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Versorgung mit Bargeld: Konkurrenz für Geburtstagskind Geldautomat

Versorgung mit Bargeld : Konkurrenz für Geburtstagskind Geldautomat

Vor 50 Jahren ging der erste Geldautomat in Betrieb. Bei der Versorgung mit Barem hat inzwischen der Handel eine starke Position.

Jederzeit Geld abzuheben, ist für Bankkunden inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Sie können es fast überall tun. Dabei ist der Geldautomat gerade einmal 50 Jahre alt. Vorreiter war die Kreissparkasse Tübingen, in deren Innenstadt-Filiale der erste Geldautomat Deutschlands Ende Mai 1968 in Betrieb ging. Zunächst durfte ihn nur ein kleiner Kreis von 1000 Kunden nutzen. Diese erhielten zehn Lochkarten auf Vorrat. Für jede Karte spuckte der Automat einen Hundertmarkschein aus. Auf einen Schlag konnten 400 D-Mark abgehoben werden. Eine weitere Voraussetzung war, dass das Girokonto einen Wert von mehr als 1000 D-Mark aufwies, damit der Kunde nicht ins Minus rutschte, wenn er seine zehn Lochkarten in rascher Folge einlöste.

Die Kunden hielten sich anfangs zurück. Nach zehn Monaten hatten sich gerade einmal 125 Interessierte für den neuen Service angemeldet. Der Durchbruch kam erst einige Jahre später – dann aber rasant. Heute sind nach Angaben der Bundesbank mehr als 58 000 Geldautomaten in Deutschland installiert. Den Höhepunkt erreichte ihre Zahl mit mehr als 58 800 im Jahr 2015, seither geht es leicht bergab. Im Saarland gibt es rund 620 Geldautomaten. Die Sparkassen betreiben davon 350 und die Genossenschaftsbanken etwa 250. Diese Zahlen sind seit Jahren konstant. Hinzu kommen die Automaten der Cash-Group-Institute wie Deutsche Bank oder Commerzbank.

Allerdings sind die Verbraucher  längst nicht mehr auf den Automaten angewiesen, um sich mit dem nötigen Bargeld zu versorgen. Inzwischen können sich die Kunden unter anderem bei Discountern wie Aldi-Süd, Netto oder Rewe nach dem Einkauf an der Kasse Geld auszahlen lassen. Cashback wird diese Dienstleistung genannt. Üblich sind maximal 200 Euro bei einem Einkaufswert von mindestens 20 Euro. Bezahlt werden muss mit der Girocard per Lastschrift oder Electronic-Cash (Eingabe der Karten-Pin). Bei der Abbuchung des Einkaufs wird das Konto zusätzlich mit der vorgestreckten Bargeld-Summe belastet. Das ganze Verfahren ist gebührenfrei.

Dieser Service wird  auch in den SB-Warenhäusern angeboten, die im Saarland stark vertreten sind. Das trifft unter anderem auf die Wasgau-Gruppe (Pirmasens) zu, bestätigte eine Sprecherin. Auch die St. Wendeler Globus-Gruppe weitet das Angebot des Bargelds an der Ladenkasse auf immer mehr Märkte aus. „Unsere Kunden können bislang in 29 Globus-Märkten Cashback an der Kasse nutzen und bis zu 200 Euro pro Einkauf kostenlos abheben. Voraussetzung für den Kunden ist eine Zahlung mit Girocard sowie ein Einkauf im Warenwert von über zehn Euro“, sagt Malte Wolters, Leiter Kassen- und Peripherieprozesse bei Globus. Im Saarland wird derzeit in den Märkten St. Wendel, Homburg-Einöd, Saarlouis, Losheim sowie im Friedel in der Saarbrücker Halbergstraße Cahback angeboten. Am 1. Juni soll Völklingen als weiterer Markt folgen. Auch bei der Handelskette Edeka Südwest machen Märkte bei Cashback mit. Bei Edeka gibt es allerdings viele selbstständige Kaufleute, denen es selbst überlassen ist, ob sie diesen Service vorhalten oder nicht.

Bei den Tankstellen ist Cashback noch nicht sehr verbreitet. Lediglich die Shell-Gruppe bietet Bargeld an. Dort muss außerdem nichts eingekauft werden. Die Bargeld-Summe orientiert sich an dem Tageslimit, das die jeweilige Bank ihren Kunden einräumt. Rund 1300 von etwa 2200 Shell-Stationen machen nach Angaben einer Sprecherin hierbei mit. Aufsteller oder Schilder weisen auf diese Möglichkeit hin.

Der Vorteil für die Händler ist Experten zufolge, dass sie weniger Bargeld abrechnen und transportieren müssen, was die Kosten der Geldversorgung und der damit verbundenen Versicherungen senkt. Außerdem will der Handel damit die Kundenbindung erhöhen.