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Industriekonzern im Umbruch: Siemens verschärft die Sparmaßnahmen

Konzern im Umbruch : Siemens verschärft die Sparmaßnahmen

Wie der geplante Umbau bei Siemens die Mitarbeiter betrifft, ist noch unklar. Am geplanten Stellenabbau hält der Konzern aber fest

„Was könnte eine größere Transformation sein als diese“, fragte Siemens-Chef Joe Kaeser gestern rhetorisch die Analysten auf dem Kapitalmarkttag in München. Wenige Stunden zuvor hatte er mit der Ankündigung, das Energiegeschäft an die Börse zu bringen, weiter Hand angelegt an die DNA des einstigen Mischkonzerns, zu dem vor vielen Jahren auch mal Telefone und Haushaltsgeräte gehörten. Schlanker, flexibler und auch kleiner soll Siemens werden, um auf Herausforderungen der Digitalisierung und Globalisierung besser reagieren zu können.

Was die Umstrukturierung für die Beschäftigten bedeutet, bleibt offen. Im Herbst 2018 einigte sich der Konzern mit der Arbeitnehmerseite auf den Abbau Tausender Stellen in der Kraftwerksparte und die Neuaufstellung der deutschen Standorte. Diese Vereinbarung habe auch mit der Ausgliederung Bestand, betonte Kaeser. Wo jedoch das neue Unternehmen seinen operativen Sitz habe, sei noch unklar.

Betroffen von den Veränderungen seien bundesweit fast 20 Standorte mit zusammen deutlich über 20 000 Beschäftigten, teilte die IG Metall nach der Ankündigung mit. „Quantitativ betroffen sind in Deutschland primär Berlin, Duisburg, Erfurt, Erlangen, Görlitz, Mülheim, Nürnberg und Offenbach.“ Bekannt ist, dass das neue Unternehmen mehr sparen soll als bislang geplant. So verdoppelte Siemens das Einsparziel auf eine Milliarde Euro bis 2023. Im Aufsichtsrat hatte die Arbeitnehmerseite der Ausgliederung zugestimmt. „Unter dem Strich überwiegen aus Arbeitnehmersicht angesichts der Gesamtsituation die positiven Aspekte“, hieß es von Seiten der IG Metall. Sie böten dem Bereich und seinen Beschäftigten eine bessere Perspektive als innerhalb der Siemens AG. Konzernweit will Kaeser bis 2023 rund 10 400 Stellen abbauen. Es sei zu früh, um zu sagen, welche Regionen das besonders betrifft, hieß es von Siemens.

Siemens will die Sparte „Gas and Power“ in ein neu zu gründendes Energieunternehmen auslagern. Dorthin sollen bis 2020 rund ein Drittel des derzeitigen Gesamtumsatzes und rund 80 000 Beschäftigte übertragen werden. Das neue Unternehmen soll auch die 59 Prozent Anteile an Siemens Gamesa übernehmen, die der Konzern bislang selbst gehalten hatte.

Damit treibt Siemens seine Ausrichtung auf digitale Technologien voran. Unter dem Titel „Vision 2020+“ hatte Kaeser diesen Prozess im August 2018 eingeleitet. Der Konzern stellte seine Struktur um. Seit April besteht sein Kern aus drei operativen Einheiten: Gas und Power, smarte Infrastrukturen und digitale Industrien. Mit der Abspaltung reduziert sich dieser Kern auf die zwei letzteren Einheiten. Hinzu kommen drei strategische Unternehmen, zu denen bislang die Zugsparte Mobility, die Medizintechnik Healthineers sowie die Windkraftsparte Siemens Gamesa gehörten. Die letzten beiden sind bereits als eigenständige Unternehmen an der Börse. An dem neuen Unternehmen will Siemens mit einer Minderheit von mindestens 25 Prozent beteiligt bleiben.
Geld hat die Branche im jüngst abgelaufenen Quartal vor allem mit langfristigen Service-Aufträgen verdient. Mit Öl, Gas und erneuerbaren Energien künftig unter einem Dach will Kaeser Optionen für Investoren schaffen und sich auf die unterschiedlichen Nachfragen aus allen Teilen der Welt einstellen. Doch die Umsätze waren auch im zweiten Quartal weiter rückläufig.