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Kontowechsel wird künftig einfacher

Kontowechsel wird künftig einfacher

Viele Verbraucher scheuen sich, ihre Bankverbindung zu wechseln, obwohl das Girokonto bei einem anderen Anbieter womöglich günstiger ist. Künftig sind Banken verpflichtet, Kunden zu unterstützen.

Zahlreiche Kunden haben in den vergangenen Monaten Post von ihrem Kreditinstitut bekommen. Das Konto heiße jetzt anders, die Leistungen blieben gleich, der Preis werde sich aber leicht erhöhen. Weil die Banken in der Niedrigzinsphase kaum noch Geld verdienen können, sehen sich zunehmend Institute gezwungen, die Kontoführungsgebühr zu erhöhen. Bis zu elf Euro Gebühr werden teilweise fürs Girokonto fällig, hat die unabhängigen FMH Finanzberatung ermittelt. Grund genug für Kunden , über einen Wechsel des Anbieters nachzudenken. Und der wird ab diesem Sonntag auch leichter.

Denn ein Gesetz regelt, dass die Banken bei einem Kontowechsel künftig enger kooperieren müssen. Die bisherige Bank hat dazu dem neuen Institut und dem Kunden eine Liste der bestehenden Aufträge wie Daueraufträge und Lastschriften der vorangegangenen 13 Monate zu übermitteln. Das gilt auch bei Kontoeröffnungen im europäischen Ausland. Die Regelungen sind Teil des Zahlungskontengesetzes, mit dem eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wird.

Verbraucherschützer begrüßen die neue Bestimmung: "Das ist eine wichtige Regelung, weil der Kontowechsel vielen Verbrauchern bisher viel Kopfschmerzen verursacht hat", sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom aus dem Juni 2016 zufolge hat nur jeder vierte (23 Prozent) Deutsche schon einmal sein Girokonto gewechselt. Drei Viertel der Deutschen haben demnach ihre Hauptbankverbindung noch nie gewechselt.

Technisch sei der Wechsel relativ einfach, erläutert Commerzbank-Sprecherin Ulrike Eisenacher. Dafür würden sämtliche Daten aus 13 Monaten über einen Service-Dienstleister übertragen. Die jeweiligen Geschäftspartner des Kunden würden dann über den Kontenwechsel informiert. "Damit sind alle regelmäßigen Buchungen, zum Beispiel auch Einzugsermächtigungen, die nur einmal pro Jahr anfallen, erfasst", sagt Commerzbank-Niederlassungsleiter David Schüler.

Auch der Sparkassenverband Saar sieht bei der Abwicklung ab Sonntag keine Probleme. "Da der Zahlungsverkehr des Kunden genauso wie seine weiteren Daten elektronisch erfasst ist, stellt die technische Weiterleitung an das neue Institut keine neue Herausforderung dar", sagt Sprecherin Birthe Thiel. Die abgebende Bank hat laut Gesetz fünf Tage Zeit, sämtliche Daten an das neue Institut zu übergeben. Eine Sprecherin der Hypo-Vereinsbank betont, dass die Bank einen entsprechenden Service für online-geführte Konten bereits seit einem Jahr anbietet. "Mit positiver Resonanz", wie sie betont.

Ob es durch den vereinfachten Wechsel nun auch mehr Bewegung im Markt gibt, ist offen. Die Bank 1 Saar, größte Volksbank im Saarland, gibt sich zurückhaltend. Das könne man noch nicht abschätzen, sagt Vorstand Kurt Reinstädtler. Sein Kollege Edgar Soester ebenso wie Sparkassen-Präsidentin Cornelia Hoffmann-Bethscheider geben sich da schon selbstbewusster. Banken, die nah am Kunden sind und Qualität und Service bieten, würden auch in Zukunft von ihren Kunden geschätzt, heißt es von beiden. Sparda-Sprecher Andreas Manthe dagegen sagt, dass Kunden angesichts der Gebührenanhebungen "schon schauen werden, welche Bank noch zu ihnen passt". Die Sparda-Bank setzt weiter auf das kostenlose Girokonto.

Georg Fahrenschon , Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, geht aber davon aus, dass die Zeit gebührenfreier Konten zu Ende geht. Die werde es in einigen Jahren "praktisch nirgendwo" mehr geben. Auch die Finanzaufsicht Bafin geht davon aus, dass es Gratisangebote auf Dauer nicht mehr geben kann. Hier werde es zu einem Umdenken kommen, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld kürzlich.