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In der Saar-Wirtschaft wachsen die Sorgen

Trübe Aussichten : In der saarländischen Wirtschaft wachsen die Sorgen

Die Unternehmen haben einen frostigen Start ins Jahr. Das Konjunkturklima für ganz Deutschland fällt auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren.

Die Stimmung in der Saar-Wirtschaft hat sich im Januar weiter verschlechtert, auch in ganz Deutschland wachsen die Sorgen um die Konjunktur. In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft sank die Stimmung zum Jahresbeginn auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Das Ifo-Geschäftsklima fiel im Januar im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Punkte auf 99,1 Zähler, wie das Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut in München mitteilte. Nach dem fünften Rückgang in Folge liegt das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer damit auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2016. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Abschwung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Während die Unternehmen ihre aktuelle Lage nur etwas schwächer einschätzen, bewerten sie die Aussichten für die kommenden sechs Monate deutlich pessimistischer.

Genauso schätzen auch die Betriebe im Saarland ihre Situation ein, wie aus der Konjunktur-Umfrage der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (IHK) hervorgeht. An der Befragung beteiligten sich rund 300 Unternehmen mit gut 120 000 Beschäftigten. Das IHK-Konjunkturbarometer für die Geschäftserwartungen fiel demnach um 0,8 Punkte und liegt mit minus 2,7 Punkten tief im negativen Bereich.

IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen äußert sich daher skeptisch: „Die Konjunktur hat zuletzt deutlich an Dynamik verloren und dürfte auch im weiteren Jahresverlauf nur in Trippelschritten vorankommen. Sorgen bereitet den Unternehmen die konjunkturelle Abschwächung in China, der nach wie vor ungelöste Handelskonflikt sowie vor allem der Brexit.“  Nur unter der Voraussetzung, dass diese Risiken beherrschbar bleiben und die Binnennachfrage sich weiter robust entwickelt, könne das Saarland in diesem Jahr ein Wachstum von 0,5 bis 1,0 Prozent erreichen, sagte Klingen.

In diesem Jahr blicken die Unternehmen nach Einschätzung der IHK so verhalten auf das erste Halbjahr wie schon lange nicht mehr. Für die kommenden Monate rechnen nur zehn Prozent mit besseren Geschäften. Eine Verschlechterung befürchten dagegen 13 Prozent. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) erwarten keine Veränderung der Situation. Der IHK-Hauptgeschäftsführer fordert deshalb von der Bundesregierung „ein Signal für Aufbruch und Investitionen“. Dazu zählen laut Klingen  bessere Abschreibungsbedingungen, eine zügige Einführung der steuerlichen Forschungsförderung für alle Unternehmen sowie die rasche und vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags.

 Die Bundesregierung will ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr  deutlich nach unten schrauben. Die Regierung rechnet im neuen Jahreswirtschaftsbericht für 2019 nur noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent, wie es am Freitag in Koalitionskreisen hieß. Als Gründe für die deutliche Rücknahme werden laut den Berichten unter anderem eine Abkühlung der Weltwirtschaft sowie die Hängepartie um den EU-Austritt Großbritanniens genannt. Für 2020 rechnet die Regierung dann wieder mit einem stärkeren Wachstum von 1,6 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stellt den Jahreswirtschaftsbericht am kommenden Mittwoch vor.

Von einem „frostigen Start ins neue Jahr“, sprach Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Wir können froh sein, dass Sonderfaktoren wie die Erholung der Autoproduktion von den Abgastest-Problemen trotzdem für ein positives Wachstum im ersten Quartal sorgen dürften“. Mittelfristig komme es vor allem auf China an. Krämer rechnet damit, dass das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt dank des Konjunkturprogramms der Regierung wieder an Tempo gewinnt.