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Im Saarland könnten noch mehr Frauen Vollzeit arbeiten als bisher

Arbeitende Frauen im Saarland : „Wir haben noch viel Potenzial“

Die Zahl arbeitender Frauen im Saarland ist gestiegen. Doch noch immer liegen die Werte hierzulande unter dem Bundesschnitt.

Obwohl die Zahl der Frauen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Saarland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist – um 18,9 Prozent auf 176 700 – ist die Beschäftigungsquote im Vergleich zum Bund noch immer unterdurchschnittlich. 52,6 Prozent der Frauen im Saarland gingen 2017 arbeiten, im Bund waren es 56,4 Prozent. Sabine Birk, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Bundesagentur für Arbeit, führt dieses Phänomen auf traditionelle Hintergründe zurück: „Im Saarland ist es immer noch sehr ausgeprägt, dass man als Frau zu Hause bleibt und sich um Familie oder auch Pflege kümmert.“

Gleichzeitig spielten aber auch externe Faktoren wie fehlende Kinderbetreuungsplätze im Saarland und ein nicht ausreichender öffentlicher Nahverkehr eine Rolle dafür, dass sich gerade Frauen mit Kindern hierzulande häufiger dafür entscheiden, zu Hause zu bleiben. „Außerdem kommt hinzu, dass Frauen häufig Ausbildungsberufe ergreifen, bei denen es schwierig ist, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen“, sagt Birk. Als ein Beispiel nennt sie die Gesundheitsbranche, in der überwiegend Frauen arbeiten. Die dort vorherrschenden Schichtdienste seien mit Kinderbetreuung oft nicht in Einklang zu bringen. Birk sieht hier auch die Arbeitgeber in der Pflicht, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle ebenso wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten einzuführen.

Obwohl die Berufstätigkeit von Frauen im Saarland stark zugenommen hat, gibt es Birk zufolge hierzulande „noch viel Potenzial“. Vor allem Frauen mit Mini-Jobs könnten oft auch höherwertige Beschäftigungen übernehmen. „Viele Frauen in diesem Bereich arbeiten weit unter ihren Möglichkeiten“, sagt Birk. Oft hätten sie eine Schulbildung, angesichts derer ihnen bei entsprechender Qualifizierung auch bessere Jobs offen stehen würden. Birk wirbt in diesem Zusammenhang auch für die Möglichkeit einer Teilzeit-Ausbildung, die sich beispielsweise für Mütter anbiete, die Kinder betreuen müssen. Bei dieser Form der Ausbildung können Auszubildende und Betrieb eine geringere wöchentliche Arbeitszeit zwischen 20 und 30 Stunden vereinbaren.

Birk zufolge ist es zwar schwieriger, Frauen in Arbeit zu bringen als Männer, aber ihre Beschäftigung sei letztlich beständiger. Denn vornehmlich arbeiteten diese in Bereichen, die von einem Konjunkturabschwung weniger betroffen seien als Männerdomänen wie Bau und Industrie. Frauen arbeiten vor allem in den Branchen Gesundheit, Erziehung und Unterricht sowie in der öffentlichen Verwaltung. Der Anteil berufstätiger Frauen im Gesundheitswesen beträgt demnach im Saarland 79 Prozent, im Bereich Erziehung und Unterricht sind es 71,8 Prozent, im der öffentlichen Verwaltung 61,4 Prozent.

Seit Jahren versucht die Bundesagentur, Frauen auch stärker für technische und gewerbliche Berufe zu begeistern. Hier sieht Birk aber auch die Betriebe in der Pflicht: „Da muss sich auch die Einstellung in der Belegschaft ändern. Die Kollegen müssen erkennen, dass Frauen an der Werkbank kein Ziel für blöde Sprüche, sondern eine Bereicherung für die Firma sind.“