Podium, nun im Quartett mit dem Schweizer Omri Ziegele (Saxofon), dem Wahl-Berliner Jan Roder (Bass) und dem Saarbrücker Schlagzeuger Daniel Prätzlich. Dazwischen verbünden sich der Tuba-Virtuose Carl-Ludwig Hübsch und die Chinesin Xu Fengxia mit ihrer Zither Guzheng zu einem außergewöhnlichen Instrumental-Duo.

Überwiegend saarländisch beginnt der Samstag (19.30 Uhr): Im Trio "Autochthon" jazzen die Saarbrücker Hartmut Oßwald (Saxofon, Bassklarinette) und Stefan Scheib (Bass) mit dem Berliner Schlagzeuger Wolfgang Schliemann im Spannungsfeld von Komponiertem und Improvisiertem. "Erdrutschartige Energieentladungen" verspricht anschließend das Solo von Matthias Schubert, einem Konditionswunder am Saxofon. Die Berliner Festival-Finalisten "Die dicken Finger" mit Olaf Rupp (Gitarre), Jan Roder (E-Bass) und Oliver Steidle (Schlagzeug) wollen schließlich die Grenzen improvisierter Musik vollends verschieben.

Karten: www.freejazzsaar.de; Anmeldung zum Workshop:

Tel. (0 68 21) 69 12 13.