Kommentar : Revolutionäres aus Berlin

Wer in München oder Hamburg eine Wohnung sucht, wird die Mietpreise in Berlin eher noch als moderat empfinden. Tatsache ist allerdings auch, dass die Mieten in der Hauptstadt so schnell gestiegen sind wie in keiner anderen deutschen Metropole.

Nach dem Willen einer Bürgerinitiative soll das Problem nun auf revolutionärem Wege gelöst werden. An diesem Samstag startete sie eine Unterschriftensammlung mit dem Ziel, private Wohnungsgesellschaften zu enteignen. Ein Vorstoß, der auch in anderen Städten Nachahmer finden könnte. Denn auch anderenorts fühlen sich viele Mieter ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

Dabei ist das Hauptproblem tatsächlich der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Mit einer Enteignung wird jedoch keine einzige neue Wohnung geschaffen. Überhaupt würde der Spielraum für den öffentlichen Neubau kleiner werden, denn wegen der fälligen milliardenschweren Entschädigungszahlungen an die Enteigneten stünde weniger Geld dafür zur Verfügung. Nur die Rechtsanwälte bekämen eine Menge zu tun. Für sie wäre die Enteignung ein wahres Konjunkturprogramm.