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Recycling-System
Remondis darf Grünen Punkt wohl nicht kaufen

 Der Grüne-Punkt ist in der Müllbranche umkämpft.
Der Grüne-Punkt ist in der Müllbranche umkämpft. FOTO: picture alliance / dpa / Oliver Multhaup
Bonn. Von Wolf von Dewitz, dpa

Das Bundeskartellamt schiebt der umstrittenen Übernahme des Grünen Punktes durch den Abfallriesen Remondis vorerst einen Riegel vor. Die Behörde teilte gestern mit, dass sie den Kauf der Firma DSD – dem Rechteinhaber am Recyclingzeichen Grüner Punkt – untersagen wolle. „Nach vorläufiger Bewertung würde die Übernahme von DSD durch Remondis zu einer Behinderung des Wettbewerbs bei den dualen Systemen in Deutschland führen“, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. „Zu befürchten wären höhere Kosten für DSD-Wettbewerber, erhebliche Marktanteilsgewinne von DSD und letztlich höhere Preise auf dem Markt für duale Systeme.“ Remondis und DSD haben nun zwei Wochen Zeit zu Stellungnahmen. Mitte Mai dürfte das Kartellamt seine finale Entscheidung bekannt geben.


Bisher ist eine britische Investorengruppe Eigentümer des DSD. Die Firma organisiert die Abholung, Sortierung und Verwertung von Abfall in Deutschland. Das Geld dafür bekommt sie von „Inverkehrbringern“ von Verpackungen, also von Herstellern, Händlern und Importeuren von Waren. Die Aufträge wiederum vergibt DSD an Müllabfuhren und andere Abfallfirmen, unter anderem an Remondis. Nach der Übernahme müsste DSD Abholaufträge zwar weiter ausschreiben, Aufträge zur Sortierung und Verwertung könnten aber direkt an die Konzernmutter vergeben werden.

Diesen Punkt sehen die Kartellwächter kritisch. DSD habe einen hohen Zugriff auf die Verpackungsmengen, die „das fusionierte Unternehmen zur weiteren Verarbeitung in Remondis-Anlagen umleiten und verbleibende Unteraufträge an Wettbewerber strategisch einsetzen“ könnte, heißt es. Zudem monierten die Kartellwächter, dass Remondis und DSD beide in der Aufbereitung von Glasscherben tätig sind. Nach einer Fusion kämen sie nach Rechnung der Bonner Behörde auf einen Marktanteil von 40 bis 60 Prozent und damit auf eine marktbeherrschende Stellung. Denkbar ist, dass dieses Geschäft teilweise verkauft wird und damit die Bonner Sorgenfalten zumindest etwas geglättet werden.



Der Grüne Punkt hat eine Schlüsselrolle in der Abfallwirtschaft. Früher war DSD mit dem Grünen Punkt Monopolist, auf Intervention der EU-Kommission entstanden nach der Jahrtausendwende aber auch Wettbewerber. Obwohl DSD mit dem Grünen Punkt in den vergangenen Jahren Marktanteile eingebüßt hat, hat die Firma weiterhin eine starke Stellung im Wettbewerb. Knapp ein Drittel der Leichtverpackungen – also Plastik, Blechdosen und anderes – entfiel Branchenangaben zufolge Anfang 2019 auf DSD.

Remondis ist mit großem Abstand die Nummer eins unter Deutschlands Müllkonzernen. 2017 kam das Familienunternehmen auf einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro. Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, Alba, kam in dem Jahr auf 1,7 Milliarden Euro Umsatz.