1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Karlsberg verkauft Online-Bier

Karlsberg verkauft Online-Bier

Das Internet ist eigentlich nicht der klassische Bier-Vertriebsweg. Karlsberg-Chef Christian Weber sieht allerdings viele Möglichkeiten, Bier auch im Netz zu verkaufen. Ein Test startet jetzt mit dem Festbier.

Ein Kasten Bier , bestellt per Internet und geliefert vom Paketboten. Geht es nach Christian Weber , Chef der Karlsberg-Brauerei in Homburg , ist das ein Blick in die Zukunft. "Wir können angstvoll auf all die Entwicklungen in der digitalen Welt schauen und hoffen, dass sie uns nicht betreffen, oder wir können einfach mitmachen."

Einen Internet-Shop, in dem man Fan-Artikel wie Flaschenöffner oder Biergläser kaufen kann, betreibt Karlsberg zwar schon länger. Neu ist, dass es seit dieser Woche auch Bier gibt. Und zwar eines, das es im Handel nicht zu kaufen gibt. "Wir haben extra für die Aktion das Festbier, das wir in der Zeit der Oktoberfeste brauen, abgefüllt und verkaufen 2000 Kisten über die Online-Plattform."

Es ist ein Testballon, den Weber starten lassen will, um Erfahrungen zu sammeln. Nicht nur die ganz banale, ob der Bier-Versand per Internet überhaupt nachgefragt wird, sondern auch die, ob die Paketboten das Bier wirklich zum Kunden bringen oder einfach nur Benachrichtigungskarten einwerfen, und wie es mit Reklamationen oder dem Rücksenderecht der Kunden aussieht.

Der Online-Shop über die Internet-Seite der Brauerei soll nur der Einstieg sein. "Die digitalen Möglichkeiten sind immens", sagt Weber. Beispielsweise werde ja schon lange über den Internet-Kühlschrank nachgedacht, der automatisch Lebensmittel nachbestellt. "Beim Bier könnte das auch funktionieren", sagt er. Für die Gastronomie hat das Unternehmen gerade eine Plattform entwickelt, auf der Bestellungen, die bisher telefonisch aufgenommen wurden, online abgewickelt werden. "Und bislang denken wir ja noch in der klassischen Bildschirm-Oberfläche", sagt Weber. Mit all den Uhren, Brillen und was es alles geben könne, würden sich ganz neue Möglichkeiten ergeben. Letztlich schwebt dem Karlsberg-Chef eine Lösung vor, bei der man beispielsweise über eine Internet-Bestellplattform ein Abendessen inklusive Getränke bestellen kann.

Der Internet-Shop wäre auch eine Möglichkeit, den Vertrieb für die Spezialbiere, die Karlsberg im vergangenen Jahr ins Produktportfolio aufgenommen hat, auszubauen. Seit einem Jahr verkauft die Homburger Brauerei auch Traditionsbiere das der katalanischen Moritz-Brauerei, das italienische Menabrea oder das australische Ingwer-Bier Bundaberg. Moritz und Menabrea hätten großes Szene-Potenzial, sagt Weber.

Bei allem Optimismus gebe es aber noch zahlreiche Probleme, die eine Internet-Strategie mit sich bringt. "Der zentrale Punkt ist die Logistik", sagt Weber. "Wie stelle ich beispielsweise sicher, dass nicht Kisten teuren Regalplatz blockieren, die dann kaum gefragt sind." Und wie schnell lassen sich die Getränke dann liefern. Und natürlich gelte es auch, den Handel nicht zu verprellen. Der müsse deshalb über Kooperationen eingebunden werden.

Die wichtigste Frage allerdings ist: Wie viele Nutzer für Online-Bier wird es am Ende überhaupt geben. Die 2000 Kisten Festbier sind insofern eine Testmenge, für die laut Weber idealerweise bald der Hinweis erscheint: "Ausverkauft!"

Meinung:

Bier-Gefühl per Klick

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Auf den ersten Blick fallen einem viele Gründe ein, warum ein Bier-Vertrieb über das Internet eigentlich nicht funktionieren kann. Da ist das Gewicht der Pakete, da ist das Bruch-Risiko. Und da ist das Argument, dass es Bier eigentlich auch an der Tanke oder im Laden um die Ecke zu kaufen gibt. Christian Weber ficht all das nicht an. Er setzt stattdessen darauf, dass Kunden eben ein bestimmtes, besonderes Bier haben wollen. Und dass sie nicht nur bereit sind, dieses auch online zu bestellen, sondern dass gerade der Einkauf per Internet noch den besonderen Reiz ausmacht. Die Strategie ist auf der einen Seite mutig, denn auch solch ein Online-Test kostet schließlich Geld. Auf der anderen Seite ist der Schritt auch vernünftig. Nur wer Neues ausprobiert, wird auf Dauer am Markt bestehen können.