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Inexio-Gründer David Zimmer: Millionär weist Steuerhinterziehung zurück

Staatsanwalt ermittelt gegen Inexio-Gründer : Multi-Millionär David Zimmer aus Merzig weist Vorwürfe der Steuerhinterziehung zurück

Staatsanwälte ermitteln wegen schwerer Steuerhinterziehung in einer Größenordnung von insgesamt 500 Millionen Euro gegen mehr als 40 Millionäre. Darunter ist auch ein Saarländer: Inexio-Gründer David Zimmer bestätigt die Ermittlungen, weist die Vorwürfe aber „entschieden zurück“.

Steuerfahnder und Staatsanwälte in München halten sich in dem groß angelegten Ermittlungsverfahren gegen mehr als 40 Millionäre und deren Berater sehr bedeckt. Mit Hinweis auf das Steuergeheimnis lehnt Oberstaatsanwältin Anne Leiding jede Auskunft ab. Wie berichtet sind die bayerischen Ermittler bereits seit Monaten bundesweit auf der Spur finanzstarker Unternehmer. Diese sollen nach Berichten von Handelsblatt und Süddeutscher Zeitung durch ein angeblich illegales Steuerhinterziehungsmodell Abgaben in Millionenhöhe hinterzogen haben. So sollen die Unternehmer durch Firmenkäufe Verluste von insgesamt einer Milliarde Euro generiert haben, die tatsächlich jedoch nicht angefallen seien. Durch die Verrechnung dieser Verluste konnten die kapitalstarken Investoren, so der Vorwurf der Ermittler, wiederum ihre Steuerlast um Millionen Euro drücken. Im Durchschnitt soll die Steuerersparnis der Beschuldigten bei rund zehn Millionen Euro gelegen haben.

Steuerermittlungen gegen Inexio-Gründer David Zimmer

Von diesem „Steuersparmodell“ soll auch ein bekannter saarländischer Unternehmer und Investor kräftig profitiert haben: David Alexander Zimmer (48), Gründer der Firma Inexio, ein erfolgreiches Glasfaser- und Telekommunikations-Unternehmen, das Ende 2019 für einen geschätzten Preis von rund einer Milliarde Euro an die schwedische Investmentgesellschaft EQT verkauft wurde. Zimmer war damals Minderheitseigner und verkaufte auch nicht sämtliche Anteile. Im Frühjahr 2020 übernahmen dann EQT zusammen mit dem kanadischen Pensionsfonds Omers die Deutsche Glasfaser und fusionierten  das Unternehmen mit Inexio. Zimmer sitzt jetzt im Aufsichtsrat der Deutschen Glasfaser.

David Zimmer bestätigt Ermittlungen

Familienunternehmer und Investor Zimmer, der mit seiner Firma Kalodion „unter den Linden“ in Berlin residiert und eine Niederlassung an seiner Privatadresse in Merzig unterhält, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I. „Als Familienunternehmer nehme ich seit 25 Jahren Verantwortung wahr, insbesondere für die Entwicklung meiner saarländischen Heimat als lebenswerten Wirtschaftsstandort und für viele hundert Arbeitsplätze, die ich mit den von mir gegründeten und geführten Unternehmen geschaffen habe. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft München komplexe Vorwürfe in Bezug auf Angaben meinerseits gegenüber dem Finanzamt. Diese Vorwürfe weise ich entschieden zurück.“

Durchsuchung in Privatvilla in Merzig

Nach Informationen unserer Zeitung wurde Zimmers Privatvilla in Merzig am 29. September von einem Großaufgebot bayerischer und saarländischer Fahnder durchsucht. Gegen den richterlichen Durchsuchungsbeschluss hat der Multi-Unternehmer nach Angaben seines Mediensprechers Markus Resch umgehend über seinen Rechtsanwalt Einspruch eingelegt.

Zimmer: „Ich habe nichts verheimlicht“

In seiner umfangreichen Stellungnahme erklärt der Investor und Gründer, „er habe völlig legal“ die Möglichkeit genutzt, Verluste aus einem Geschäft mit Gewinnen aus einem anderen Geschäft zu verrechnen. Dies sei geübte Praxis für Millionen Freiberufler, Unternehmer und Anleger. Gegenüber dem Finanzamt habe er stets seine „Vorgehensweise der Verrechnung von Gewinnen offen und transparent dargelegt“. Wörtlich heißt es in der Erklärung weiter: „Ich habe nichts verheimlicht oder gar verschleiert. Zu meiner Steuererklärung sollte daher gegenüber dem Finanzamt keine Frage unbeantwortet geblieben sein. Und wenn doch, bin ich gerne bereit, diese jederzeit gegenüber den Behörden ergänzend zu beantworten.“

Zimmer: „Vorgehen der Staatsanwaltschaft unangemessen“

Daher erscheine ihm das Vorgehen der Staatsanwaltschaft umso mehr unangemessen und zudem völlig unverständlich“. Dennoch werde er die Behörden bei ihren Ermittlungen „mit aller Kraft und Offenheit“ unterstützen. Er sei sich sicher, dass er seiner Verantwortung und seinen Pflichten als Steuerbürger „vollumfänglich nachgekommen“ sei.