IG Metall schickt geballte Betriebsrats-Kompetenz ins Rennen

Saarbrücken · Die Sozialwahlen, bei denen in diesen Wochen die Vertreterversammlungen und Verwaltungsräte bei den gesetzlichen Renten- und Krankenversicherungen sowie den Berufsgenossenschaften neu gewählt werden, entbehren diesmal an der Saar nicht einer gewissen Spannung. Denn bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Saarland finden erstmals so genannte Urwahlen statt. Das bedeutet, dass die 15 Vertreter der Arbeitnehmer von den Versicherten bis zum 31. Mai per Briefwahl bestimmt werden. Die Wahlzettel können portofrei zurückgeschickt werden. Inzwischen ist eine Art Wahlkampf um die Sitze in der Vertreterversammlung ausgebrochen, um die insgesamt vier Listen kämpfen. Eine davon ist die Gewerkschaft IG Metall mit der Liste 3.

 Michael Fischer steht auf Platz 1 der IG-Metall-Liste Foto: ruppenthal

Michael Fischer steht auf Platz 1 der IG-Metall-Liste Foto: ruppenthal

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Die Metaller schickt alles ins Rennen, was in der saarländischen Betriebsräte-Szene Rang und Namen hat. Angeführt wird diese Liste von Michael Fischer, dem Betriebsratsvorsitzenden der Dillinger Hütte. Auf Platz zwei steht Roland Marx, Betriebsratschef beim St. Ingberter Automobilzulieferer Voit. Auch die folgenden Plätze sind ähnlich prominent besetzt.

"Wir sind davon überzeugt, dass unsere Leute die Versicherten der DRV Saar in der Vertreterversammlung optimal betreuen können, da wir in den Betrieben ihre Probleme und Sorgen täglich hautnah miterleben", sagt Robert Hiry, 1. Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Völklingen. "Regelmäßig kommen Leute zu den Betriebsräten und Vertrauensleuten in den Unternehmen, die kurz vor der Rente stehen und die wissen wollen, was jetzt zu tun ist", erläutert Jörg Caspar, Chef der IG-Metall-Verwaltungsstelle Neunkirchen. "Wir füllen dann mit ihnen die Anträge aus."

Allerdings gehe es bei den Beratungen nicht nur um den problemlosen Wechsel in den Ruhestand. "Wir beraten die Kollegen auch, wenn eine Reha-Maßnahme anfällt", sagt Michael Fischer. "Wir müssen uns ja damit beschäftigen, wie die Kollegen nach einer schweren Krankheit wieder in den betrieblichen Ablauf integriert werden können. Das kann auch die Suche nach einer neuen Tätigkeit sein", erläutert Jörg Piro, stellvertretender Betriebsratsvorsitzende des Saarstahl-Werks Neunkirchen, der auf Platz drei der IG-Metall-Liste rangiert. "Wenn es irgendwie möglich ist, wollen alle nach einer Erkrankung wieder arbeiten, um nicht von einer Erwerbsminderungsrente leben zu müssen."

"Wir können eine Situation anders beurteilen als der Sachbearbeiter der DRV Saar, der häufig nach Aktenlage entscheidet", ergänzt Thomas Fischer, stellvertretender Betriebsratschef im Saarlouiser Ford (Listenplatz fünf). Er erzählt von einem behinderten Kollegen, dessen Auto hätte umgerüstet werden müssen, damit er weiterhin zu seinem Arbeitsplatz fahren konnte. Die DRV Saar habe ihm diese Umrüstung verweigert und ihm stattdessen vorgeschlagen, mit dem Bus zum Ford-Werk auf den Saarlouiser Röderberg zu fahren. "Das ist schlicht unmöglich", sagt Fischer.

Die Basisarbeit wird in den Widerspruchsauschüssen gemacht. Legt jemand Widerspruch ein, wird in dem Ausschuss darüber beraten und abgestimmt. Dieser ist mit drei Leuten besetzt: jeweils mit einem Mitglied der Vertreterversammlung von der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite so einem Mitarbeiter der DRV Saar. "Dieser kann von den beiden anderen überstimmt werden", sagt Michael Fischer. "Für den Einzelnen geht es daher schon um viel."

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